International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Interior Minister Matteo Salvini bathes in the swimming pool as he visits a farm confiscated in 2007 from a mobster to emphasize anti-Mafia procedures, in Suvignano, near Siena, central Italy, Tuesday, July 3, 2018. After the villa was confiscated from a Mafia boss after 24 years of legal procedures, it was turned into a holiday spot for tourists. (Fabio Di Pietro/ANSA via AP)

Matteo Salvini, Chef der Lega Nord und Innenminister Italiens.  Bild: ANSA

Was treibt Matteo Salvini?  Italiens Innenminister in 18 Posts

Peter Riesbeck
Peter Riesbeck

Matteo Salvini, 45, ist seit Juni Innenminister Italiens. Der Chef der rechten Lega Nord paktiert mit der linkspopulistischen 5-Sterne-Bewegung. Salvini stammt aus dem Norden Italiens, lange machte er gegen armen Süden des Landes mobil. Dann wechselte er der Strategie: Das neue Feindbild sind nun Migranten. Salvini studierte Geschichte, brach das Studium aber ab. Die Lega bot ihm eine Stelle: als Leserbrief-Redakteur der Parteizeitung. Dort groovte sich Salvini in die Volksseele. Er spielt mit Stimmen und Stimmungen. Sein Lehrmeister Silvio Berlusconi war gnadenlos populistisch. Aber ihm war das Land reichlich egal, er wollte nur in Ruhe seine Geschäfte machen. Salvini tickt anders. Er will das Land umkrempeln.

Driftet Italien in den Faschismus ab?“, fragt die Zeitung "Die Welt" besorgt. Salvini etabliert einen rechten Populismus der nächsten Generation: modern in der Kommunikation, offen ausländerfeindlich, die Grenzen des Sagbaren stetig verschiebend, auf dem Weg über eine parlamentarische Mehrheit das Land umzukrempeln. 

Ein Politikerporträt in 18 Posts. 

(Fast) am Ziel

Das Regierungsteam der Lega 

Seit 1. Juni 2018 ist Matteo Salvini Innenminister. Und damit (fast) am Ziel. Zwar hatte seine Lega Nord die Wahl gewonnen. Aber Staatspräsident Sergio Mattarella lehnte Salvini als Regierungschef ab. Auch ein erster Premierkandidat fiel durch. Prompt polterte Salvini, der Wählerwille werde übergangen. So stieg der Jurist Giuseppe Conte auf zum Premier. Salvini kann es egal sein, wer unter ihm Regierungschef ist. In den Umfragen legt seine Partei weiter zu. Salvini will an die Regierungsspitze. 

Abriegeln

Italiens Häfen sind für Flüchtlinge dicht

Eine der ersten Amtshandlungen Salvinis: Er schloss die Häfen des Landes für Rettungsschiffe von Hilfsorganisationen, die Flüchtlinge im Mittelmeer retten. Auch Schiffe der eigenen Küstenwacht oder der EU dürfen nur festmachen, wenn klar ist, welche EU-Staaten die Flüchtlinge aufnehmen. Die "Aquarius" wich nach Frankreich aus. Die "Open Arms" nach Spanien. Salvinis Kommentar: 

"Nach Tagen unnützen Wartens vor Libyen und Tunesien scheint sich das Schiff der spanischen NGO Open Arms mit leeren Händen und Taschen zu entfernen. Auf bald!

Matteo Salvini, Innenminister des EU-Staats Italien

Kriminalisieren 

Kriminalisieren

Die Abgrenzung nach außen und gegenüber anderen gehört zum Handwerk der Rechten. Und wie legitimiert Salvini das. Natürlich nicht mit Fremdenfeindlichkeit. Sondern mit Kampf gegen die Kriminalität. Sein Kommentar zu seiner rigiden Flüchtlingspolitik im Mittelmeer: 

"STOPP dem Geschäft der Menschenhändler."

Matteo Salvini, Innenminister des EU-Staats Italien

Doppelte Botschaften

Plattmachen

Stiamo lavorando per voi!

Ein Beitrag geteilt von Matteo Salvini (@matteosalviniofficial) am

Als Minister wollte Salvini Sinti und Roma in Italien amtlich registrieren lassen. Erfassen nach rein ethnischen Kriterien? Das hat es in Europa seit 1945 nicht mehr gegeben. 

Die katholische Kirche stellte sich gegen das Vorhaben. Aber auch Salvinis Koalitionspartner "5 Sterne". Der Minister gab nach, postete aber ein Bild mit einer Raupe und dem Spruch. 

"Wir arbeiten für euch."

Matteo Salvini

Botschaft I: Er erfüllt einen angeblichen Volkswillen. 

Botschaft II: Plattmachen. Klassisches Freund-Feind-Denken. Formuliert hat es der Anti-Demokrat Carl Schmitt im Deutschland der 1920er-Jahre. Willkommen zurück in dunklen Zeiten.

Offene Anspielungen an Mussolini

Opfer oder Brandstifter?

