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Protest von Einwanderern und Flüchtlingen, die seit den Bränden im Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos auf der Straße leben. Tausende protestierende Flüchtlinge und Migranten versammelten sich am Freitag, 11.09.2020 auf einer Straße zum Hauptort der Insel und forderten, die Insel verlassen zu dürfen. Proteste auf Lesbos *** Protest by immigrants and refugees living on the streets since the fires in the refugee camp Moria on the Greek island of Lesbos Thousands of protesting refugees and migrants gathered on Friday, 11 09 2020 on a road to the capital of the island and demanded to be allowed to leave the island Protests on Lesbos PUBLICATIONxNOTxINxGRE ANE5142394

Geflüchtete protestieren gegen die Zustände in den Aufnahmelagern auf der griechischen Insel Lesbos. Bild: www.imago-images.de / Panagiotis Balaskas

THW: Griechenland behindert ausländische Hilfe für Flüchtlingslager

Ausländische Hilfe für in Griechenland untergebrachte Migranten wird einem Medienbericht zufolge erheblich durch örtliche Behörden erschwert. Wie die "Welt am Sonntag" berichtet, sei im März wegen "politischer Probleme" ein Projekt des Technischen Hilfswerks (THW) gescheitert. Im Auftrag der Bundesregierung sollte demnach die Wasserversorgung auf Ägäis-Insel Samos verbessert werden.

Im THW-Bericht an das Bundesinnenministerium hieß es zum Scheitern des Vorhabens: "Die vordergründig technischen Probleme (nicht ausreichend Wasser im neuen Camp) entpuppen sich bei näherer Betrachtung als politisches Problem (zum Beispiel Abklemmen der Hauptwasserleitung zum neuen Camp) und können daher auch nicht technisch, sondern nur politisch gelöst werden." Laut dem THW wurde die Hauptwasserleitung zum Flüchtlingslager durch eine Gemeindeverwaltung aufgrund von Protesten der Bevölkerung abgeklemmt.

 Momentaufnahme vom 12. September 2020 von Flüchtlingen und Einwanderern auf der Insel Lesbos, die seit der Zerstörung des Flüchtlingslagers Moria nach mehreren Bränden auf den Straßen nahe der Inselhauptstadt Mytilini leben. Im Bild: Versorgung mit Trinkwasser. Flüchtlinge auf den Straßen von Lesbos *** Snapshot of 12 September 2020 of refugees and immigrants on the island of Lesbos, who have been living on the streets near the island capital Mytilini since the destruction of the refugee camp Moria after several fires In the picture Supply of drinking water Refugees on the streets of Lesbos PUBLICATIONxNOTxINxGRE ANE5142944

Ein wichtiges Gut: Die Wasserversorgung wurde laut dem THW von der griechischen Regierung unterbunden. Bild: www.imago-images.de / Panagiotis Balaskas

Zudem habe es Hinweise auf einen Brunnen in der Nähe gegeben, den das THW aber nicht auffinden konnte, weil den Inselverwaltungen "dessen genaue Lage angeblich unbekannt ist". Auch seien die Möglichkeiten aus den Infrastrukturprojekten der EU nicht ausreichend genutzt worden. Von zur Verfügung gestellten 310 Millionen Euro seien nur 70 Millionen abgeflossen, berichtete die Zeitung unter Berufung auf den THW-Bericht.

Für das bis heute nicht umgesetzte Wasserprojekt auf Samos war ein Finanzierungsbetrag von bis zu 500.000 Euro vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in Aussicht gestellt worden.

Geflüchtete in Moria ziehen in neues Zeltlager – Lage bleibt angespannt

Gleichzeitig sind innerhalb der Insel Lesbos etwa 300 Migranten in ein neues Zeltlager eingezogen. Bei den meisten handelt es sich um Familien, wie der staatliche griechische Rundfunk ERT am Sonntag berichtete. Vor ihrer Aufnahme ins neue Lager mussten alle einen Coronavirus-Schnelltest machen. Dabei sei bei sieben Flüchtlingen das Virus entdeckt worden, berichtete der Sender unter Berufung auf das Gesundheitsministerium. Alle sieben seien zur Isolation in einen abgelegenen Teil des Zeltlagers von Kara Tepe gebracht worden.

 Registrierung für die Aufnahme und Unterbringung von Flüchtlingen und Einwanderern im neuen vorübergehenden Aufnahmelager für Flüchtlinge in Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos am Samstag, den 12. September 2020. Tausende Flüchtlinge leben auf Lesbos seit den Bränden im zerstörten Camp von Moria auf der Straße. Neue Struktur in Kara Tepe *** Registration for the reception and accommodation of refugees and immigrants in the new temporary reception camp for refugees in Kara Tepe on the Greek island of Lesbos on Saturday 12 September 2020 Thousands of refugees live on Lesbos since the fires in the destroyed camp of Moria on the road New structure in Kara Tepe PUBLICATIONxNOTxINxGRE ANE5143181

Neue, vorübergehende Aufnahmelager für Geflüchtete in Kara Tepe auf der griechischen Insel Lesbos. Bild: www.imago-images.de / Panagiotis Balaskas

Viele der Flüchtlinge wollen jedoch nicht länger auf Lesbos bleiben, sondern vor allem nach Deutschland. Hier wird weiter über die Aufnahme von obdachlosen Flüchtlingen aus Moria diskutiert. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte am Freitag die Unterbringung von bis zu 150 Minderjährigen aus dem Lager angekündigt.

Demonstrationen im Lager – Polizei setzt Tränengas ein

Die Lage auf der Insel war auch am Sonntag höchst angespannt. Mehrere Tausende Migranten harren auf den Straßen aus. Es könnte Wochen dauern, bis nach dem Brand am vergangenen Mittwoch alle Menschen wieder ein Dach über dem Kopf bekommen. Die Behörden suchen nach weiteren Orten, wo Zeltlager eingerichtet werden können.

Im Laufe des Samstags war es immer wieder zu spontanen Demonstrationen und in der Folge auch zu Zusammenstößen zwischen Flüchtlingen und Polizei gekommen. Migranten warfen mit Steinen. Die Polizei setzte Tränengas ein. Das Flüchtlingslager Moria war nach Unruhen und Brandstiftungen fast völlig abgebrannt. Über Nacht wurden dadurch etwa 12.000 Menschen obdachlos.

(lau/dpa/afp)

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