International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Bild

Rettungskräfte bei der Arbeit bei Schützingalm, Österreich (Archivbild). bergrettung/zvg

Interview

Lawinen-Retter Matthias: "Wenn es dumm läuft, bleiben keine 5 Minuten"

Der Neuschnee in den Alpen hat bereits mehr als zehn Menschen das Leben gekostet. Zwei Personen wurden Opfer, weil sie sich nicht mehr aus dem Tiefschnee befreien konnten. Was ist zu tun, wenn man im Tiefschnee stecken bleibt? Und welche Gefahren lauern derzeit besonders? Rettungschef Matthias Gerber im Interview.

Julian Wermuth 

Es schneit und schneit im Alpenraum. Für die einen ist der Neuschnee ein Segen, für die anderen ein Fluch. Fest steht: Die schieren Schneemassen können zur tödlichen Gefahr werden. 

In Aying im Landkreis München ist ein neunjähriger Junge von einem umstürzenden Baum erschlagen worden. Der Baum war aufgrund der Schneemassen zusammengebrochen.

Auf der Autobahn 8 starb in Baden-Württemberg eine 54 Jahre alte Frau während eines schneebedingten Staus in ihrem Auto. In drei oberbayerischen Landkreisen gilt der Katastrophenfall. Auch im Osten Deutschlands gibt es winterliche Probleme.

In Österreich und der Schweiz gab es bisher mindestens zehn Todesopfer, vor allem durch Lawinen.

Wir haben den Rettungschef der Alpinen Bergrettung Schweiz, Matthias Gerber, zu den Gefahren befragt.

Bild

Bild: zvg

Matthias Gerber

Matthias Gerber ist Rettungschef der Alpinen Bergrettung. Er steht den Rettungsstationen Bergün und Davos vor. Seit zehn Jahren ist er im Bereich der Bergrettung tätig.

In Österreich sind zwei Menschen Kopf voran in den Schnee gestürzt. Sie erstickten, weil sie sich nicht befreien konnten. Gibt's das öfters?
Darüber habe ich keine Kenntnisse. Ich wurde noch nie damit konfrontiert. Normalerweise sterben Leute im Schnee, weil sie in einer Lawine verschüttet werden. Diese werden von den verschütteten Wintersportlern in den allermeisten Fällen selber ausgelöst. Die Rettungskolonne wird jeden Winter zu mehreren Lawinenunfällen aufgeboten.

"Statistisch sind nach ca. 15 Minuten die Überlebenschancen auf 50% gefallen."

Wie viel Zeit bleibt einem denn, wenn man im Schnee verschüttet wurde?
Eigentlich keine. Wenn es dumm läuft und die Atemwege des Verschütteten mit Schnee verlegt sind, bleiben keine fünf Minuten. Statistisch sind nach ca. 15 Minuten die Überlebenschancen auf 50 Prozent gefallen. Nach einer halben Stunde sind es noch ca. 30 Prozent.

Deshalb ist Kameradenrettung essentiell und sollte auch geübt werden. Wenn die professionelle Rettung eintrifft, auch mit dem Helikopter, sind die Überlebenschancen schon beträchtlich gesunken.

Was war ihr bisher schwierigster Einsatz?
Vor einigen Jahren hatten wir einen Unfall am Flüelapass (Gebirgspass in der Schweiz), bei welchem drei Skifahrer ums Leben kamen. Einer überlebte. Eine Szene hat mich dort sehr bewegt: Als ich am nächsten Tag den Pass hoch fuhr, sah ich dort das Auto eines der Verstorbenen. 

"Ich sah den Kindersitz auf dem Rücksitz und den bunt bemalten Schattenspender am Fenster und wusste zugleich, dass dieser Vater nie mehr nach Hause kommen würde."

Wie gehen Sie persönlich mit der Verantwortung über Leben und Tod um?
Die Verantwortung über Leben und Tod liegt nicht bei den Rettern. Lawinenverschüttete lösen ihre Lawinen normalerweise selber aus. Sie machen eine Risikoabschätzung und entscheiden selber, wie viel Risiko sie eingehen wollen. Wir Retter sind auch aktive Berggänger und bewegen uns im gleichen Gelände und machen die gleichen Abschätzungen. Als Retter ist es unser Job, dort zu helfen, wo was schief gelaufen ist. Wir bewerten und verurteilen die Unfälle auch nicht, wir helfen, wo Hilfe gebraucht wird.

Aktuell gibt es wieder große Massen an Neuschnee, was sind die Gefahren davon?
Matthias Gerber: Sehr viel Neuschnee bedeutet, dass die Lawinengefahr auf die Stufe 4 oder 5 ansteigt. Das bedeutet große bis sehr große Lawinengefahr. In diesen Situationen können Verkehrswege und Siedlungen bedroht sein und es müssen von den Verantwortlichen entsprechende Beurteilungen und Maßnahmen vorgenommen werden.

Für den Schneesportbereich sind das kritische Situationen, bei denen man sich am besten auf den gesicherten Pisten und Wanderwegen bewegt. Die meisten Lawinenunfälle im Schneesportbereich geschehen aber bei der Gefahrenstufe 3 (Erheblich).

Wieso das?
Weil dort ein substanzielles Risiko besteht, eine Lawine auszulösen. Trotzdem sind aber viele Leute unterwegs. Bei der Gefahrenstufe "Groß" ist die Situation so klar, dass die meisten Leute vorsichtig sind oder zuhause bleiben.

