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Former first lady Michelle Obama embraces a student at her alma mater, Whitney M. Young Magnet High School, on Chicago's West Side, Monday, Nov. 12, 2018, a day before the launch of a book tour to promote her memoir,

Obama bei einer Veranstaltung mit Schülern in Chicago Mitte November. Bild: Teresa Crawford/AP

Warum Amerika Michelle Obama vermisst – und von ihr als Präsidentin träumt

fabian reinbold/t-online.de

Es ist eine Veranstaltung, die in Deutschland undenkbar wäre. Eine frühere Präsidentengattin füllt die größte Arena der Hauptstadt, lässt sich feiern wie ein Popstar: Sie erntet Jubel, für jede Episode, die sie von ihrem Lebensweg berichtet. Sie erntet Gejohle, wenn sie über den attraktiven Gang ihres Mannes angetan aufstöhnt.

Michelle Obama sitzt auf der Bühne der "Capital One Arena", wo sonst Washingtons Basketball- und Eishockeyteams auflaufen und wo Elton John kürzlich spielte, und erzählt aus ihrem Leben. Im Publikum, in dem besonders viele schwarze Frauen sitzen, kennt die Begeisterung kein Ende. Zwei Gefühle sind zu greifen: Stolz auf das, was Michelle und Ehemann Barack erreicht haben. Und Sehnsucht, eine tiefe Sehnsucht.

Michelle Obama ist zurück. Nach dem Abschied aus dem Weißen Haus wurde es zunächst still um die First Lady. Doch seit ein paar Tagen grüßt Obama von allen Kanälen. Zur Vorstellung ihrer Memoiren mit dem Titel "Becoming" tourt sie seit Tagen nicht etwa über die größten Bühnen des US-Fernsehens, sondern sie macht jetzt diese Lesetour, die eigentlich keine Lesetour ist, sondern: die Tournee eines Superstars.

"Eine intime Unterhaltung mit Michelle Obama", verspricht der Titel der Veranstaltung. Ticketpreise bis 3.000 Dollar. Die Tour wird vom Konzertveranstalter LiveNation organisiert, der sonst die Welttourneen von U2 oder Beyoncé managt.

Die Hallen: allesamt ausverkauft.

Das ist passender als es zunächst scheint, denn: Michelle Obama ist auch ein Superstar.

Sie ist nicht mehr die frühere First Lady. Sie ist eine Heldin für den Teil Amerikas, der mit der Nachfolgerfamilie im Weißen Haus, den Trumps, so gar nichts anfangen kann. Die große Frage ist, was die frühere First Lady mit diesem Kapital anstellen wird.

Die Szenerie in Washington am Samstagabend sieht so aus: Gestandene Frauen lassen sich mit Plakaten fotografieren, auf denen Michelle zu sehen ist, die jüngeren machen Selfies vor Bildschirmen, auf denen das Gesicht ihrer Heldin flimmert.

Als sie dann wirklich auf die Bühne kommt, erzählt die 54-Jährige ihr Leben nach. Valerie Jarrett, eine langjährige Familienfreundin und enge Beraterin in den Jahren im Weißen Haus, gibt die Stichworte.

Die Unterstützung ihrer Eltern, die vielen Hindernisse, die ihr auf ihrem Aufstieg begegnet sind. Denn Obama hat einen weiten Weg hinter sich: Aufgewachsen ist sie in einer schwarzen Arbeiterfamilie in Chicagos Problemviertel South Shore, hat sich über die Elite-Unis Princeton und Harvard nach oben gearbeitet, der Rest ist Geschichte.

Das ist die Botschaft der früheren First Lady:

Ihr könnt genauso wie ich die Hindernisse, die Selbstzweifel, die Probleme überwinden. Es ist vor allem ein Feel-Good-Abend für Frauen, es gibt Lebens- und Eheberatung mit der großen Schwester Michelle Obama. Um die Politik geht es nur am Rande. Oder?

Die schwarzen Frauen im Publikum sehen eine von ihnen, die es ganz nach oben geschafft hat. Daraus können sie Stolz und Genugtuung beziehen. "Sie gibt uns Hoffnung", sagt Chizzy Igbokwe, 34, blonde Haare, leuchtend roter Lippenstift. Und setzt nach: "Gerade in diesen Zeiten."

Besucherin Chizzy Igbokwe: "Hoffnung, gerade in diesen Zeiten."

Bild

Fabian Reinbold/t-online.de

Die Obamas sind nämlich auch die Erinnerung an eine bessere Zeit, die Negativfolie zu dem Stil, der jetzt im Weißen Haus unter Donald Trump regiert. Eines von zahllosen Beispielen: Hier Michelle, die ein Hallenpublikum unterhält und berührt mit ihren Geschichten, dort Melania, die nur wenige Auftritte hat, bei denen sie vom Teleprompter abliest.

