Bild

Gastgeber Frank Plasberg (r.) nahm Trump-Unterstützer George Weinberg in die Mangel. bild: screenshot ard

Nach Frank Plasbergs Wortgefecht mit Trump-Fan – das sagt die "Hart aber fair"-Redaktion

Seit zwei Wochen ist ARD-Talker Frank Plasberg aus der Sommerpause zurück und das, wie es scheint, engagierter denn je. Denn am Montagabend erlebten die Zuschauer bei "Hart aber fair" einen redegewaltigen Journalisten, der vor allem einen seiner Gäste in die Mangel nahm, dessen Aussagen immer wieder kritisch hinterfragte, ihm ins Wort fiel und teils nicht verschleierte, dass er dessen Position so gar nicht teilte.

Konkret ging es um Plasbergs Gast George Weinberg, seines Zeichens Unternehmer und Sprecher der "Republicans Overseas Germany". Und, kurz gesagt: sehr großer Trump-Fan. Unbeirrt predigte der im Sendungsverlauf ganz unreflektiert die Großartigkeit des US-Präsidenten, was der Polit-Talker ihm so nicht durchgehen lassen wollte. Der Moderator attackierte und unterbrach Weinberg deutlich häufiger und aggressiver als er es in der Regel bei anderen Gästen tut.

ARD-Mann und Trump-Anhänger debattierten so hitzig, dass Plasberg sogar seinen Platz am Pult verließ, auf ihn zuschritt und dann, direkt vor ihm stehend, fragte, wie man denn seine Kinder und Enkel zur Wahrheit erziehen könne, wenn man Trump als Präsidenten unterstütze. Weinberg verweigerte daraufhin die Antwort, da es sich um "eine Suggestivfrage" handele.

"Hart aber fair"-Sendungsmacher sprechen über Plasbergs Auseinandersetzung mit Weinberg

Frank Plasberg Wortgefecht mit Weinberg (die übrigen fünf Gäste kamen weitaus weniger zu Wort) und ob die Fragetaktik als journalistisch neutral zu werten war, bleibt einmal dahingestellt. Was aber hat den Talkmaster an Weinbergs Aussagen so irritiert, dass er immer weiter nachgebohrt hat und warum verließ er seine distanzierte Position hinter dem Tresen und trat direkt vor den Trump-Anhänger, um ihn mit seinen Aussagen zu konfrontieren?

Die "Hart aber fair"-Redaktion sagte watson dazu:

"Wer bei 'Hart aber fair' zu Gast ist, muss damit rechnen, in der Sendung auch unangenehme Fragen gestellt zu bekommen. Von öffentlichen Bewertungen der Auftritte einzelner Gäste im Nachgang sehen wir aus ganz grundsätzlichen Erwägungen heraus jedoch ab."

Und weiter: "Generell lässt sich aber festhalten: Unser Anspruch bei 'Hart aber fair‘' ist es, die Positionen all unserer Gäste mit derselben kritischen Distanz zu hinterfragen. Wer ausweichend oder ausschweifend antwortet, mit nachweislich falschen Fakten operiert oder sich einem Dialog mit den anderen Gästen verweigert, muss damit rechnen, dass der Moderator interveniert. Dabei ist es gelegentlich geboten, dass Frank Plasberg seine Rolle auch dadurch markiert, indem er hinter dem Pult hervortritt und sich auf einen der Gäste zubewegt."

Die ARD-Zuschauer waren von dem Wortgefecht zumindest nicht abgeschreckt, im Gegenteil: Am Montagabend schalteten laut "Quotenmeter" 3,1 Millionen Zuschauer ein, das waren rund 740.000 mehr als in der Vorwoche.

(ab)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Exklusiv

Wagenknecht im watson-Interview vor dem Linken-Parteitag: "Wir können uns als linke Partei nicht eins zu eins hinter die Ideen von Fridays for Future stellen"

Die Linken-Politikerin im Gespräch über ihre Beziehung zu Fridays for Future und Black Lives Matter, darüber, warum sie sich ausgerechnet am Gendern abarbeitet – und die Frage, warum sie sich über manche antirassistische Proteste nicht freuen kann.

Mit Sahra Wagenknecht und der Linken ist es kompliziert, seit Jahren schon. Wagenknecht, bis November 2019 Chefin der Linksfraktion im Bundestag, ist eines der wenigen Gesichter der Partei, die auch halbwegs politisch interessierte Menschen auf der Straße erkennen würden. Laut ZDF-"Politbarometer" aus dem Mai 2021 ist sie wieder einmal unter den Top 10 der deutschen Spitzenpolitiker – und hat bessere Sympathiewerte als die grüne Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock. Wagenknecht kann Reden …

Artikel lesen
Link zum Artikel