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7 historische Gründe, warum sich der Iran und die USA hassen

Revolution, Putsch, Geiselnahme: Die USA und der Iran sind seit Jahrzehnten verfeindet. Vor allem ein Ereignis wirkt immer noch nach.

Ali Vahid Roodsari / t-online

Der Konflikt zwischen den USA und dem Iran droht dramatisch zu eskalieren: Bei einem amerikanischen Luftangriff im Irak ist der Kommandeur der iranischen Al-Kuds-Brigaden, Ghassem Soleimani, getötet worden. Nach Angaben irakischer Sicherheitskräfte trafen drei Raketen zwei Fahrzeuge seines Konvois. Der Befehl zum Angriff kam von US-Präsident Donald Trump. Teheran kündigte massive Vergeltung an.

Beobachter befürchten eine gefährliche Zuspitzung in der Golfregion. Gleichwohl sind der Iran und die USA in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder aneinandergeraten: Die beiden Staaten verbindet eine lange Geschichte, die seit Jahrzehnten von Gegnerschaft, Gewalt und Misstrauen geprägt ist.

Eine Chronik der wichtigsten Ereignisse.

1953: Operation Ajax

Im August 1953 stürzten der britische MI6 und die US-amerikanische CIA den iranischen Premierminister Mohammed Mossadeq. Die Geheimdienste stachelten Iraner zum Putsch auf und bezahlten unter anderem Bürger für Demonstrationen. Mossadeq war 1951 demokratisch gewählt worden und hatte dann die britische Anglo-Iranian Oil Compay verstaatlicht. Der Konzern hatte große Summen mit iranischem Erdöl erwirtschaft, von denen der Iran nur geringfügig profitierte. Während US-Präsident Harry S. Truman den Briten zunächst Hilfe verweigerte, ließ sein Nachfolger Dwight D. Eisenhower die CIA den Aufstand organisieren. Codename: "Operation Ajax". Denn Eisenhower fürchtete, dass der Iran sich der Sowjetunion zuwenden könnte.

Der Putsch gilt als Schlüsselereignis in den Beziehungen zwischen dem Iran und den USA: Schah Mohammad Reza Pahlavi regierte von da an allein, als Autokrat, mit Wohlwollen der USA. Unter anderem gründete er den Geheimdienst SAVAK, der die iranische Bevölkerung überwachte und die Opposition unterdrückte.

1979: Die iranische Revolution

Im Jahr 1979 wurde der Schah in der iranischen Revolution gestürzt und durch Ajatollah Chomeini und die islamische Republik ersetzt. Für Ajatollah Chomeini und seine Regierung galten die USA als "Großer Satan", als Feind und durch und durch verdorben. Die islamische Republik bestreitet seit Beginn außerdem das Existenzrecht Israels, einem der engsten Verbündeten der USA. Zudem unterstützt der Iran Gruppen wie die Hisbollah aus dem Libanon, die nicht nur den USA als Terrororganisation gilt. Die USA strafen den Iran dafür seit knapp 40 Jahren mit umfangreichen Sanktionen.

1979: Geiselnahme von Teheran

Wegen der iranischen Revolution 1979 war der krebskranke Schah nach mehreren Zwischenstationen zur Behandlung in die USA geflüchtet. Der Iran forderte seine Auslieferung, Chomeini rief zu Angriffen auf die USA auf. Am 4. November 1979 besetzten iranische Studenten die amerikanische Botschaft in Teheran. Die Besetzung wurde bald zur Geiselnahme. Erst nach 444 Tagen, am 20. Januar 1981, kamen die letzten Geiseln frei. Sahen die USA den Iran trotz Revolution noch nicht per se als Feind, endeten die Botschaftsbeziehungen beider Länder mit dem Ereignis.

1980–1988: Iran-Irak-Krieg

Der Iran-Irak-Krieg begann im September 1980 mit einem Angriff des Irak auf den Iran. Der Krieg dauerte bis August 1988. Hunderttausende Menschen starben, die meisten auf iranischer Seite.

