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Sea-Watch 3 captain Carola Rackete is seen on board the vessel at sea in the Mediterranean, just off the coasts of the southern Italian island of Lampedusa, Thursday, June 27, 2019. The captain of the humanitarian rescue ship says that Italian law enforcement officials have told them that a resolution is near for 42 migrants rescued at sea that Italy’s populist government has so far refused to allow to disembark. (ANSA/Matteo Guidelli via AP)

Carola Rackete hatte vergangene Woche das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" mit mehr als 40 Migranten an Bord unerlaubt in die italienischen Hoheitsgewässer gesteuert. Ihre Begründung: die katastrophalen humanitären Bedingungen an Bord. Bild: Matteo Guidelli/ANSA/ap

Wann kommt Rackete frei? – und 3 weitere Fragen zur festgenommen Sea-Watch-Kapitänin

Die deutsche Kapitänin Carola Rackete hat die Nacht erneut im Hausarrest verbracht. Auch wenn dieser nun aufgehoben werden sollte. Das Hin und Her um die 31-Jährige und die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch sind damit längst nicht am Ende.

In Deutschland und Italien formiert sich Hilfe für die Kapitänin:

Was war passiert?

Rackete hatte vergangene Woche das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" mit mehr als 40 Migranten an Bord unerlaubt in die italienischen Hoheitsgewässer gesteuert. In der Nacht auf Samstag fuhr sie – ebenfalls trotz eines Verbots – in den Hafen der sizilianischen Insel Lampedusa.

Rackete rechtfertigte ihre Entscheidung mit der verzweifelten Lage an Bord. Die deutsche Hilfsorganisation Sea-Watch hatte am 12. Juni insgesamt 53 Migranten vor Libyen gerettet. Aus gesundheitlichen und humanitären Gründen hatten schon 13 Migranten frühzeitig von Bord gehen können. Das Schiff aber bekam keine Anlegeerlaubnis.

Was wird der Deutschen vorgeworfen?

Die Staatsanwaltschaft wirft Rackete nun Widerstand gegen ein Militärschiff und Vollstreckungsbeamte vor. Rackete hatte sich nicht nur über Anweisungen hinweggesetzt. Das Schiff hatte beim Einlaufen in Lampedusa ein Boot der Finanzpolizei touchiert. Zudem wird gegen Rackete wegen Beihilfe zur illegalen Migration ermittelt. "Es gab keine Notlage", sagte der Staatsanwalt Luigi Patronaggio am Montagabend. Sea-Watch habe auch außerhalb des Hafens ärztliche Hilfe bekommen.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte wenige Tage vor dem unerlaubten Einlaufen in Lampedusa einen Eilantrag unter anderem von Rackete abgelehnt, mit dem Schiff in Italien anlegen zu dürfen.

Ermittelt wird laut Patronaggio nun auch, ob der Rettungseinsatz unweit der libyschen Such- und Rettungszone notwendig war. "Wir werden die konkreten Methoden zur Durchführung der Rettung prüfen, das heißt, ob es Kontakt zwischen Menschenhändlern und der Sea-Watch gab", erklärte Patronaggio. Es solle also geprüft werden, ob es eine "Rettungsaktion im Meer oder eine verabredete Aktion" war.

Wer steht wo im Streit um die Seenotrettung?

Der italienische Innenminister Matteo Salvini bezeichnet Seenotretter immer wieder als Komplizen der Schmuggler, die Migranten auf die gefährliche Fahrt ins Mittelmeer schicken. Er will die Hilfsorganisationen komplett aus dem Mittelmeer verbannen. Die Regierung aus rechter Lega und populistischer Fünf-Sterne-Bewegung fährt seit einem Jahr einen harten Anti-Migrations-Kurs.

