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Frankreichs Präsident Emmanuel Macron in einem Pariser Krankenhaus mit Ärzten. Bild: reuters / POOL

Corona-Epidemie: Diese Maßnahmen haben andere europäische Länder ergriffen

Daniel Huber / watson.ch

Seit Ende Januar breitet sich das Coronavirus auch in Europa aus. Die einzelnen Länder reagieren ganz unterschiedlich darauf. Deutschland hat bisher kein allgemeines Verbot für Großveranstaltungen erlassen, einige Events wurden jedoch bereits abgesagt. Auch die Schulen bleiben bis auf wenige Ausnahmen nach wie vor offen.

Doch die Behörden in anderen europäischen Staaten haben zum Teil drastische Maßnahmen ergriffen.

Italien

Von den Infiziertenzahlen her ist Italien neben China und Südkorea das am stärksten von der Epidemie betroffene Land. Mehr als 3000 Menschen sind erkrankt, über 100 Menschen starben bislang. Entsprechend drastische Maßnahmen hat die italienische Regierung angeordnet, um die Verbreitung des Virus einzudämmen:

Italien will im Kampf gegen die Coronavirus-Epidemie große Teile des öffentlichen Lebens einschränken. Von Donnerstag werden bis zum 15. März alle Schulen und Universitäten geschlossen bleiben, teilte Bildungsministerin Lucia Azzolina am Mittwoch mit. Bislang waren lediglich Schulen und Universitäten in den besonders betroffenen Regionen im Norden geschlossen. In Italien war die Zahl der Infizierten am Mittwoch auf 3090 von 2502 am Vortag gestiegen.Sportminister Vincenzo Spadafora kündigte an, dass wahrscheinlich alle Fußballspiele der ersten Liga ohne Zuschauer stattfinden sollen. "Wir bewegen uns in Richtung dieser Entscheidung", sagte er. Bislang wurden zehn Spiele der Serie A und die beiden Pokalhalbfinalspiele in dieser Woche verschoben.

Zudem sind mehrere Orte im Norden des Landes unter Quarantäne gestellt. Bei den abgeriegelten Gebieten handelt es sich um Gemeinden in der Lombardei – darunter Bertonico, Casalpusterlengo, Castiglione d'Adda und Codogno – sowie Vo im Veneto. Die rund 50.000 Einwohner dieser sogenannten "roten Zone" dürfen ihre Ortschaften bereits seit gut einer Woche nicht mehr verlassen; zugleich dürfen sie nicht ohne Genehmigung von außen betreten werden. Um diese Regelung durchzusetzen, kontrollieren Sicherheitskräfte die Straßen.

24.02.2020, Italien, Casalpusterlengo: Polizisten der Guardia di Finanza sperren eine Zufahrtsstraße. Ungeachtet drastischer Maßnahmen zur Eindämmung steigt die Zahl der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus in Italien unvermindert weiter. Foto: Paolo Santalucia/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die italienische Polizei hat rund um die "roten Zonen" Kontrollposten auf den Straßen errichtet. Bild: dpa / Paolo Santalucia

Außerdem wurden Sportanlässe und der Karneval in Venedig gestrichen. Behörden, einige Firmen und Gastronomiebetriebe schickten Mitarbeiter in den Zwangsurlaub. Schul- und Bildungsreisen fallen in ganz Italien aus.

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Das Schild in Casalpusterlengo fordert die Bevölkerung dazu auf, zu Hause zu bleiben. Bild: imago images/Independent Photo Agency Int. / Maurizio Maule

Im Süden des Landes fürchtet man die Ausbreitung des Virus aus dem Norden. Die Region Basilicata will deshalb alle Studenten aus dem Norden, die in der Region studieren, unter Quarantäne stellen. Die Insel Ischia verbot die Einreise von Touristen aus der Lombardei und Venetien. Da diese am meisten vom Virus betroffenen nördlichen Regionen zu den ökonomischen Zugpferden des Landes gehören, leidet auch die von Exporten und dem Tourismus abhängige italienische Wirtschaft unter den Maßnahmen. Rom plant daher ein Hilfspaket für die Wirtschaft in Höhe von 3,6 Milliarden Euro. Es soll diese Woche im Kabinett beschlossen werden.

Frankreich

Frankreich war als erstes europäisches Land vom Corona-Virus betroffen und verzeichnete auch den ersten Todesfall außerhalb Chinas.