Um den Irak zu unterstützen, nahmen die USA das Land von ihrer Liste der Staaten, die als Terrorunterstützer galten. Ab 1984 setzten sie den Iran auf die Liste. Zudem unterstützten die USA den Irak mit Informationen zu iranischen Truppenaufstellungen und -bewegungen. Wie später bekannt wurde, tolerierte die damalige Reagan-Regierung auch den Einsatz von Giftgas seitens des Irak gegen den Iran.

Trotz eines offiziellen Embargos belieferten die USA allerdings ab 1985 auf Umwegen auch den Iran mit Waffen, wie im Zuge der Iran-Contra-Affäre bekannt wurde.

1988: Abschuss des Iran-Air-Flugs 655

Am 3. Juli 1988 schoss der US-Kreuzer "USS Vincennes" unter Leitung des Kapitäns William C. Rogers einen iranischen Airbus 300 mit 290 Menschen an Bord ab. Das Passagierflugzeug befand sich auf einem knapp halbstündigen Flug von Bandar Abbas nach Dubai über den Persischen Golf. Die "Vincennes" war im Golf stationiert, um Öltanker vor iranischen Angriffen zu schützen und befand sich zum Zeitpunkt des Abschusses in einem Gefecht mit iranischen Schnellbooten.

Für den Abschuss wurde ein Computerfehler auf der "Vincennes" verantwortlich gemacht: Während eine automatische Abfrage den Airbus als Zivilflugzeug erkannte, identifizierte das neuartige Aegis-Kampfsystem die Passagiermaschine als F-14 Tomcat Kampfjet. Rogers ließ mehrere Nachrichten auf zivilen und militärischen Kanälen abschicken. Als diese unbeantwortet blieben, ließ er das Flugzeug abschießen.

Zur Empörung des Iran verteidigte der damalige Vizepräsident George H. W. Bush den Einsatz Rogers. Erst 1996 einigte sich die Clinton-Regierung mit dem Iran auf Entschädigungszahlungen in Höhe von knapp 131 Millionen Dollar, wovon etwa 61 Millionen den Hinterbliebenen zustanden. Eine Schuld erkannten die USA nicht an.

2002: Bush erklärt Iran zum Teil der "Achse des Bösen"

Nach den Terroranschlägen des 11. September 2001 beschrieb Präsident George W. Bush im Januar 2002 drei Länder als "Achse des Bösen": Nordkorea, den Irak und den Iran. Der iranischen Regierung gefiel das gar nicht. Dabei sollen der Iran und die USA zuvor im Geheimen sogar miteinander kooperiert haben: Grund war ein gemeinsamer Kampf gegen die Taliban, die beide Seiten gleichermaßen als Feind sahen. Nach Bushs Aussage endete jede Zusammenarbeit.

2015 und 2016: Das Atomabkommen und die Wahl Trumps

Bereits zu Schah-Zeiten arbeitete der Iran an einem Atomprogramm, das die USA unterstützten. Mit der iranischen Revolution endete die Hilfe, der Iran führte das Programm aber nach kurzer Pause fort. Im Jahr 2002 wurde bekannt, dass der Iran Atomanlagen besitzt. Mit der Wahl des Hardliners Mahmud Ahmadinedschad als Präsidenten 2005 intensivierte sich der Konflikt, auch weil Ahmadinedschad Israel massiv bedrohte.

Nach dem Atomabkommen von 2015, das die Regierungen von Barack Obama und Hassan Ruhani und zahlreiche weitere Staaten ausgehandelt hatten, entspannte sich die Situation. Die US-Sanktionen wurden gelockert. Donald Trump, der 2016 zum Präsidenten gewählt wurde, kündigte das Abkommen aber einseitig auf und reaktivierte die US-Sanktionen gegen den Iran. Als Reaktion verkündete der Iran im Mai 2019, wieder Uran anzureichern. Die USA verhängten daraufhin neue Sanktionen. Die Situation verschärfte sich in den letzten Wochen immer weiter bis zum aktuellen Konflikt.

Dieser Artikel ist zuerst auf t-online.de erschienen

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