International
Bild

imago/getty/montage watson

Es ist mehr als Hass – Warum Trump selbst den toten John McCain angreift

Der Präsident hat erneut den Kriegshelden McCain aufs Übelste beleidigt. Es ist mehr als persönlicher Hass.

Philipp Löpfe / watson.ch

John McCain ist vor rund einem halben Jahr verstorben und mit allen militärischen Ehren beerdigt worden. Man könnte also meinen, dass selbst Trump seine alte Fehde mit dem Senator aus Arizona ruhen lässt. Macht er aber nicht. Jüngst ist er erneut vor Arbeitern einer Rüstungsfabrik und per Twitter über McCain hergezogen.

Selbst engste Trump-Freunde sind irritiert. "Wenn Trump sich über etwas ärgert, dann haut er einfach drauflos, ohne sich zu fragen, ob es smart oder dumm, weise oder idiotisch ist", sagt etwa Newt Gingrich. Der ehemalige Speaker der Republikaner im Abgeordnetenhaus gehört zu denen, die sonst Trump durch dick und dünn auf Fox News verteidigen.

Warum tut Donald Trump das?

Die offensichtlichste Erklärung für Trumps Ausfälle gegen McCain bringt ein Leserbrief in der "New York Times" auf den Punkt: "(John McCain) war heldenhaft, mutig, patriotisch ehrenhaft, bescheiden, einfühlsam und getrieben davon, seine Pflicht gegenüber seiner Familie, seinem Land und Gott zu erfüllen. Mit anderen Worten: John McCain war alles, was Trump nicht ist."

Dem ist schwer zu widersprechen. Dass Trump ein krankhafter Narzisst ist, haben Harvard-Psychiater in einem Buch dokumentiert. Und es ist unbestritten, dass John McCain fünf lange und sehr harte Jahre in einem nordvietnamesischen Kriegsgefängnis verbracht und selbst eine vorzeitige Begnadigung abgelehnt hat. Donald Trump hingegen musste wegen eines angeblichen Knochenleidens nicht zum Militärdienst anrücken und hat sich stattdessen in den Nachtclubs von New York vergnügt.

FILE - In this Oct. 11, 2008, file photo, Republican presidential candidate Sen. John McCain, R-Ariz., speaks at a rally in Davenport, Iowa. Arizona Sen. McCain, the war hero who became the GOP's standard-bearer in the 2008 election, has died. He was 81. His office says McCain died Saturday, Aug. 25, 2018. He had battled brain cancer. (AP Photo/Gerald Herbert, File)

Der mittlerweile verstorbene McCain. Bild: AP

Trotzdem ist es mehr als Neid, was Trump antreibt. Er hat auch einen politischen Nutzen davon, wie die "Washington Post" in einer Analyse aufzeigt.

Was es Trump bringt, McCain zu beleidigen

John McCain war die Vorzeigefigur des Establishments der Grand Old Party (GOP). Er war das Symbol der anständigen Republikaner. Er war damit aber auch die Hassfigur der Basis der GOP, die seit dem Aufkommen der Tea Party im Jahr 2010 dem Parteiestablishment die Hölle heiß macht.

"Wenn der Präsident McCain beleidigt, dann erscheint er seiner Basis als real."

Mike Shields

Leute wie McCain werden als "Rinos" beschimpft (Republicans in name only) oder als "cuckservatives" verspottet (eine Anspielung auf gehörnte Ehemänner). Steve Bannon hat sich seinerzeit mit dem Senatsführer Mich McConnell angelegt. Sein Newsportal "Breitbart" hat eine Kampagne gegen Paul Ryan, den ehemaligen Anführer des Abgeordnetenhauses, gefahren.

Trump hat sich im Wahlkampf als Außenseiter positioniert, der sich mit dem Parteiestablishment anlegt. Damit hat er Erfolg gehabt. Wenn er heute McCain angreift, dann hat er die Basis hinter sich. Er spielt das alte Ich-gegen-die-Elite-Lied im Wissen, dass McCain dort ebenfalls unbeliebt ist.

Der republikanische Berater Mike Shields schildert den Effekt wie folgt: "Eine signifikante Anzahl von Wählern hat erlebt, dass sie von Politikern angelogen werden. Diese Politiker sind für sie nicht real. Wenn der Präsident hingegen McCain beleidigt, dann erscheint er ihnen real."