Was sind die Gefahren für Skifahrer und Winterwanderer?
Wenn man sich abseits der gesicherten Pisten und Wanderwege aufhält, besteht im Winter theoretisch immer die Gefahr einer Lawinenauslösung und der Verschüttung mit Todesfolge. Je höher die Gefahrenstufe, um so heikler wird es. Deshalb benötigt das Skifahren und Schneeschuhwandern abseits der gesicherten Pisten die richtige Notfallausrüstung.

Wie rüstet man sich richtig aus?
Standard ist hier ein Lawinenverschüttetensuchgerät, eine Sondierstange und eine Schaufel. Man muss mit diesem Material umgehen können. Weiter braucht man eine entsprechende Ausbildung und Erfahrung in der Lawinenbeurteilung oder einen Führer, der einem diese Verantwortung abnimmt. Eine Lawinenverschüttung ist immer lebensbedrohlich und sollte deshalb auf jeden Fall vermieden werden.

Was kann man tun, wenn man trotzdem in eine Lawine kommt?

"Als Verschütteter bleibt einem nur das Hoffen auf die Kameraden."

Das Stichwort heißt "Kameradenrettung". Voraussetzung ist, dass diese nicht auch verschüttet wurden. Wenn alle gut ausgerüstet sind, sprich die vorgängig erwähnte Notfallausrüstung dabei haben und bedienen können, ist der Verschüttete bei Eintreffen der Rettung meist bereits lokalisiert und ausgegraben.

Das könnte dich auch interessieren:

Rezo fordert bei Böhmermann Entschuldigung von lügenden Kritikern

Link zum Artikel

Illner geht ihren Gästen mit Personal-Fragen auf die Nerven – "unsägliche Debatte"

Link zum Artikel

"Mit Neonazis mache ich mich nicht gemein" – so begründet ein Ex-AfD-Mann seinen Ausstieg

Link zum Artikel

Vera Int-Veen verurteilt Hartz-IV-Empfänger – dann erkennt sie ihren Fehler

Link zum Artikel

Ein Schrei nach Liebe: Freiwild covern Ärzte und Hosen

Link zum Artikel

"Dachte, dass das für immer ist" – Lena Meyer-Landrut spricht unter Tränen über Trennung

Link zum Artikel

So will Edeka den Drogerien Konkurrenz machen

Link zum Artikel

Rammstein: 7 (fast) unbekannte Fakten über die Band

Link zum Artikel

"Er hat die Ente gefressen": Eisbär frisst Tier vor den Augen der Zoo-Besucher

Link zum Artikel

Rammstein-Sänger soll Mann geschlagen haben – was das mutmaßliche Opfer zu dem Fall sagt

Link zum Artikel

Wegen Cathy-Hummels-Streit: Bundesregierung will Influencer-Gesetz

Link zum Artikel

Posen vorm Reaktor – Influencer machen geschmacklose Instagram-Posts in Tschernobyl

Link zum Artikel

Fotos von Helene Fischers Privat-Konzert aufgetaucht – sie zwingen sie zu handeln

Link zum Artikel

Mein Vater hat eine bipolare Störung – so war meine Kindheit

Link zum Artikel

Rock im Park: Über 130 Menschen erleiden allergische Reaktion

Link zum Artikel

Heidi veröffentlicht Chat mit Tom: Romantisch? Ganz im Gegenteil!

Link zum Artikel

Shitstorm mal anders: Zu wenige Toiletten bei Rock im Park

Link zum Artikel

Von Anime bis True Crime – diese 14 Filme und Serien kommen ab heute auf Netflix

Link zum Artikel

Sturmböen, Hagel und Starkregen: Ab Pfingstmontag geht es bergab mit dem Wetter

Link zum Artikel

Lesbisches Paar in London blutig geschlagen – weil sie sich nicht küssen wollten

Link zum Artikel

Helene Fischer macht's schon wieder – darum sind ihre Worte nur noch Heuchelei

Link zum Artikel

Kelly Family in Berlin: Warum immer noch der Hype? Eine Annäherung in 5 Akten

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

Wie beim WM-Finale 2014! Das steckt hinter der Final-Flitzerin von Madrid

Link zum Artikel

Helene Fischer und die 1-Mio-Euro-Party: Millionär bucht Star für besonderen Abend

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Fall Rebecca: Experte fordert Alarmsystem bei Kindesentführungen in Deutschland

Wenn Kinder verschwinden, beginnt für Eltern eine Zeit voller Schmerz. Die "Initiative vermisste Kinder" hilft Angehörigen. Wir haben mit dem Leiter Lars Bruhns über die Suche nach vermissten Kindern und den Fall Rebecca R. gesprochen.

Die Familie der 15-jährigen Rebecca R. aus Brandenburg erlebt gerade das wohl Schlimmste, was Eltern zustoßen kann: Ihre Tochter ist seit dem 18. Februar offenbar spurlos verschwunden. Die "Initiative vermisste Kinder" sucht nach eben diesen Kindern und hilft Eltern, die dieses Schicksal erleben müssen.

Der Leiter des Vereins Lars Bruhns spricht im Interview mit watson über das medienoffensive Verhalten von Rebeccas Familie, darüber, wie die Bevölkerung helfen kann und, was bei der deutschen …

Artikel lesen
Link zum Artikel