Der Repräsentant des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) in Deutschland wies angesichts der Todesrate im Mittelmeer auf die Notwendigkeit der Seenotrettung hin. "Ich erwarte, dass sich Italien an seine humanistische und auch nautische Tradition erinnert", sagte Dominik Bartsch der "Rheinischen Post" (Dienstag). "Selbstverständlich muss sich auch Sea-Watch an internationale und nationale Gesetze halten." Aber in einer Notsituation hätten Leben und Gesundheit Priorität. Seit 2015 kamen nach UNHCR-Angaben fast 14.900 Menschen auf der Flucht über das Mittelmeer ums Leben.

Wann kommt Rackete frei?

Der frühere Kapitän des Rettungsschiffs "Cap Anamur" und jetzige Flüchtlingsbeauftragte von Schleswig-Holstein, Stefan Schmidt, rechnet nicht mit einer schnellen Freilassung von Kapitänin Rackete. "Ich habe schlechte Erfahrungen mit den italienischen Behörden gemacht. Damals hieß der Regierungschef Silvio Berlusconi – und der war schon schlimm", sagte er der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Dienstag). "Wie damals bei uns läuft da ein politischer Prozess."

Schmidt hatte 2004 mit der "Cap Anamur" Sizilien trotz Verbots angelaufen. An Bord waren 37 Flüchtlinge. Schmidt musste sich vor Gericht wegen Beihilfe zur illegalen Einreise verantworten. Er wurde Jahre später freigesprochen.

In Deutschland hat die Festnahme von Rackete eine Welle der Solidarität ausgelöst. Selbst Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte sich in die Sache eingeschaltet und Italien wegen der Festnahme kritisiert.

(pb/dpa)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Matthias Richter 02.07.2019 10:03
    Highlight Highlight Ich hoffe diese Kapitäne wird hart bestraft und verliert Ihr Patent!

    Menschen aus Seenot zu retten ist OK, aber warum fährt man die illegalen Einwanderer nicht zurück nach Lybien?

    Illegale Einwanderung ist eine Straftat und auch die Hilfe dazu!
    • Chaot 02.07.2019 12:10
      Highlight Highlight Nach Libyen kann man niemanden bringen, das ist lebensgefährlich für ALLE Beteiligten!

      Aber ich frage mich, warum man die Anordnungen von Ägypten und Tunesien befolgt, aber Italien ignoriert, obwohl keine Gefahr für Menschen an Bord bestand?! Kranke und Verletzte waren von Bord und wurden behandelt, es gab also keinen Grund nach Lampedusa einzufahren und dort Menschen zu gefährden!

      Deshalb bin ich für eine Bestrafung von Carola Rackete!
  • Muglintar 02.07.2019 09:36
    Highlight Highlight Sie ist illegal in den Hafen eingelaufen. Sie hat als Verantwortliche eine Kollision verursacht. Sie hat Wiederstand gegen die Staatsgewalt geleistet in dem sie sich über eindeutige Anordnungen hinwegsetzte.

    Patent weg, paar hunderttausend Strafe (wer schon mal in Italien ein Knöllchen kassiert hat, weiß, dass die Italiener da gerne mal richtig hinlangen) und eine mittelfristige (3-5 Jahre) Haftstrafe sind schuld- und tatangemessen. Immerhin hat sie sich der Geiselnahme schuldig gemacht, in dem sie nicht der Anweisung des RCC folgte, sondern die Geretteten wochenlang festhielt (statt ca 10h)
  • DerSeher 02.07.2019 08:03
    Highlight Highlight Wieso sollte sie überhaupt freikommen?

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Eins ist bereits sicher: Die Menschen wollen Carola Rackete offensichtlich helfen. Klar, auf Social Media wütet der übliche rechte Shitstorm gegen die Hilfsarbeit der Kapitänin des Rettungsschiffs "Sea-Watch 3", vor allem AfD-nahestehende Accounts und neurechte Medien nutzen die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Schicksal der inhaftierten Rackete, um die "Flüchtlingsdebatte" als solche wieder heauszukramen.

Die Zahlen aber sprechen eine klare Sprache.

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