International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

4 Fakten müsst ihr über die neuen Wutbürger Frankreichs wissen

Normalerweise hat die Revolution ja eine rote Farbe. In Frankreich, wo die Bürger sich allein aus historischen Gründen wenig vom Staat gefallen lassen, ist sie dieser Tage gelb. Seit knapp zwei Wochen kommen die so genannten Gelbwesten immer wieder in die Schlagzeilen. Wegen brennenden Barrikaden, Straßenblockaden und Großdemonstrationen.

Richten tut sich das Ganze gegen Präsident Emmanuel Macron, der bis zu seiner Wahl eigentlich ein Hoffnungsträger vieler Franzosen gewesen war – jetzt aber mit seiner harten Sozial- und Steuerpolitik an den Grundfesten des französischen Verständnisses rüttelt, wie ein Sozialstaat auszusehen hat. So kommt es, dass drei Viertel der Bürger die Gelbwesten unterstützen. 

Hollande geht auf die Gelbwesten zu

Aber was steckt genau hinter der Bewegung? Hier die 4 wichtigsten Fragen:

Wer sind die Gelbwesten?

Eine Protestbewegung, die sich alleine über soziale Netzwerke organisiert. Neu ist, dass sie auch abseits der großen Städte aktiv ist und weder durch Gewerkschaften noch politische Parteien gesteuert wird. Videos oder Aufrufe von Aktivisten werden in der Regel auf Facebook und Twitter zehntausende Male geteilt. 

Welche Forderungen stellt die Bewegung?

Die Gelbwesten haben diese Woche erstmals einen gemeinsamen Forderungskatalog präsentiert. Er umfasst unter anderem die Senkung "aller Steuern", die Anhebung von Mindestlohn und Renten sowie die Einrichtung einer "Bürgerversammlung", die über die gesunkene Kaufkraft, soziale Not und den ökologischen Wandel diskutieren soll. 

Entzündet hatten sich die Proteste Mitte November an der Ökosteuer auf Diesel, die zum 1. Januar 2019 kommt, und an den hohen Kraftstoffpreisen. Angetrieben werden die Proteste durch den Unmut über Präsident Macron. Bei Demonstrationen wird regelmäßig "Macron démission" (Macron Rücktritt) skandiert – das erinnert an die "Merkel muss weg"-Rufe bei Pegida-Demonstrationen. Trifft es aber nicht ganz. 

Der Geograf Christophe Guilluy, Autor des vielbeachteten Buchs No Society über das verschwinden der sozialen Infrastruktur auf dem Land, sagte im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

Das sagt der Forscher

Unser Wirtschaftsmodell ... schafft Reichtum, aber keine Arbeitsplätze....
Es ist sehr komfortabel, mit genügend Geld im multikulturellen Paris zu leben. Man begegnet Menschen aus Berlin, Mailand, London, aber ganz sicher keinem Franzosen aus dem bäuerlichen Creuse. Und man kann auch den weniger coolen Einwanderern aus den Vorstädten aus dem Weg gehen.
Der Multikulturalismus ist eine Realität. Aber es gibt sehr unterschiedliche Arten, wie er erlebt wird.
Wer in Berlin-Kreuzberg als Parteichef oder Redakteur in Eigentumswohnungen wohnt und die Kinder in die besten Schulen schicken​ kann, hat es leicht, offen und tolerant zu sein und grün zu wählen. Er ist durch eine unsichtbare Mauer – die Mauer des Geldes – geschützt und hat es leicht die Abschaffung der Grenzen zwischen den Ländern zu fordern."

Christophe Guilluy, Geograf, faz, 27. Novemver 2018, S. 14 

Hat die Bewegung Anführer?

Nicht im klassischen Sinn. Die Aktivisten stehen für ein breites gesellschaftliches Spektrum: Von der 51 Jahre alten Dieselfahrerin und Akkordeonspielerin Jacline Mouraud aus der Bretagne über den 45 Jahre alten Immobilienmakler Fabrice Schlegel aus dem ostfranzösischen Jura bis zum 33 Jahre alten Lastwagenfahrer und Familienvater Eric Drouet aus dem Pariser Großraum.

