International
Bild

Verprügelte Rechtsextreme: Auf Lesbos wurden Jonathan S. (NPD, ganz rechts) und der Identitäre Mario M. (Bildmitte) angegriffen. Bild: (Quelle: Twitter/Barbamou)

Von Identitärer Bewegung und NPD: Deutsche Neonazis auf Lesbos verprügelt

Sie wollen sich als "Grenzschützer" und Helfer der Einheimischen präsentieren: Eine Gruppe von Rechtsextremen aus Deutschland und Österreich ist aber kurz nach der Ankunft auf Lesbos erst einmal verprügelt worden.

Lars Wienand / t-online

Mehrere Mitglieder der Identitären Bewegung und aus ihrem Umfeld sind am Freitag in der Haupteinkaufsstraße der Hafenstadt Mytilini in Lesbos attackiert worden. Ein Augenzeuge berichtete t-online.de, Antifaschisten hätten die aus Deutschland und Österreich angereisten Männer attackiert. Ein Foto zeigt einen blutenden Rechtsextremen mit Kopfverband, daneben den an der Lippe verletzten Identitären-Kader Mario M. aus Halle.

Seit Tagen präsentieren sich Identitäre und Rechtsextreme aus anderen Gruppen als Unterstützer beim "Grenzschutz" in Griechenland und versuchen den Eindruck zu erwecken, der einheimischen Bevölkerung damit helfen zu wollen. Die Thüringer Landtagsabgeordnete und Rechtsextremismus-Expertin Katharina König-Preuss hatte schon am Mittwoch gefordert, die Ausreise von Neonazis nach Griechenland zu verhindern.

Gruppe gab sich als Journalisten aus

Die Gruppe in Mytilini erklärte dem Portal "Stonisi.gr" zufolge, sie seien Journalisten und wollten die "griechische Seite" zeigen. Tatsächlich ist der früher bei den Autonomen Nationalisten aktive Mario M. auch für ein rechtes Querfront-Magazin als Autor tätig. M. war Gründer und Kopf der Gruppe "Kontrakultur Halle", eine der wenigen zeitweise erfolgreichen Gruppen der Identitären Bewegung in Deutschland. Auf Fotos ist auch ein österreichisches Mitglied der Identitären zu sehen und ein Mann, bei dem es sich um einen NPD-Politiker aus Baden-Württemberg handeln soll.

"Es waren vier Männer von den Identitären", schilderte Metin Kodalak t-online.de, der kurz nach dem Vorfall ein Foto mit dem Text machte und mit anderen Augenzeugen sprach. "Antifa-Leute sind ihnen nachgelaufen, haben sie geschlagen und sind weg." Dabei habe es Rufe gegeben, Nazis seien nicht willkommen.

Aus der Gruppe der Identitären sei zuvor noch gerufen worden, sie gehörten zu keiner NGO. Möglicherweise gingen sie davon aus, sie würden deshalb angegriffen. In den vergangenen Tagen hatte es einige Übergriffe auf Flüchtlingshelfer und Journalisten gegeben.

NPD-Mann kommt aus Baden-Württemberg

Unter der lokalen Bevölkerung gibt es erheblichen Unmut über die Zustände und darüber, mit den ankommenden Flüchtlingen weitgehend im Stich gelassen zu werden. Auf der Insel mit knapp 90.000 Einwohnern leben unter unwürdigen Umständen mehr als 20.000 Geflüchtete. Der Tourismus auf der Insel ist zusammengebrochen. "Ich denke aber nicht, dass die Menschen, die hier leben, Nazis beistehen würden", so Kodalak, der nach seinen Worten vor einigen Jahren aus Berlin nach Lesbos gezogen ist.

Bei dem am Kopf verletzten Mann handelt es sich offenbar um einen NPD-Politiker aus Baden-Württemberg. Der Mann, der als Spitzenkandidat der NPD bei der Kommunalwahl in Mannheim angetreten war, hatte am Donnerstag ein Foto von sich mit dem Text "Auf dem Weg nach Lesbos" bei Telegram gepostet. Eine Bestätigung der örtllichen NPD dafür steht noch aus.

Bild

"Auf dem Weg nach Lesbos": Der Mannheimer NPD-Spitzenkandidat Jonathan S. in seinem Telegram-Kanal. quelle: screenshot

Dem Portal "Stonisi.gr" zufolge wurde aus der Gruppe der Neonazis nach dem Überfall auf sie gerufen, man werde tun, was in Kalavryta geschehen sei. Am 13. Dezember 1943 hatten Wehrmachtssoldaten in dem griechischen Dorf Hunderte Zivilisten ermordet.

Dieser Artikel erschien zuerst bei t-online.de.

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

In entscheidender EU-Sitzung: Satire-Politiker Nico Semsrott teilt gegen von der Leyen aus

An diesem Dienstag geht es für Ursula von der Leyen um alles. Erhält sie die notwendige Mehrheit von 374 Abgeordneten im EU-Parlament, um tatsächlich Präsidentin der Europäischen Kommission zu werden? Es wird knapp. Umso wichtiger sind die letzten Stunden vor der Abstimmung. Und da erinnerte jetzt ausgerechnet ein Satire-Politiker prominent an einen Makel, der der Noch-Verteidigungsministerin Deutschlands anhaftet.

Was war passiert? Gerade hatte Ursula von der Leyen am Dienstag ihre …

Artikel lesen
Link zum Artikel