Von Obama ist zu den neuen Zeiten ein Satz aus dem Wahlherbst 2016 berühmt geworden: "When they go low, we go high." (sinngemäß: Auch wenn die anderen sich unterirdisch verhalten, behalten wir unseren Anstand). Ein Videoclip jenes Auftritts wird jetzt auf die Leinwand geworfen, Obama schaut nachdenklich zu.

Sie sagt, sie bleibe dabei: "Wir haben die Wahl, ob wir den traurigen Zustand unserer Politik akzeptieren oder eben nicht." Und: "Der Präsident ist doch nicht Präsident um seines Egos willen."

Sie erwähnt den Namen Donald Trump nicht, in diesem Moment nicht und auch in keinem anderen. Das muss sie auch nicht, denn es ist eindeutig, wen sie damit meint. "Wow!", entfährt es einer Besucherin auf der Tribüne.

Wäre Michelle Obama eine Kandidatin für 2020? 

De facto ist Michelle Obama, neben ihrem Ehemann, der Superstar auf der Seite der Trump-Gegner. Deshalb wird ihre Tour kräftig Spekulationen befeuern, ob sie 2020 nicht doch als Präsidentschaftskandidatin antreten könne. Sie hat das bislang eindeutig abgelehnt. Sie kann jetzt Geld verdienen, mit dieser Tour, und über einen Netflix-Deal, den sie mit ihrem Mann abgeschlossen hat.

Aber ihre Tournee verdeutlicht, dass sie als mögliche Kandidatin aus dem Stand eine Favoritin wäre.

Michelle Obama als Präsidentschaftskandidatin? Da winkt Anhängerin Igbokwe ab. "Ich will Michelle nicht in der Politik sehen, da müsste sie die ganzen politischen Spielchen mitmachen." Sie solle lieber weiter als öffentliche Figur ein Vorbild sein. "Sie hat doch jetzt alle Freiheiten."

Und dann kam da noch ein Überraschungsgast:

Look who dropped by tonight! ❤️ #IAmBecoming

Ein Beitrag geteilt von Michelle Obama (@michelleobama) am

Man könnte denken, dass Michelle Obama anstelle ihres Ehemanns die eigentliche Heldin der Obama-Jahre geworden sei. Doch etwas fällt zwischendrin immer wieder auf: Wenn Michelle etwa darüber spricht, wie stolz sie es machte, ihren schwarzen Mann aus dem Präsidentenhubschrauber steigen zu sehen, wird der Jubel noch ein bisschen lauter, nämlich für ihn, für Barack.

Das Gespräch dauert schon eine Stunde, als Stichwortgeberin Jarrett sagt: "Wo wir gerade von Deinem Ehemann sprechen…". Augenblicklich bebt die Halle, denn tatsächlich: Als Überraschungsgast kommt mit einem Blumenstrauß in der Hand Barack Obama auf die Bühne gelaufen, nein getanzt. Er hockt sich dann auf Michelles Sessellehne und plaudert selbst eine knappe Viertelstunde mit.

Barack sagt, er komme sich vor wie Rapstar Jay-Z, der seiner Frau Beyoncé einen Überraschungsbesuch auf der Bühne abstattete. Das Bild passt: Beide Paare sind Popstars, beide auf dem Zenit ihrer Popularität, beide verkörpern für den schwarzen Teil Amerikas Hoffnung, und vor allem Stolz. Deshalb ist es auch egal, was die Tickets kosten.

Gegenüber der Halle liegt die National Portrait Gallery, dort hängen jetzt die offiziellen Porträts der Obamas, sie sind die beliebtesten Selfie-Hintergründe. Die Obamas sind amerikanische Ikonen.

Am Ende tänzeln Michelle und Barack Obama gemeinsam von der Bühne, aus den Boxen läuft Stevie Wonders "Signed, Sealed, Delivered", das Lied, das auch 2008 und 2012 oft am Ende von Obamas Wahlkampfauftritten lief.

Der Abend lässt Michelle Obama alle Wege offen.

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    Alle Leser-Kommentare
  • kdirnbach 21.11.2018 11:24
    Highlight Highlight Mit dieser faszinierenden Frau an der Spitze würden die USA wieder zu einer Supermacht!

    Warum:

    Weil sie das menschliche Potential hat, Land und Menschen wieder zu vereinen. Und das wäre das wahre Amerika, wie (fast) alle sich es wünschen.

    Wenn D.T. von "Make America Great Again" sinniert (von bewusster Aussprache kann bei ihm ja keine Rede sein), dann macht er unbewusst Werbung für seinen Vorgänger: Denn unter seiner "Regentschaft" wurden (bei allen Fehlern, die ihm unterliefen) die Unterschiede zwischen den Bürgern kleiner und vor allem: Es gab

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