Nach wie vor zucken die Vertreter des GOP-Establishments vor Schmerz zusammen, wenn ihr Held angegriffen wird. McConnell beispielsweise betont krampfhaft, McCain sei ein Held gewesen, ohne Trump dabei ins Spiel zu bringen. McCains Nachfolgerin im Senat, Martha McSally, verlangte gar eine Audienz beim Präsidenten, um ihn über ihr Vorbild aufzuklären.

Lindsey Graham ist ein Senator aus South Carolina. Er rühmt sich gerne, McCains bester Freund gewesen zu sein. Auch er hat sich zu Wort gemeldet. "Ich weiß nicht, warum er (Trump) das immer wieder tut", jammerte er. "Ich habe keine Ahnung."

Trump wird sich davon nicht beeindrucken lassen. Graham & Co. haben hinlänglich beweisen, dass sie sich blitzartig auf den Rücken legen, wenn Trump sie nur ein bisschen böse anschaut.

Das könnte dich auch interessieren:

"Hart aber Fair": Altmaier warnt vor "Klimapolizei" – und wird von Aktivistin verspottet

Link zum Artikel

Nach Höcke: ZDF will auch künftig über das berichten, was "AfD nicht gerne im Fokus sieht"

Link zum Artikel

Tiere: 11 Fotos, die zeigen, wie lustig es in der Natur manchmal zugeht

Link zum Artikel

Helene Fischer verdient an "Herzbeben" – Songwriterin verrät, was sie für den Hit bekam

Link zum Artikel

Hai pirscht sich an ahnunglosen Surfer heran: Dann kommt Hilfe – von oben!

Link zum Artikel

Brief ans Jobcenter: Hört auf, meine über 60-jährige Mutter in Jobs zu drängen

Link zum Artikel

Gottschalk über Helene Fischer und Florian Silbereisen: "Hatte immer schlechtes Gefühl"

Link zum Artikel

Bei Pressekonferenz nach BVB-Sieg: Favre merkt nicht, dass Mikro schon an ist

Link zum Artikel

Luke Mockridge macht Andrea Kiewel in seiner Show ein Angebot – die blockt ab

Link zum Artikel

Kontakt mit 2 Bundesliga-Stars – warum der FCB trotz allem keinen Lewandowski-Backup holte

Link zum Artikel

Luke Mockridge traf Kiwi kurz vor ZDF-Auftritt: Er täuschte beim "Fernsehgarten" alle

Link zum Artikel

Krankenschwester warnt bei Maischberger: "Wir laufen auf eine riesige Katastrophe zu"

Link zum Artikel

Luke Mockridge über die Folgen seines ZDF-Auftritts: "Meine Eltern erhielten Hassbriefe"

Link zum Artikel

Hartz-IV-Show "Zahltag": Wie die Sendung falsche Hoffnungen schürt

Link zum Artikel

Alleinerziehend mit Hartz IV: Achtjährige sammelt Flaschen, um Taschengeld zu bekommen

Link zum Artikel

"Zahltag": Buschkowsky erklärt, warum ein Geldkoffer Hartz-IV-Empfängern nicht hilft

Link zum Artikel

2 Handelfmeter? Darum gab es für die DFB-Elf gegen Nordirland keinen Videobeweis

Link zum Artikel

In Berlin gab es eine Notlandung mit mehreren Verletzten

Link zum Artikel

Helene Fischer und Thomas Seitel: Polizei spricht von Einsatz auf ihrem Anwesen

Link zum Artikel

7 Zitate, die zeigen, wie "bürgerlich" Alexander Gauland wirklich ist

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Die Trumps posierten grinsend mit Waisenkind, dessen Eltern in El Paso getötet wurden

Wie weit gehen Donald Trump und First Lady Melania für ein Foto? Die beiden haben am Mittwoch die US-Städte El Paso und Dayton besucht, in denen zwei Schützen am vergangenen Samstag insgesamt 31 Menschen getötet hatten. Der Fernsehsender CNN berichtete nun, dass für den Trump-Besuch in El Paso extra Patienten zurück in ein Krankenhaus gebracht worden seien, die zuvor bereits entlassen wurden. Darunter auch ein Baby, dessen Eltern bei dem Attentat getötet wurden.

Das Bild allein sorgte bereits …

Artikel lesen
Link zum Artikel