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Prison interior. Jail cells and shadows, dark background. 3d illustration

Bild: iStockphoto

"El Chapo" hinter Gittern - mächtigster Drogenboss seit Pablo Escobar ist Geschichte

Es ist das Ende einer blutigen Gangsterkarriere: Der mexikanische Drogenboss Joaquín "El Chapo" Guzmán muss lebenslang ins Gefängnis.

Dieses Strafmaß verkündete Richter Brian Cogan am Mittwoch in New York.

Guzmán, der als der mächtigste Drogenbaron seit dem Kolumbianer Pablo Escobar galt, war bereits im Februar in sämtlichen Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Ihm droht nun neben lebenslanger Haft eine Geldstrafe in Milliardenhöhe.

So lief der Prozess El Chapos ab

54 Zeugen sagten in dem Mammutverfahren aus, von denen die meisten in US-Gefängnissen einsitzen. Unter ihnen waren frühere Partner und Mitarbeiter sowie eine Ex-Geliebte des 61-jährigen Angeklagten.

Die Anklage sprach in ihrem Schlussplädoyer von einer "Flut von Beweisen" gegen Guzmán; dessen Verteidiger attackierte die Zeugen hingegen als chronische Lügner. Die Geschworenen bekamen in dem Prozess viele spektakuläre und dramatische Zeugenaussagen zu hören.

Bestialische Morde

Ein Auftragskiller Guzmáns, Isaias Valdez Rios, bezeugte vor Gericht, dass er mit eigenen Augen gesehen habe, wie der Chef drei Rivalen bestialisch gefoltert und getötet habe. Eines seiner Opfer habe dieser lebendig begraben, den beiden anderen seien Knochen gebrochen worden, bevor sie ermordet und verbrannt worden seien.

Weitere Zeugen sagten aus, Guzmán habe Entführungen und Tötungen von Konkurrenten oder Polizisten, die sich nicht bestechen ließen, angeordnet. Der Drogenbaron selbst habe eine rund hundert Mann starke und bis an die Zähne bewaffnete Leibwächtertruppe um sich gescharrt, die Pistolen, automatische Waffen, Granaten und sogar Raketenwerfern besessen hätten.

Bestechungen bis in die Staatsspitze hinein

Die Drogenlieferungen des Kartells in die USA wurden laut vielfachen Zeugenaussagen mit dem Wissen zahlloser mexikanischer Polizisten, Militärs und Regierungsmitarbeiter abgewickelt. Dafür sollen teilweise Millionen Dollar an Bestechungsgeldern geflossen sein - bis hin an die Staatsspitze.

So soll auch der frühere mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto vom Sinaloa-Kartell rund hundert Millionen Dollar erhalten haben, dies sagte der kolumbianische Drogenhändler Alex Cifuentes aus. Der frühere Büroleiter Peña Nietos wies die Anschuldigung zurück.

Verteidigung wollte El Chapos Partner zum Sündenbock machen

Guzmáns Partner Ismael "Mayo" Zambada bezeugte, dass das Kartell Kokain in Kolumbien für 3000 Dollar pro Kilo in New York für 35.000 Dollar pro Kilo weiterverkauft habe. Im Mittel seien jährlich 80 bis 100 Tonnen Kokain in die USA geschafft worden. Guzmáns Anwalt versuchte Zambada als den eigentlichen Kopf des Kartells hinzustellen. Sein Mandant sei dagegen lediglich ein "Sündenbock".

Bei Guzmán sollen an manchen Tagen bis zu drei mit Bargeld beladene Flugzeuge aus den USA eingetroffen seien. Das sagte dessen früherer Pilot und Geschäftsführer Miguel Ángel Martínez - Beiname: "El Gordo" (Der Dicke) - aus. Jedes Flugzeug habe acht bis zehn Millionen Dollar transportiert.

Auch Journalisten waren nicht vor El Chapo sicher

Javier Valdez war einer der bekanntesten mexikanischen Journalisten, die zum Drogenkrieg recherchierten. Er wurde im Mai 2017 im Alter von 50 Jahren erschossen. Dámaso López Núñez, ein früherer hochrangiger Mitarbeiter Guzmáns, sagte aus, dass Valdez von den Söhnen Guzmáns getötet worden sei - weil er trotz der Drohungen des Kartells an der Veröffentlichung eines brisanten Interviews festhielt.

(pcl/AFPdpa)

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