Nie ohne Trikolore

Macron démission – Macron, tritt zurück, lautet die Forderung der Protestierer

Letzterer gehört zu einem Sprecherrat von acht Aktivisten, den die gelben Westen ernannt haben und der mit der Regierung verhandelt - Drouet und eine Mitstreiterin wurden am Dienstag im Umweltministerium empfangen, für Freitag plant auch Premierminister Edouard Philippe ein Treffen mit einer Delegation.

Ist Macron zum Einlenken bereit?

Aus Sicht der Protestierer bisher nicht. Ein Sprecher sagte, Präsident Macron habe mit seinen Ankündigungen "überhaupt nicht überzeugt". Deshalb gehen die Proteste weiter, am Samstag sind auch in Paris neue Kundgebungen geplant.

Macron hat zugesagt, die Ökosteuer auf Diesel an die Kraftstoffpreise anzupassen, um übermäßige Belastungen abzufedern. Zudem will er die Aktivisten an Regionalkonferenzen beteiligen.

Geograf Christophe Guilluy hat einen anderen Tipp. Natürlich geht es um Geld und das Gefühl eines gesellschaftlichen Abgehängtseins im ökoliberalen Wunderland. Mehr aber noch geht es um die Spaltung zwischen Stadt und Land und soziale Infrastruktur in ländlichen Gegenden. Auch deshalb entzündet sich der Streit formal am Benzinpreis – die Menschen kommen vom Land (und den billigen Wohnungen) erst gar nicht mehr hin in die gesellschaftlichen Zentren der Städte. 

Der Geograf Christophe Guilluy sagt

"Wir müssen unsere besten Forscher und Lehrer in die Provinz schicken...
Das System kann nur überleben, wenn es die Menschen, die geografisch und kulturell ausgeschlossen wurden, wieder integriert."​

faz, 27. november 2018

(mbi/afp)

Wahres Glück geht nur mit einem eigenen Kind? Von wegen

abspielen

Video: watson/Kathrin Weßling, Lia Haubner, Marius Notter

Das könnte dich auch interessieren:

Militärdienst für die Jungs von BTS – das denken die K-Popstars darüber

Link zum Artikel

Politiker-Lügen, Manager-Boni: Wir leben in einer schamlosen Zeit

Link zum Artikel

WhatsApp: Für Android gibt es 3 Neuerungen – eine davon will kein Mensch

Link zum Artikel

Sri Lanka: Einheimische Islamisten sollen die Anschläge verübt haben

Link zum Artikel

Exklusiv: 5 unangenehme Fragen an einen White Walker

Link zum Artikel

Defekte Displays – Samsung verschiebt weltweiten Verkaufsstart des Galaxy Fold

Link zum Artikel

Diesen ekligen Sitznachbarn im Flugzeug will keiner haben

Link zum Artikel

Wie Hartz IV meine Familie verändert hat

Link zum Artikel

Trotz Verbots: Polnische Gemeinde verbrennt wieder antisemitische "Judaspuppe"

Link zum Artikel

Der Cast von "Avengers: Endgame" hat das beste Musik-Remake des Jahres herausgebracht

Link zum Artikel

Getötete Journalistin in Nordirland: Militante Gruppe veröffentlicht Bekennerschreiben

Link zum Artikel

Dieses Rätsel ist so einfach, du wirst es niemals zugeben, wenn du es nicht lösen kannst

Link zum Artikel

E-Auto als Klimasünder? Neue Tesla-Studie sorgt für Wut – weil sie Mängel aufweist

Link zum Artikel

Das? Das ist nur die wohl umfangreichste Schatzkarte aller bisherigen Zeiten

Link zum Artikel

PAOK Saloniki wird erstmals seit 34 Jahren Meister – und die Ultras drehen völlig ab

Link zum Artikel

FPÖ provoziert mit "Ratten-Gedicht" über Geflüchtete – Kanzler Kurz: "abscheulich"

