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Unbezahlbare Kunstwerke: Der Kirchenschatz der Kathedrale. Bild: notredamedeparis.fr

Diese Schätze überlebten den Brand von Notre-Dame – und diese gingen verloren

Daniel Huber / watson.ch

Entsetzt mussten die Pariser am Abend des 15. April zusehen, wie immer höhere Flammen aus dem Dach von Notre-Dame schlugen. Die berühmte Kathedrale, noch vor dem Eiffelturm die meistbesuchte Sehenswürdigkeit der französischen Hauptstadt, wurde vom Feuer schwer beschädigt. Immerhin konnten die Fassaden und die beiden Glockentürme gerettet werden; die Hauptstruktur des Bauwerks blieb weitgehend intakt.

Wie indes die Bilanz bei den unbezahlbaren Kunstgegenständen aussieht, die Teil der Kathedrale sind oder in ihr aufbewahrt werden, wird sich wohl erst in den nächsten Tagen genauer zeigen. Soviel ist aber derzeit sicher: Der Kirchenschatz von Notre-Dame hat das Inferno unversehrt überstanden.

Gerettete Objekte

Es waren Mitglieder des Ritterordens vom Heiligen Grab zu Jerusalem, die die wertvollen Objekte aus dem Anbau der Kirche holten. Ohnehin erreichte das Feuer diesen Anbau offenbar nicht.

Der ursprüngliche Kirchenschatz, dessen älteste Bestände aus dem Jahr 1343 stammten, war einer der reichsten in ganz Frankreich, bevor er während der Französischen Revolution 1789 zerstört wurde. Kein einziges Objekt aus diesem alten Schatz überstand die Wirren der Revolution. Mehrere Reliquien, die angeblich von der Passion Christi stammen, waren jedoch in der Sainte-Chapelle aufbewahrt worden und entgingen der Vernichtung. Sie wurden 1804 in die Kathedrale gebracht und bildeten die Grundlage für den neuen Kirchenschatz.

Dies sind die bedeutendsten Objekte aus dem Kirchenschatz:

• Christi Dornenkrone

Die wichtigste Reliquie des Kirchenschatzes ist die Couronne d’épines (Dornenkrone), die Jesus angeblich kurz vor seiner Kreuzigung aufgesetzt wurde. König Ludwig IX. (1214-1270) erwarb sie 1237 vom Kaiser in Konstantinopel und brachte sie 1239 nach Paris, wo sie zunächst in Notre-Dame aufbewahrt wurde, bevor sie in die eigens errichtete Sainte-Chapelle kam. Nach der Revolution kam die Reliquie zurück in die Kathedrale. Seit 1896 wird die Dornenkrone in einer kostbaren Hülle aus Kristall und Gold aufbewahrt.

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Die Dornenkrone in ihrer Hülle. Die Reliquie ist übrigens nur eine von mehreren, die den Anspruch erheben, das Haupt Christi gekrönt zu haben. Bild: notredamedeparis.fr

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Der Schrein, in dem die Reliquie aufbewahrt wird. Bild: notredamedeparis.fr

• Das Büßergewand von Ludwig IX.

Der französische König, der später heiliggesprochen wurde, brachte die Dornenkrone barfuß und im Büßergewand nach Paris. Dieses Kleidungsstück gehört ebenfalls zu den Schätzen, die in Notre-Dame aufbewahrt wurden. Das Gewand wurde kurz nach dem Ausbruch des Brands aus der Kirche geholt.

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Bild: templier-sud-ouest.over-blog.com

• Holz und Nagel vom Heiligen Kreuz

Ein Splitter vom Kreuz, an dem Jesus Christus angeblich starb, und ein Nagel, der angeblich den göttlichen Leib durchbohrt hatte, sind ebenfalls Teil des Kirchenschatzes.

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Das Reliquiar mit dem Nagel und dem Stück Holz vom Heiligen Kreuz. Solche Reliquien gibt es allerdings zuhauf. Bild: wikimedia

• Monstranz von Sainte-Geneviève

Die Monstranz stammt aus der ehemaligen Kirche Saint-Geneviève, die kurz nach ihrer Fertigstellung während der Revolution profanisiert wurde und heute als Panthéon bekannt ist. Seit 1894 befindet sie sich im Kirchenschatz.

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Ursprünglich befand sich die Monstranz im heutigen Panthéon. Bild: wikimedia

Neben dem eigentlichen Kirchenschatz sind auch weitere wertvolle Kunstgegenstände unversehrt geblieben oder konnten rechtzeitig gerettet werden:

• 16 Kupferstatuen

Ein glücklicher Zufall rettete die 16 Kupferstatuen bei der Turmspitze. Sie wurden nur vier Tage vor dem Brand in einer aufwändigen Aktion von der Turmspitze geholt, um sie in Südfrankreich restaurieren zu lassen. Die Statuen stammen aus dem Jahr 1860 und stellen die zwölf Apostel und die vier Evangelisten dar.

