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Was passiert mit der eingestürzten Brücke von Genua? Und 3 weitere Fragen

Am zweiten Tag nach dem verheerenden Brücken-Einsturz in Genua mit rund 40 Toten schwindet die Hoffnung noch Überlebende zu finden.

"Leider ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich unter den Trümmern weitere Opfer befinden, sehr hoch."

Der italienische Innenminister und Vize-Regierungschef Matteo Salvini am Mittwochabend zum Fernsehsender La7.

Für Samstag ist ein Begräbnis geplant:

Für die 39 offiziell bestätigten Toten soll es am Samstag ein Begräbnis geben, erklärte Regierungschef Giuseppe Conte auf Facebook. Für den Tag soll auch eine Staatstrauer gelten. Die Staatsanwaltschaft hatte die Zahl der Toten am Mittwoch sogar mit 42 beziffert. Unter den Opfern sind mindestens drei Minderjährige im Alter von 8, 12 und 13 Jahren. 15 Menschen sind den Behörden zufolge verletzt, neun von ihnen befinden sich in einem kritischen Zustand. Wie viele Menschen noch vermisst werden, ist unklar.

4 Fragen zu der Katastrophe von Genua.

Warum nimmt der Druck auf den Betreiber der Autobahnbrücke jetzt zu?

Italienische Regierungsmitglieder machen den privaten Betreiber der Autobahn, Autostrada, für die Katastrophe verantwortlich und wollen ihm die Lizenz entziehen. Die Aktie der Mutterfirma von Autostrada, der Mautstraßenbetreiber Atlantia, verlor am Donnerstag rund 25 Prozent an Wert.

Die Stimmung in der Baubranche hat sich durch die Katastrophe von Genua verschlechtert: Auch der deutsche Baukonzern Hochtief merkte das. Die Papiere des deutschen Baukonzerns Hochtief am Donnerstag um rund zweieinhalb Prozent. Für die Anteilsscheine der spanischen Hochtief-Mutter ACS ging es um mehr als 4 Prozent abwärts.

Wie reagiert Italien auf die Katastrophe von Genua?

Das Land hat einen Tag der Staatstrauer geplant. Der Gedenktag soll am Tag der Trauerfeier für die Todesopfer stattfinden - laut italienischen Medienberichten voraussichtlich am Samstag.

Der italienische Fußball-Erstligist Sampdoria Genua hat währenddessen bei seinem Verband um eine Spielverlegung seines ersten Saisonspiels gebeten. Die Serie A-Begegnung gegen den AC Florenz ist für den Sonntag angesetzt.

Unabhängig von der Entscheidung der Liga wird vor Anpfiff jeder Serie-A-Partie am kommenden Wochenende eine Schweigeminute abgehalten. Zudem werden alle Spieler einen Trauerflor tragen.

Was soll jetzt mit der Brücke passieren?

Bild

Bild: XinHua

Vieles deutet darauf hin, dass die Brücke abgerissen und eine neue errichtet werden soll. Die Tragödie hat Hunderte Menschen obdachlos gemacht: Sie mussten ihre Häuser nahe der Brücke aus Sicherheitsgründen verlassen - und das möglicherweise für immer.

"Bis Ende dieses Jahres werden wir all diesen 634 in Sicherheit gebrachten Genuesen ein neues Zuhause geben"

Italiens Innenminister Salvini.

Der mehr als 40 Meter hohe Polcevera-Viadukt, der auch Morandi-Brücke genannt wird, spannt sich unter anderem über Wohnhäuser, Gleisanlagen und Fabriken. Am Dienstagmittag war er während eines heftigen Unwetters auf einem etwa 100 Meter langen Stück eingestürzt und hatte zahlreiche Fahrzeuge mit in die Tiefe gerissen.

Drohnen-Aufnahmen zeigen das Ausmaß der Zerstörung:

abspielen

Video: YouTube/La Repubblica

Die Brücke ist Teil der Autobahn 10 und verbindet nicht nur den Osten mit dem Westen der Stadt. Sie ist auch als Urlaubsverbindung "Autostrada dei Fiori" bekannt und eine wichtige Verbindungsstraße nach Südfrankreich, in den Piemont und die Lombardei.

Die Morandi-Brücke ist allerdings seit langem umstritten. Regierungsmitglieder machten den privaten Betreiber der Autobahn für die Katastrophe verantwortlich und wollen ihm die Lizenz entziehen. Conte erklärte, es sei die Justiz, die die Verantwortlichkeiten klären müsse. "Aber unsere Regierung kann nicht weiter warten." Deswegen seien diese Schritte eingeleitet worden.

Hat das Genua-Drama auch Auswirkungen in Deutschland?

In der Sicherheitsdebatte nach dem Brückeneinsturz von Genua dringt die deutsche Industrie auf schnellere Modernisierungen.  "Autobahnbrücken zu erneuern, ist dank sprudelnder Steuereinnahmen keine Frage des Geldes, es ist eine Frage der Zeit geworden", erklärte der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) am Donnerstag.

Die 39 500 Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen in Deutschland werden nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums mit regelmäßigen Kontrollen auf ihre Sicherheit überprüft. In einer Art "Brücken-Tüv" machten Ingenieure jährliche Besichtigungen, alle drei Jahre eine Prüfung und alle sechs Jahre eine größere Hauptprüfung, erläuterte das Ministerium am Mittwoch.

Diese Pflicht gelte auch für Autobahnabschnitte, die von privaten Investoren betrieben An Autobahnen gilt ihr Zustand jedoch nur bei rund 10 Prozent als gut oder sehr gut. Der größte Teil wird mit befriedigend oder noch ausreichend eingestuft. 12 Prozent sind offiziell mit "nicht ausreichend" bewertet, 2 Prozent erhielten sogar ein "ungenügend". Das soll aber nicht heißen, dass die Brücke einsturzgefährdet sei, heißt es vom Bundesverkehrsministerium.

(pb/afp/dpa)

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