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Santiago 21 octubre 2019. Protestas en plaza Italia a raz del alza del pasaje del metro. Ramon Monroy/Aton Chile, Santiago Chile Aton362237  Santiago 21 October 2019 Protests in Plaza Italia a raz del alza del pasaje del metro Ramon Monroy Aton Chile, Santiago Chile Aton 362237 PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: RAMONxMONROY/ATONCHILE

Ein als Joker geschminkter Demonstrant in Santiago de Chile. "Die Presse lügt", steht auf dem Zettel, den er hochhält. Bild: imago images/Aton Chile/RAMON MONROY

Wird der Joker zur neuen weltweiten Symbolfigur für Proteste?

Kommerziell ist der Film "Joker" bereits jetzt ein großer Erfolg, er hat aber auch großes Kult-Potenzial. Und viel bedeutender: Sein Gesicht taucht in vier aktuellen Konflikten auf.

In den USA fürchtete man sich vor dem Release des neuen DC-Films über den Bösewicht Joker vor Gewaltausbrüchen bei Vorführungen. Das US-Militär warnte gar ihre Einsatzkräfte vor möglichen Amokläufern. Passiert ist dann aber nichts.

Zumindest nicht in den USA.

Anders sieht es aus, wenn man aktuelle Brandherde betrachtet. Zwar diente der Film nicht als Blaupause für Amokläufer, aber bei immer mehr Protesten, die sich gegen Regierungen richten, taucht das Gesicht des Jokers auf.

Vier Beispiele:

Irak

Die Bilder geistern seit fast zwei Wochen im Netz umher. Der Joker tanzt inmitten der Proteste in Bagdad. Kreiert hat die Bilder der irakische Designer Ahmed Shawqy. Zur Journalistin Hind Hassan sagte Shawqy, er habe das Gefühl, dass sich Bagdad langsam in Gotham City verwandelt hat. In der fiktiven Stadt Gotham City grassiert die Korruption, und es herrscht soziale Ungleichheit. Viele junge Iraker sehen Parallelen zur aktuellen Lage in Bagdad.

Bei den regierungskritischen Demonstrationen im Irak Anfang Oktober sind insgesamt 157 Menschen getötet worden, 149 Zivilisten und acht Sicherheitskräfte. Das geht aus einem offiziellen Untersuchungsbericht hervor, der kürzlich veröffentlicht wurde.

Die Unruhen spielten sich vorwiegend in der Hauptstadt Bagdad ab und griffen dort auch auf die Schiiten-Bastion Sadr-City über. In dem Untersuchungsbericht werden nicht alle Todesfälle unter den Demonstranten auf den Waffeneinsatz von Sicherheitskräften zurückgeführt.

Vielmehr wird auch auf nicht identifizierte "Schützen" hingewiesen, die damals von den Dächern auf Menschen schossen. Hinweise auf solche Schützen gab es schon während der Demonstrationen.

Die Proteste gingen nicht von einer bestimmten politischen Gruppe aus. Die zumeist jungen Demonstranten wiesen jede politische Vereinnahmung von sich. Die Proteste richteten sich unter anderem gegen die chronischen Stromausfälle und die hohe Arbeitslosigkeit. Die rund 40 Millionen Einwohner im Irak leiden unter den Folgen von Krieg, Arbeitslosigkeit und Korruption.

Libanon

Bild

Rot, Weiß und Grün sind auch die Farben der libanesischen Flagge. Bild: youtube

Auch im Libanon sah man in den vergangenen Tagen geschminkte Gesichter. In der Hauptstadt Beirut protestierte das Volk gegen Misswirtschaft und Korruption. Ein Bild aus Beirut zeigt einen jungen Mann, der sich mit den Nationalfarben des Libanons geschminkt hat – inspiriert durch Joker.

An vielen Tagen in Folge sind im Libanon Menschen gegen die Regierung auf die Straße gegangen. Angesichts der größten Massenproteste seit Jahren hatte die Regierung von Ministerpräsident Saad Hariri ein umfassendes Reformprogramm auf den Weg gebracht.

Die Demonstranten konnte das Reformpaket der Regierung allerdings nicht besänftigen. Vor der Zentralbank in der Hauptstadt protestierten Demonstranten mit Rufen wie: "Nieder mit der Zentralbank. Wir werden keine Steuern zahlen. Lasst die Banken sie zahlen."

Die Proteste in Beirut

October 20, 2019, Beirut, Beirut, Lebanon: Lebanese demonstrators wave national flags as they take part in a protest against dire economic conditions in Beirut on October 20, 2019. Thousands continued to rally despite calls for calm from politicians and dozens of arrests. The demonstrators are demanding a sweeping overhaul of Lebanon s political system, citing grievances ranging from austerity measures to poor infrastructure Beirut Lebanon PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAap3 20191020zafap3166 Copyright: xFatimaxAbdullahx

bild: imago images/zuma press/fatima abdullah

Der Ärger über die festgefahrene politische Führung im Libanon hatte in den vergangenen Tagen in Beirut und zahlreichen weiteren Städten hunderttausende Demonstranten mobilisiert. Die Massenproteste von Montag waren in Beirut in eine nächtliche Party mit Spontan-Konzerten gemündet, die bis tief in die Nacht andauerten.

Die seit Tagen andauernden Massenproteste richten sich gegen die politische Elite, die verbreitete Korruption sowie die unablässigen Ausfälle bei der Strom- und Wasserversorgung.

Ausgelöst worden waren sie zunächst durch ein Vorhaben der Regierung, eine neue Steuer auf Anrufe zu erheben, die über Onlinedienste wie Whatsapp getätigt werden. Hunderttausende Menschen gingen auf die Straße und forderten den Sturz der Regierung. Diese zog den Plan zwar schnell wieder zurück, doch die Proteste hielten an.

Chile

Auf den Straßen Santiagos war am Wochenende unter anderem ein als Joker verkleideter Mann zu sehen. Er tanzte zwischen Polizisten und Demonstrierenden und hielt ein Schild hoch.

Die Proteste waren durch eine Erhöhung der Ticketpreise für den öffentlichen Nahverkehr ausgelöst worden. Nach ersten Zusammenstößen am Freitag vergangener Woche gab es auch am Wochenende gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei.

Präsident Sebastián Piñera hatte wegen der Proteste den Ausnahmezustand verhängt. Die Behörden ordneten zudem Ausgangssperren an. General Javier Iturriaga rief die Einwohner auf, "sich ruhig zu verhalten und zu Hause zu bleiben". Präsident Piñera sprach am Sonntag sogar von Krieg.

Die chilenische Regierung mobilisierte obendrein 9500 Soldaten. Es war das erste Mal seit dem Ende der Diktatur unter General Augusto Pinochet 1990, dass das Militär wieder in der chilenischen Hauptstadt patrouillierte.

Hongkong

Schlussendlich sind auch bei den Protesten in Hongkong immer mehr Joker-Masken zu sehen. Fotos wie das obige wurden tausendfach geteilt. Protestierende verwenden zunehmend Joker-Masken.

(jaw/dpa)

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