International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Donald Trump und Kim Jong-un sind mittlerweile beide in Singapur angekommen picture alliance / AA

Ostasien hält beim Treffen der Unberechenbaren den Atem an

11.06.18, 15:25

Finn Mayer-Kuckuk, Peking

Das Treffen zwischen Donald Trump und Kim Jong-un wird die Zukunft der ganzen Region prägen. Von einem geschichtsträchtigen Abkommen bis zu einem totalen Debakel ist alles möglich.

Am Flughafen Singapur warteten am Sonntag mehrere Kühllaster des Verpflegungsdienstleisters Sats auf die Landung eines ganz bestimmten Flugzeugs. Die Iljuschin, eine Maschine russischer Bauart, brachte Lebensmittel, Luxusautos und Dinge des täglichen Bedarfs für Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un direkt aus Pjöngjang.

Offenbar traut dieser dem Essen in der Gastgeberstadt seines Treffens mit Donald Trump nicht so ganz. Der Diktator selbst kam wenig später mit einem Jumbo-Jet eingeschwebt, den ihm die Chinesen für diese Reise geliehen hatten – schließlich hat sich noch nie ein nordkoreanischer Führer so weit von seinem Heimatland wegbewegt.

Kim wird die Bombe nicht ohne Gegenleistung aufgeben

Nordkorea zeigt derzeit eine bemerkenswerte Bereitschaft, sich zu öffnen. Kim geht mit weitreichenden Angeboten in das Treffen mit Trump hinein, das in der Nacht von Montag auf Dienstag unserer Zeit stattfindet. Er hat sich zu atomarer Abrüstung bereiterklärt – und stellt damit diejenige Errungenschaft seines Landes infrage, um die er am härtesten gekämpft hat.

Schließlich hat er die nordkoreanische Wirtschaft maximal ausgequetscht, um die Ressourcen für sein Atomprogramm zusammenzukratzen. Zur Strafe musste er Sanktionen der Weltgemeinschaft erdulden. Nun soll er die Bombe Trump gegenüber einfach so wieder aufgeben? Schwer vorstellbar.

Daher ist völlig offen, was am Dienstag passiert. Über die Verhandlungspositionen ist erschreckend wenig bekannt. Trump hat sich geweigert, den Gipfel gründlich vorzubereiten. Und Nordkorea-Diplomatie war schon immer schwierig. Für Kim handelt es sich erst um das zweite Gipfeltreffen außerhalb Koreas.

Es kommt zum Gipfel der Persönlichkeiten

Es hängt also ungewöhnlich viel von den Persönlichkeiten der beiden Staatsführer ab. Das bereitet den am meisten betroffenen Ländern erhebliche Sorge. Südkoreas Präsident Moon Jae In musste vor anderthalb Wochen bereits Feuerwehr spielen, als Kim erst gegen die Amerikaner stänkerte und Trump den Gipfel daraufhin gleich komplett abgesagt hatte. Es gelang Moon jedoch, die launischen Kontrahenten wieder zusammenzubringen.

"Der Feuerlöscher" bei dem Treffen:

Südkoreas Präsident Moon Jae In wird unter Umständen vermitteln müssen bild: XinHua

Japan wiederum fürchtet, von Trump bei den Verhandlungen vergessen zu werden. Premier Shinzo Abe ist vergangene Woche extra in Washington vorbeigeflogen, um ihn an die Interessen des langjährigen Bündnispartners zu erinnern. Es wäre für Trump verführerisch, zu einem Abschluss mit Kim zu kommen, der erst einmal gut klingt, die Gefahr für die Region jedoch nicht entschärft.

Kim könnte beispielsweise anbieten, seine neu entwickelten Langstreckenraketen zu verschrotten. Das klingt erst einmal gut, aber Japan liegt bequem in Reichweite von Mittelstreckenraketen. Diese, sagt Abe, müssten ebenfalls weg, bevor mit den Nordkoreanern ein zivilisierter Dialog möglich sei.

Endet der Gipfel schon nach einer Minute?

Auch "atomare Abrüstung" klingt erst einmal gut, doch bisher stellen sich Trump und Kim sehr unterschiedliche Dinge darunter vor. Die USA fordern eine sofortige, unumkehrbare Zerstörung aller Bomben und der Anlagen zu ihrer Herstellung. Nordkorea denkt eher an einen langsamen Prozess, der die nukleare Abschreckung noch lange aufrechterhält.

Auf diese Unterschiede angesprochen, sagte Trump am Wochenende, er werde sofort erkennen, ob Kim sein Angebot ernst meint. "In der ersten Minute werde ich es wissen", sagte er US-Berichten zufolge. "Mein Gespür, mein Gefühl werden es mir sagen."

