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Bild: colin browning/ montage watson

Brexit-Fan schimpft über lange Warteschlange am Flughafen-Zoll – Reaktionen folgen prompt

Dennis Frasch / watson.ch

Es hätte alles so schön werden können. Man stelle sich vor:

Die Bevölkerung nimmt den Brexit an und Boris Johnson reitet auf einem Englischen Vollblut (also dem Pferd) in Brüssel ein, um dem europäischen Volke die frohe Kunde zu überbringen.

Unter dem tosenden Lärm von Fanfaren und Vuvuzelas (die Südafrikaner waren so begeistert wegen des Brexit-Entscheids, dass sie sich freiweillig re-kolonialisieren haben lassen) schreitet Johnson das vor dem EU-Parlament errichtete Podium hoch, high-fived dabei die Staatsoberhäupter Europas, die vor Neid und Ehrfurcht erblasst sind, und schmeißt Jean-Claude Juncker die Abstimmungsergebnisse zusammen mit den Forderungen, die die Briten haben, vor die Füße.

Paralysiert von dem souveränen Entscheid, den die Briten gerade gefällt haben, stimmt die EU allen Forderungen bedingungslos zu.

Fortan führt die Bevölkerung von Großbritannien ein Leben in Reichtum und Fülle, der Sunday Roast wird nur noch mit dem edlen Fleisch des Fasanes zubereitet und bei Reisen in die EU wird den erhabenen Briten der rote Teppich am Flughafen ausgerollt. Britain is finally great again.

Aber: Leider ist das Brexit-Leben kein Ponyhof.

Das musste auch der britische Patriot und "Brexiteer" Colin Browning kürzlich feststellen. In einem Post, der auf Twitter gerade die Runde macht, beschwert sich Browning über den "ekelhaften Service", der ihm am Flughafen Schiphol in Amsterdam geboten wurde.

Browning musste nämlich geschlagene 55 Minuten in der Schlange vor dem Zoll warten. "Das ist nicht der Brexit, für den ich gestimmt habe", echauffierte sich Browning. Damit löste er eine Twitter-Lawine aus. Über 20.000 Antworten erhielt der Brite auf seinen Post.

Dabei befindet sich Großbritannien noch in der Übergangsphase. Das heißt, Grenzkontrollen wurden noch gar nicht eingeführt. Er durfte immer noch in derselben Schlange wie alle anderen EU-Bürger anstehen. Sein Post zeigt jedoch sehr eindrücklich, wie blauäugig gewisse Briten für den Brexit gestimmt haben.

Twitter-User "Seb Dance" spricht das aus, was sich viele denken:

Man ist schon fast dazu geneigt, ein wenig Mitleid mit Browning zu haben. Obwohl, nein, nicht wirklich. Die meisten Antworten fallen dann auch ziemlich hämisch aus. Einige Perlen wollen wir euch nicht vorenthalten.

"'Ich habe nie gedacht, dass die Leoparden MEIN Gesicht essen würden', weint die Frau, die die ‹Menschengesichter essende Leoparden-Partei› gewählt hat."

"Ähm, eigentlich, doch, das ist genau das, wofür du gestimmt hast. Es gibt Gründe, wieso es 'Freizügigkeit' heißt. Du hast dagegen gestimmt. Am Ende wusstest du ganz genau, wofür du gestimmt hast."

"Leute, die gegen die Freizügigkeit gestimmt haben, sind nun überrascht, dass sie sich nicht mehr frei bewegen können."

"Vielleicht solltest du einfach ein bisschen mehr an den Brexit glauben."

"Der Brexit, für den du gestimmt hast, hat nie existiert. Es war eine Lüge. Das ist die Realität. Wir wollten dich warnen ... Bist du nun bereit, zuzuhören?"

"Die Freizügigkeit kündigen kreiert ein Gefängnis, kein Schloss."

Dieser Twitter-User grub einen alten Post von Browning aus, mit dem Kommentar "Dieser Tweet ist gut gealtert ...".

Browning schrieb damals:

"Brilliantes Wochenende. Habe den Brexit gefeiert. (...) Wo sind all die Radfahrer, die sich vor Monaten über mich lustig gemacht haben? Wer zuletzt lacht, lacht am besten."

"Ich habe nie gedacht, dass die EU zu verlassen, heißt, dass wir die EU verlassen. Das ist scheiße."

"Ein absoluter Klassiker des Genres 'Menschen, die aus der EU aussteigen wollten, flippen aus wegen den Folgen eines Austritts aus der EU.' Einfach perfekt."

"Oh Gott, bitte sag mir, dass das eine Parodie ist und du nicht wirklich so dumm bist."

"Danke für die Vorwarnung. Ich bin Ire, meine Frau ist Britin. Nächstes Mal, wenn wir nach Holland reisen, husche ich schnell durch den Zoll und kann dann ein paar Biere trinken, während ich auf meine Frau warte."

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