Link zum Artikel

Sex-Szene bei "Game of Thrones" – die Fans flippen aus

Link zum Artikel

Erdbeben auf den Philippinen: Hier stürzt ein Hochhaus-Pool auf die Straße

Link zum Artikel

Sie eiferte Steve Jobs nach – und wurde zur größten Betrügerin im Silicon Valley

Link zum Artikel

Sri Lanka: Zahl der Todesopfer steigt auf 310 – Hinweise auf "Vergeltung" für Christchurch

Link zum Artikel

Journalistin macht sich über Enissa Amani lustig – deren Fans starten eine Insta-Hetzjagd

Link zum Artikel

An Hitlers Geburtstag legt die Schweiz die Nazi-Elf aufs Kreuz

Link zum Artikel

Böhmermann macht aus "GoT" die "Game of Shows" – mit Gottschalk und LeFloid

Link zum Artikel

Influencerin geht in Neuseeland baden – und wird dafür abgestraft

Link zum Artikel

Ukraine-Wahl: Komiker Selenskyj neuer Präsident

Link zum Artikel

"Game of Thrones": Ein beliebter Charakter lebt noch

Link zum Artikel

So instrumentalisieren rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke

Link zum Artikel

Diese Iranerin zog ihr Kopftuch aus und muss jetzt ein Jahr ins Gefängnis

Link zum Artikel

Hartz-IV-Sanktionen in der Schulzeit: "Ich lebte von 30 Euro im Monat"

Link zum Artikel

"Wir sind nicht bei der WM!" Club aus Brandenburg hat 5 Regeln für Helikopter-Eltern

Link zum Artikel

Bei der Hillsborough-Tragödie sterben 96 Fans – und werden dafür beschuldigt

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 7 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Der HSV wirbt mit seinen Fans – nur sind's keine Hamburger. Sondern Magdeburger!

Link zum Artikel

Weil Erdogan kam, drang die Polizei in das Büro dieses Abgeordneten ein – jetzt klagt er

Link zum Artikel

"Junge Mädchen werden hier kaputtgefickt" – Ex-Prostituierte will Sexkaufverbot erreichen

Link zum Artikel

Erstes Foto von einem Schwarzen Loch – und das Internet so 🤷‍♀️

Link zum Artikel

Findest du heraus, welche dieser traurigen Tier-Fakten stimmen?

Link zum Artikel

Die coolste Socke gehört auf den "GoT"-Thron! #TeamTyrion

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • dmark 29.11.2018 21:16
    Highlight Highlight "...die Ökosteuer auf Diesel an die Kraftstoffpreise anzupassen, um übermäßige Belastungen abzufedern."
    Aha, man "federt" also Belastungen damit ab, in dem man die Abgaben (wofür auch immer diese benötigt werden) für andere erhöht.
    Ich glaube Macron versteht den Begriff "Belastung" nicht so ganz richtig...
    Franzosen verstehen keinen Spaß, wenn es ihnen an den Geldbeutel oder gegen ihre Lebensart geht.
    Dafür braucht man auch keine Forscher oder Lehrer in die Provinzen schicken. Das hatte schon zu Zeiten des römischen Reiches nicht funktioniert. ;)

Was wollen die "Gelbwesten"? Wir haben sie gefragt

"Wir wollen leben, nicht nur überleben": "gilets jaunes" in Paris sprechen mit watson Klartext.

In Frankreich strömten auch diesen Samstag tausende "gilets jaunes" die Straßen und ließen ihrer Wut auf Präsident Macron freien Lauf. Die Stimmung war aufgeladen, viele wollten nicht mit Journalisten sprechen. 

Auf unserem Streifzug durch Paris haben wir Paul, Yves, Claire, Mégane, Yannik, Jessica und Marc kennengelernt. Sie alle erzählen Geschichten von sozialer Ungerechtigkeit, von prekären Lebensumständen. Es sind zum großen Teil Menschen, die kaum von ihrem Lohn leben können – …

Artikel lesen
Link zum Artikel