Kim wiederum ließ sich am Sonntag nach Begrüßung durch den Außenminister von Singapur gleich ins Hotel St. Regis fahren, begleitet von einer Motorradeskorte der örtlichen Polizei. Bei Ankunft waren dann Leibwächter in schwarzen Anzügen zu sehen, die Kims Wagen im Laufschritt umringten und finstere Blicke in alle Richtungen warfen. Er selbst versteckte sich hinter getönten Scheiben – und hat bisher nichts über seine Strategie bekanntgegeben.

Kim ist ein geschickter Verhandlungsführer geworden

Trump mag über Kim spotten, doch dieser hat sich in den vergangenen Monaten als geschickter Verhandlungspartner erwiesen. Der junge nordkoreanische Machthaber ist fest entschlossen, als Sieger wieder aus Singapur abzureisen. Das bedeutet konkret: Eine Aufhebung von Sanktionen und eine Einbindung seines Landes an den Welthandel plus Investitionen und Wirtschaftshilfe. Vielleicht fliegt er dann künftig regelmäßig an Orte wie Singapur.

Dieser Artikel erschien zuerst auf t-online.de

Mehr über die Trump-Regierung:

Kardashians Besuch hat gewirkt – Trump mindert Strafmaß für Alice Johnson

Trump will weiter kritische Twitter-Follower verbannen können

Gipfel am 12. Juni: Trump will sich nun doch mit Kim treffen

Ihre Königliche Hoheit, Präsident Donald J. Trump – will sich notfalls selbst begnadigen

Soziopath, Hochstapler, Egomane: Netflix-Doku zeigt den wahren Donald Trump

Trumps früherer Wahlkampfmanager wollte offenbar Zeugen beeinflussen

Merkel ist auch wegen Trump erneut angetreten – sagt ein Obama-Vertrauter

Trump, der Unberührbare – was hinter seiner neuen Verteidigungsstrategie steckt

Trump nach Rassismus-Tweet von Roseanne: "Bei mir hat sich ABC nie entschuldigt!"

Warum Trump gerade einen Super-Bowl-Champion aus dem Weißen Haus ausgeladen hat

Ein bisschen gut für die Demokratie – ein bisschen sehr gut für Angela Merkel

"So unfair, so böse"– Trump sauer wegen Spekulationen um seine Melania

In diesem "bescheidenen" Hotel treffen sich Donald Trump und Kim Jong-un

Warum Trumps Null-Toleranz-Politik an der US-Grenze nicht normal ist

Trumps nächster Berater tritt zurück - Nummer 18 auf unserer Liste

Der Angriff in Syrien hat sich gelohnt – zumindest für Trump

Er liebt Trump und Taylor Swift – jetzt wurde der "Asian-Nazi" verhaftet 

Affäre um Porno-Star: FBI durchsucht Büro von Trumps Anwalt

19 mal "Soo Saaad!": Erinnerst du dich an diese Trump-Aussteiger?

5 Attacken auf Trump – jetzt schlägt der US-Präsident auf Twitter zurück

Donald Trump droht mit Raketenangriff nach Giftgasangriff auf Syrien

Boxer mit Trump-Mauer auf Shorts wird von Mexikaner zerstört

Luftangriffe auf Syrien – Trump will Truppen schnellstmöglich abziehen

Mueller hat neue Beweise und bringt damit Trump-Anwalt immer mehr in die Klemme

Comey: Trump ist "moralisch nicht geeignet" fürs Präsidentenamt

Trump feuert Außenminister Rex Tillerson – weil der seinen Job macht

Der US-Senat bestätigt Hardliner Pompeo als Außenminister – so kam's

Wer hat Angst vor der Waffenlobby NRA? Donald Trump

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Was bitte ist gerade in der Türkei los, Herr Küpeli?

Nur noch 9 Tage bis zu den Wahlen in der Türkei. Und der Druck auf die Oppositionsparteien scheint immer weiter zuzunehmen. Besonders auf die prokurdische Partei HDP, deren Kandidat Selahattin Demirtaş im Gefängnis sitzt.

Aktuell kursiert ein Video auf Twitter, das den türkischen Staatspräsidenten bei einer nicht-öffentlichen Rede vor AKP-Mitgliedern zeigt.

Im Video, das am 13. Juni auf dem regierungskritischen Kanal "Turkey Untold" geteilt wurde, spricht Staatspräsident Erdoğan davon, …

Artikel lesen