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Bild: imago/getty images/montage: watson

Widersprüchliche Aussagen aus Vergangenheit – Warum Trump sich bei Assange so zurückhält

Julian Assange fürchtet nach seiner Festnahme eine Auslieferung in die USA. Washington jagt ihn seit neun Jahren, doch ausgerechnet Donald Trump hat ein WikiLeaks-Problem.

Fabian Reinbold, Washington

Donald Trump gab den Ahnungslosen. "Ich weiß nichts über WikiLeaks", sagte er, als er mit den Meldungen der Festnahme von Julian Assange konfrontiert wurde. "Das spielt keinerlei Rolle in meinem Leben", behauptete der US-Präsident.

Doch das ist bekanntlich nicht die Wahrheit. Denn WikiLeaks und dessen Gründer Assange haben Trump im Wahlkampf 2016 über alle Maßen geholfen, weil sie seine Kontrahentin Hillary Clinton monatelang bloßstellten.

Assange stand im vergangenen Jahrzehnt immer wieder im Zentrum von Affären der US-Politik: Er machte Kriegsverbrechen im Irak öffentlich, blamierte den US-Apparat durch die Veröffentlichung von Massen an diplomatischen Depeschen und half dem NSA-Whistleblower Edward Snowden bei dessen Flucht, bevor seine Plattform schließlich den US-Wahlkampf 2016 durcheinander wirbelte.

Deshalb dreht sich der Fall Assange faktisch vor allem um die USA – auch wenn es vordergründig zunächst um seine Haft in Großbritannien, sein erloschenes Asyl in der Botschaft Ecuadors sowie Ermittlungen in Schweden geht.

Gegner der US-Regierung, aber Helfer Trumps

Der Australier fürchtet nichts so sehr wie eine Auslieferung nach Amerika – und die US-Behörden arbeiten seit knapp neun Jahren daran, Assange dingfest zu machen. Wenige Stunden nach seiner Festnahme haben sie eine Anklageschrift veröffentlicht. Sie wollen den WikiLeaks-Gründer ausgeliefert bekommen.

Weltberühmt wurde Assange mit der Veröffentlichung geheimer Berichte über die US-Kriege in Afghanistan und Irak. Für seine Rolle dabei ist er nun auch angeklagt: Die US-Justiz wirft Assange Verschwörung mit der Whistleblowerin Chelsea Manning vor, der er damals geholfen haben soll, die geheimen Dateien aus den Netzen des Pentagon zu entwenden.

Die beteiligten Ermittler dürften über die Assange-Festnahme jubeln, doch für Donald Trump selbst ist die neue Lage heikler. Wird Trump wirklich auf die Auslieferung jenes Mannes drängen, der zugleich ein arger Widersacher des US-Regierungsapparats im vergangenen Jahrzehnt war und sein ehemaliger Helfer im Wahlkampf?

Das Verhältnis Trump-Assange hat schon so manche Wendung erfahren.

"Todesstrafe oder etwas ähnliches"

Rückblende, Dezember 2010: Nachdem Assange und WikiLeaks die USA weltweit bloßstellten, meldet sich auch der TV-Star Trump, der auch schon damals immer wieder mit einem Einstieg in die Politik kokettiert, zu Wort. Als ihn ein befreundeter Fox-News-Moderator nach den WikiLeaks-Veröffentlichungen fragte, sagte der: "Darauf sollte die Todesstrafe oder etwas ähnliches stehen".

Dann der Wahlkampf 2016: WikiLeaks veröffentlicht scheibchenweise interne E-Mails der Demokraten und des Wahlkampfteams von Trumps Kontrahentin Hillary Clinton. Die E-Mails dominieren die Berichterstattung streckenweise, sie schaden Clinton enorm. Nach Auffassung westlicher Sicherheitsbehörden und IT-Experten wurden sie im Auftrage Moskaus gehackt und dann an WikiLeaks weitergeleitet.

"Junge, ich liebe es, WikiLeaks zu lesen"

Trump schwärmt im Wahlkampf immer wieder: "Ich liebe WikiLeaks", sagt er in Pennsylvania. "Dieses WikiLeaks ist eine Schatzkammer", sagt er in Michigan. "Junge, ich liebe es, WikiLeaks zu lesen", sagt er in Ohio. Über die Veröffentlichungen von US-Staatsgeheimnissen verliert Trump kein Wort mehr.

Schließlich die Zeit nach dem Wahlsieg: Trump und seine Verbündeten adeln WikiLeaks und Assange zunächst weiter. Assange dient als ein Kronzeuge, wenn es darum geht, russischen Einfluss auf die Wahl kleinzureden. Schließlich widersprach dieser immer wieder den Erkenntnissen der US-Dienste, dass russische Hacker die Mails weitergeleitet hätten. In den Pro-Trump-Medien wurde Assange plötzlich hofiert: Fox-News-Moderator Sean Hannity reist etwa nach London, um Assange in der Botschaft Ecuadors eine Stunde lang zu interviewen.

Assange hoffte auf Schutz durch Trump

Das alles ließ Assange auf Schutz durch Trump hoffen. Doch was die Justizsache WikiLeaks angeht, wich Trump nach seinem Amtsantritt Fragen nach Assange aus. Nun ist es seine Regierung, die, anders als die Obama-Administration, eine Anklage gegen Assange veröffentlicht. Noch wissen wir nicht, was Trump selbst denkt. 

Auch wenn der WikiLeaks-Gründer bislang nur im Fall aus dem Jahr 2010 angeklagt ist, wird auch seine Rolle im Wahlkampf 2016 wieder in den Fokus rücken. 

Kann Trump ein Interesse daran haben, dass der Fall der Clinton-E-Mails und der Russland-Verbindung in einem Verfahren gegen Assange ebenfalls auf den Tisch kommen? Schon Sonderermittler Robert Mueller durchleuchtete den Komplex. 

Assange dürfte noch einiges über das Thema zu sagen haben, schließlich stand er mit Trump-Beratern in direktem Kontakt.

Hat sich Julian Assange also in Donald Trump getäuscht? Als er in London in den Polizeiwagen abgeführt wurde, rief er die Briten auf, Widerstand zu leisten: "Widersetzt Euch diesem Versuch der Trump-Regierung!"

Dieser Artikel ist zuerst auf t-online erschienen.

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