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Bild: iStockphoto / imago / watson-montage

Facebooks Digital-Geld, Bitcoin, Italiens Parallelwährung: Was soll das alles?

Facebook will mit Libra eine neue Weltwährung schaffen, Bitcoin nimmt in Anspruch, digitales Gold zu sein, und Italien will seine Schulden mit einer Parallelwährung tilgen. Was soll dies alles?

Philipp Löpfe

Für die Nachkriegs-Generation war die Geld-Welt noch sehr simpel. Sie wuchs im Glauben an zwei unverrückbare Wahrheiten auf: Die Nationalbank tauscht jederzeit meine Papiernoten gegen Gold ein, und die Investitionen der Wirtschaft werden von Spargeldern finanziert.

Das war schon damals falsch, aber heute ist die Situation noch viel verwirrender geworden. Seit US-Präsident Richard Nixon zu Beginn der Siebzigerjahre das Bretton-Woods-Abkommen aufgekündigt hat, ist auch die Golddeckung Geschichte. Währungen sind Fiat-Money – Papiergeld – geworden. Ihr Wert schwankt, im schlimmsten Fall gegen Null.

Spätestens seit der Vollgeld-Initiative hat es sich auch herumgesprochen, dass nicht unsere Spargelder die Investitionen finanzieren, sondern dass dafür zum größten Teil Bankkredite verantwortlich sind.

Schließlich sind in den letzten Jahren verschiedene Formen von neuem Geld aufgetaucht: In ganz Europa werden regionale Parallelwährungen in Umlauf gebracht. Bitcoin und andere Kryptowährungen faszinieren nicht nur Techno-Nerds. Und nun will uns Mark Zuckerberg noch mit einer neuen Weltwährung beglücken.

All dies hat zu einer allgemeinen Verunsicherung geführt. Junge Menschen fragen sich, ob ihre Altersguthaben durch Inflation zerstört werden. Ältere Semester bangen im Zeitalter von Negativzinsen um ihre Rente.

Nicht nur Laien verstehen die Geld-Welt nicht mehr. So hat eine Umfrage der Beratungsfirma CFA ergeben, dass jeder zweite Finanzprofi erwartet, dass sich sein Beruf in den nächsten fünf Jahren grundlegend verändern wird. Zeit also für die Frage: Was ist eigentlich Geld?

Goldstandard

Gold hat zwei entscheidende Eigenschaften: Es ist begrenzt vorhanden und es kann nicht künstlich hergestellt werden. Diese beiden Eigenschaften machen es zu einem idealen Geld-Anker. Eine Währung, die zu einem fixen Kurs an das gelbe Metall gebunden ist, kann sich nicht entwerten.

Zum Goldstandard kam die Welt jedoch durch einen Fehler von Isaac Newton. Der geniale Physiker berechnete zu Beginn des 18. Jahrhunderts den Wechselkurs von Gold und Silber falsch, und zwar zugunsten von Gold. Das führte zu einem Run aufs gelbe Metall, und weil Großbritannien in der Folge zur Weltmacht aufstieg, setzte sich der Goldstandard global durch.

In der Ägide des Goldstandards gab es keine Inflation. Das ist der Grund, weshalb bis heute die sogenannten "Goldbugs" (Gold-Käfer) von einer Rückkehr zum Goldstandard träumen, oder zumindest von einer Teildeckung.

Der Goldstandard hat jedoch einen entscheidenden Nachteil: Er lässt keine Regulierung der Geldmenge zu. Die Nationalbanken können in einer Rezession der Wirtschaft nicht mit billigem Geld unter die Arme greifen.

Das 19. Jahrhundert kannte deshalb zwar keine Inflation, es wurde jedoch regelmäßig von schweren Wirtschaftskrisen gebeutelt. In Europa waren Massenelend und Auswanderung die Folge.

Weil die amerikanischen Bauern wegen des harten Dollars ihre Zinsen nicht mehr bezahlen konnten, hat in den USA der Goldstandard beinahe zu einem Volksaufstand geführt. Nur die Entdeckung von neuem Gold in Alaska hat dies verhindert. Das neue Gold hatte es möglich gemacht, die Geldmenge auszuweiten.

Kryptowährungen

Bitcoins rühmen sich gerne, "digitales Gold" zu sein. Der Grund liegt in einer Macke des mysteriösen Bitcoin-Erfinders Satoshi Nakamoto. Er hat die Anzahl der Bitcoins auf 24 Millionen Stück begrenzt. Wie Gold sind Bitcoins daher nicht beliebig vermehrbar und daher vor Inflation gefeit.

Das digitale Gold braucht keine Banken, und schon gar keine Zentralbank. Geldgeschäfte können per Internet direkt abgewickelt werden, und zwar anonym. Das gilt auch für die anderen Kryptowährungen, die immer noch wie Pilze nach einem warmen Regen aus dem Boden schießen.