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Kurz vor dem Brand von der Turmspitze geholt: Die Kupferstatuen der Apostel und Evangelisten. Bild: la-croix.com

• Altarverzierung

Die Altarverzierung konnte in Sicherheit gebracht werden. Sie umfasst unter anderem ein Kreuz mit sechs Kerzenleuchtern, und zwei große Kerzenhalter. Die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, twitterte ein Bild, auf dem einige der geretteten Gegenstände zu sehen sind:

• Gemälde

Zu den geretteten Kunstwerken zählen einige Gemälde, darunter "La Vierge de Piété" von Lubin Baugin, "Vierge à l’enfant" und "La Vierge noire de Czestochowa".

• Glocken

Die Glocken der Kathedrale befinden sich in den beiden vom Feuer verschonten Glockentürmen und nahmen daher keinen Schaden. Bekannt ist vor allem die Glocke "Emmanuel", die den Ruf genießt, die wohlklingendste Glocke Frankreichs zu sein. 1944 läutete sie, um das Ende der deutschen Besetzung zu verkünden. Sie ist mit ihrem Gewicht von 23 Tonnen zugleich die größte der zehn Glocken der Kathedrale.

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Die grösste Glocke der Notre Dame bringt 23 Tonnen auf die Waage. Bild: wikimedia/tristan nitot

• Sakristei

Die Sakristei, in der wertvolle Goldschmiedearbeiten aufbewahrt werden, blieb vom Feuer verschont. Die Feuerwehrleute ließen diese Kunstgegenstände deshalb an ihrem Ort.

Teilweise gerettete Objekte

• Rosetten

Die drei riesigen Rosetten der Kathedrale, die die Blumen des Paradieses darstellen, wurden im 13. Jahrhundert konstruiert und danach mehrmals restauriert. Das Glasfenster auf der Westseite hat einen Durchmesser von 10 Metern, jenes auf der Südseite einen Durchmesser von 12,9 Meter und das größte auf der Nordseite sogar von 13,1 Meter. Vermutlich haben zumindest die Nord- und Südrosette den Brand überstanden, wenn sie auch völlig verrußt wurden.

• Orgel auf der Westempore

Die Hauptorgel von Aristide Cavaillé-Coll, die erst zwischen 2012 und 2014 aufwändig restauriert wurde, befindet sich auf der Westempore; sie ist mit ihren knapp 8000 Pfeifen eine der größten und bekanntesten der Welt. Konstruiert wurde sie von 1863 bis 1868, wobei ältere Teile aus dem 18. Jahrhundert und noch ältere Pfeifen weiterverwendet wurden. Es ist noch unklar, wie stark die Orgel beschädigt wurde. Der stellvertretende Bürgermeister Emmanuel Gregoire sagte, sie sei nahezu unbeschädigt. Andere Quellen bezeichneten sie als stark beschädigt.

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Die prachtvolle Orgel von Cavaillé-Coll. Bild: wikimedia

• Der Altar

Der Altar ist vermutlich zumindest zum Teil erhalten geblieben. Das Kreuz und die Statuen – die Figurengruppen stellen die Kreuzabnahme und die Grablegung dar – erscheinen auf Aufnahmen nach dem Brand noch intakt.

• "Les grands Mays"

Zwischen 1630 und 1707 stiftete die Zunft der Goldschmiede von Notre-Dame jedes Jahr zum 1. Mai ein Gemälde zu Ehren der Jungfrau Maria. Von diesen grands Mays genannten Gemälden waren derzeit 13 in den Seitenkapellen des Längsschiffs ausgestellt. Hinzu kamen zwei weitere Gemälde, die im Hauptschiff ausgestellt waren. Die Gemälde sollen laut dem französischen Kulturminister Wasserschäden aufweisen. Möglich ist auch, dass der Rauch sie verschmutzte. Sie sollen zur Restauration ins Louvre-Museum gebracht werden.

Zerstörte Objekte

• Die Turmspitze

Die erste Turmspitze wurde 1250 konstruiert, aber Ende des 18. Jahrhunderts entfernt. Die heutige Turmspitze, die nun dem Brand zum Opfer fiel, wurde 1860 im Zuge der großen Restauration der Kathedrale aufgesetzt. Die 96 Meter hohe Spitze bestand aus etwa 500 Tonnen Holz und 250 Tonnen Blei.

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Die Turmspitze wurde ein Opfer der Flammen. Bild: www.imago-images.de

• Reliquien in der Turmspitze

Im Hahn, der auf der Turmspitze thronte, befanden sich drei Reliquien: ein Stück der Dornenkrone, eine Reliquie des heiligen Dionysius und eine der heiligen Genoveva.

• Der "Wald"

Das Balkenwerk des Dachstuhls, auf französisch le fôret ("der Wald") genannt, wurde beim Brand vollkommen zerstört. Es handelte sich um ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst. Einige der Eichenbalken wurden beim Neubau des Dachstuhls 1260 wiederverwendet, sie stammten vermutlich aus dem Dachstuhl von 1160/70.

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Die uralten Balken des Dachstuhls sind unwiederbringlich dahin. Bild: notredamedeparis.fr

Notre-Dame in Flammen

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