Besonders betroffen sind derzeit fünf Gemeinden des nördlich von Paris gelegenen Departements Oise, die Gemeinde La Balme-de-Sillingy im Département Haute-Savoie in der Nähe der Stadt Annecy und drei Gemeinden im bretonischen Department Morbihan. Die Behörden haben in diesen Gebieten sämtliche Zusammenkünfte bis auf Weiteres verboten und die Einwohner dazu aufgerufen, zu Hause zu bleiben. Sie sollen nach Möglichkeit von zu Hause aus arbeiten und das Haus nur für die wichtigsten Besorgungen verlassen. Schulen und Kitas in den betroffenen Gemeinden der Departements Oise und Morbihan sollen bis am 14. März geschlossen bleiben.

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Der Louvre in Paris blieb am Montag geschlossen. Das Personal, das Ansteckungen befürchtet, führte Gespräche mit der Leitung. Bild: reuters / BENOIT TESSIER

Das von Olivier Véran geführte Gesundheitsministerium hat zudem am Samstag in ganz Frankreich alle Großanlässe mit mehr als 5000 Einwohnern in geschlossenen Räumen untersagt. Die Buchmesse in Paris, die vom 20. bis 23. März hätte stattfinden sollen und zu der 160.000 Besucher erwartet wurden, wurde abgesagt. Auch der für Sonntag geplante Pariser Halbmarathon wurde gestrichen. Auf Anfang Juni verschoben wurde zudem die für den 10. bis 13. März geplante Immobilienmesse Mipim in Cannes. Der Karneval in Annecy wird ebenfalls nicht stattfinden. Der Louvre in Paris, ein Touristenmagnet erster Ordnung, blieb am Montag wegen Befürchtungen des Personals geschlossen. Es ist noch unklar, wann das Museum wieder öffnet.

Österreich

Das österreichische Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMSGPK) hat aktuell 27 bestätigte Fälle erfasst. Die Alpenrepublik hat im Umgang mit der Epidemie vergleichsweise milde Maßnahmen ergriffen. Das Gesundheitsministerium hat eine "Task Force Corona" eingerichtet und eine bereits seit einem Jahr bestehende Telefon-Hotline aufgerüstet. Die Einwohner sind aufgefordert, bei Symptomen oder vermuteter Erkrankung zu Hause zu bleiben und die Hotline 1450 anzurufen. Darauf sollen weitere Schritte wie ein Hausbesuch oder ein Test folgen.

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Polizisten betreten das Hotel in Innsbruck, in dem eine infizierte Person arbeitete. Bild: imago images/Eibner Europa / Eibner-Pressefoto/EXPA/Groder

Sollte sich die Situation verschärfen, könnten auch die österreichischen Behörden regional eine Quarantäne verhängen. Am Montag waren etwa 18 Hotel-Angestellte in Salzburg unter Quarantäne gestellt worden, die Kontakt mit einem infizierten Deutschen gehabt hatten. Die Quarantäne eines Hotels in Innsbruck wurde wieder aufgehoben, nachdem man die 62 Mitarbeiter und Gäste getestet hatte. Für zwölf Personen, die Kontakt mit einer infizierten Italienerin gehabt hatten, wurde danach eine zweiwöchige Quarantäne verhängt. Aufgrund eines Coronavirus-Verdachts bei zwei Deutschen stoppten die Behörden am Sonntag mehrere Stunden lang Züge aus Italien auf dem Weg nach München. Bereits am Samstag war einer 52-köpfigen deutschen Reisegruppe die Einreise verweigert worden, ebenfalls wegen eines Coronavirus-Verdachts.

Schweiz

In der Schweiz wurden bislang fast 100 Ansteckungen mit dem neuen Coronavirus bestätigt. Aufgrund der Situation stuft der Bundesrat die Situation in der Schweiz als besondere Lage gemäß dem Epidemiengesetz ein. Es kommt zum ersten Mal zur Anwendung. Großanlässe mit über 1000 Personen wurden verboten; vorerst bis zum 15. März. Für Veranstaltungen unter 1000 Besuchenden gelten in den Kantonen unterschiedliche Vorschriften.

 Schweiz verbietet Großveranstaltungen - Symbolbilder von der Internationalen Auto Show Genf Genf, Palexpo *** Switzerland bans major events Symbolic images from the Geneva International Auto Show Geneva Geneva, Palexpo Copyright: xMarcxGruberx

Vom 5. bis 15. März hätte die International Motor Show in Genf stattfinden sollen. Doch als Großveranstaltung wurde sie jetzt abgesagt. Bild: imago images / Marc Gruber

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