Den Ursprung haben die Kryptowährungen in der Szene der Cypherpunks, einer Gruppe von Internet-Anarchisten. Sie träumen von einer Welt ohne Banken und ohne Staat. Das "digitale Gold" soll dabei helfen, die Wirtschaft dezentral zu organisieren. So weit die Utopie.

In der Realität ist die Produktion von Bitcoins alles andere als dezentralisiert, sondern in den Händen von ein paar wenigen Mining-Pools. Benutzt wird es vorwiegend von Spekulanten.

Bitcoin ist weit davon entfernt, massentauglich zu sein, und der hohe Stromverbrauch beim Mining der digitalen Goldstücke und beim Abwickeln der Transaktionen machen die Kryptowährungen zu einem mehr als fragwürdigen Experiment.

Weltwährung Libra

Schon vor Jahren hat Mark Zuckerberg heimlich ein Team von Spezialisten zusammengestellt und ihnen den Auftrag für eine digitale Weltwährung erteilt. Nun hat er sie vorgestellt. Libra heißt sie, und sie soll wie die Kryptowährungen langfristig die Banken überflüssig machen.

Zuckerberg träumt von einem "Internet des Geldes". So wie sie heute schon auf Whatsapp chatten, sollen die Menschen dank Libra sich bald gegenseitig Geld über das Netz überweisen können. Milliarden von Menschen, denen heute noch der Zugang zu einem Bankkonto verwehrt ist, sollen so ans Finanzsystem angedockt werden.

Geld ist Vertrauenssache. Ob Facebook je dieses Vertrauen erhalten wird, ist spätestens seit der Affäre von Cambridge Analytica mehr als fragwürdig. Zuckerberg hat für Libra daher eine eigene Firma gegründet, die er gemeinsam mit anderen betreiben will. Namhafte Unternehmen wie Visa und Mastercard haben bereits zugesagt.

Libra ist nicht an Gold, sondern an einen Korb von soliden Währungen gebunden. (Der Schweizer Franken dürfte wohl dabei sein.) Das soll der Währung Stabilität verleihen, es verhindert jedoch auch, dass damit eine eigenständige Geldpolitik betrieben werden kann. Trotzdem bleibt abzuwarten, ob die amerikanische Fed und andere Zentralbanken andere Götter neben sich dulden werden, will heißen: Libra die Zulassung erteilen werden.

Parallelwährungen

Italien hat eine der höchste Staatsverschuldung der Welt und liegt deshalb permanent mit der EU und der Europäischen Zentralbank (EZB) im Clinch. Nun glaubt man in Rom ein Mittel gefunden zu haben, wie man Brüssel und Frankfurt austricksen kann: die Mini-Bots.

Mini-Bots funktionieren wie folgt: Der Staat gibt Schuldscheine heraus. Mit diesen kann man seine Steuern bezahlen. Das macht sie auch für Otto Normalverbraucher interessant. Mini-Borts werden in Italien zu einer Konkurrenz für den Euro. Sie werden mit anderen Worten zu einer Parallelwährung.

Parallelwährungen sind keine Hexerei. Wir kennen sie von der Super- oder der Cumuluscard oder von Flugmeilen. Es ist Geld, das nur in einem bestimmten Umfeld eingesetzt werden kann. Der Zweck dabei besteht darin, den Konsum bei einem bestimmten Unternehmen oder in einer bestimmten Region zu fördern.

Lokale und regionale Parallelwährungen gibt es wie Sand am Meer. Die bekannteste ist wohl der Chiemgauer in Bayern, benannt nach dem gleichnamigen See.

Italien hingegen will die Mini-Bots als Waffe gegen den Euro einsetzen. Daher haben sowohl die EU als auch die EZB klar erklärt, dass sie das italienische Experiment auf keinen Fall dulden werden.

Fazit

Krypto-, Welt- und Parallelwährungen sind Versuche, das Korsett des herrschenden Geldsystems zu sprengen. Das ist verständlich. Spätestens seit der Finanzkrise von 2008 wächst die Einsicht, dass Geld mehr ist als bloß ein Schmiermittel der Wirtschaft. Geldpolitik ist ein entscheidender Faktor der Wirtschaftspolitik und damit ein entscheidender Faktor für unseren Wohlstand.

Leider ist Geldpolitik auch sehr kompliziert (echt). Daher ist es auch ein ideales Tummelfeld für Scharlatane und Fanatiker. Oft greifen sie reißerische Begriffe auf – beispielsweise Fiat-Money – und schlagen simple Lösungen vor – beispielsweise zurück zum Gold oder Abschaffung der Zentralbanken.

In der komplexen Realität unserer digitalen Welt sind diese Eiferer und ihre Rezepte gefährlich. Um es mit einem Vergleich zu sagen: Sie verhalten sich wie der sprichwörtliche Bauer, der sich darüber ärgert, dass die Sicherung in seinem Stall stets herausspringt. Um dies abzustellen, schlägt er ein Hufeisen über den Sicherungskasten. Das funktioniert tadellos – bis der Blitz einschlägt.

Kein Trinkgeld? Du bist nicht pleite, sondern geizig

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