Am 29. Juli, dem Geburtstag des faschistischen Diktators Benito Mussolini, setzte Salvini einen Post ab mit der Botschaft: 

"Viel Feind, viel Ehr!"

Matteo Salvini zitiert Benito Mussolini

Die Aufregung war groß. Nicht nur in Italien.

Salvini ist aber viel zu geschickt, um es seinen politischen Gegnern so leicht zu machen. Ein Magazin hatte ihn im Fadenkreuz auf sein Cover gesetzt. So inszeniert sich der Brandstifter geschickt als Opfer. 

Im Bündnis mit dem Volk

Nur nicht abheben

Salvini hat eine Koalition mit der Partei "5 Sterne". Aber sein eigentliches Bündnis besteht mit dem Volk, das er duzt. Zu einem Auftritt in der Menge schrieb er: 

"Deine Zuneigung genügt mir."

Matteo Salvini

Klingt harmlos. Ist es aber nicht. Wer direkt mit dem Volk paktiert, braucht kein Parlament. Und auch eine unabhängige Justiz droht den wahren Volkswillen nur zu verfälschen. Nicht umsonst setzen Jaroslaw Kaczynski in Polen und Viktor Orban in Ungarn auf eine Reform (und Entmündigung) des Verfassungsgerichts. 

Sicherer Strand

Bad in der Menge

Der Kampf gegen "die da oben", treibt die Populisten. Deshalb nur nicht abgehoben geben. Erst recht nicht, im neuen Amt. Also posiert Salvini am Strand. 

Was aussieht, wie ein harmloses Badefoto, ist hoch politisch. Salvini hat die Aktion "Sicherer Strand" ausgerufen. Fliegende Händler, zumeist Migranten, die sich etwas hinzuverdienen, werden am Strand jetzt festgenommen. Ethnische Säuberung am Strand.

Zur Volksnähe gehört die Bar. Und der Spielautomat. 

Danke, Danke, Danke!

Mit dem Brief der Unterstützer

Die Kritik ist heftig. Sie kommt von der Opposition. Der Kirche. Und den liberalen Medien. Ficht Salvini nicht an. Er zeigt sich stolz im Dienstzimmer mit den Briefen seiner Unterstützer. 

Die liebe Familie

Fra tanti attacchi e problemi, un disegno di mia figlia mi riporta subito il sorriso!

Ein Beitrag geteilt von Matteo Salvini (@matteosalviniofficial) am

Der Konservative setzt auf Gemeinschaft. Dazu gehört die Nation. Und natürlich die Familie. Salvini ist geschieden, aber bei jeder Gelegenheit betont er, dass nun Zeit sein müsse für seine beiden Kinder. Malstunden inklusive. 

Das liebe Essen

Natürlich Mozzarella

Nur nicht immer Politik. Salvini postet viel Essen. Viel Süßes. Und natürlich traditionelle Küche wie Mozzarella. Italy First, auch in der Küche. 

Die lieben Gegner I

Roberto Saviano hat viele Bücher über Wirtschaftskriminalität  und die Mafia verfasst. Seit 2006 steht er unter Polizeischutz. Als er Salvinis Flüchtlingspolitik kritisierte, drohte der, den Polizeischutz zu entziehen:

"Die zuständigen Institutionen werden beurteilen können, ob er irgendeinem Risiko ausgesetzt ist, auch weil ich den Eindruck habe, dass er viel Zeit im Ausland verbringt."

Matteo Salvini, Verfechter eines starken Staats, entzieht Schwachen den Schutz

Auch das ein bekanntes Motiv der Rechten. Den Gegner notfalls vernichten. 

Die lieben Gegner II

Zwei Unliebsame auf einem Bild

Salvini schätzt weder den Papst. Noch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Beide kritisieren Italiens neue Flüchtlingspolitik. Salvini reagiert mit Häme: 

"Hat je jemand gesehen, dass jemand den Papst streichelt."

Matteo Salvini

Man kann seine Gegner auch lächerlich machen.

Die lieben Gegner III

Seit drei Monaten kommt Salvini ohne Zigaretten aus. Was wirkt wie ein harmloses Foto hat eine tiefe Bedeutung:
Gegner werden stets gebrochen!

Die lieben Freunde I

Die Ferieninsel Mallorca erklärte Salvini jetzt zur unerwünschten Person. Der konterte, er verbringe seinen Urlaub eh in Italien. Andere boten ihm touristisches Asyl an. Österreichs rechtspopulistische FPÖ lud Salvini nach Krems ein. Der bedankte sich: 

"Danke liebe österreichischen Freunde."

Matteo Salvini

Man kennt sich. Und man schätzt sich. Salvini saß einige Jahre im Europaparlament. Er kennt Marine Le Pen aus Frankreich und Geert Wilders aus Holland. Die neue rechte Internationale. Donald Trumps Chefstratege Steve Bannon kümmert sich jetzt unter dem Titel "The Movement" von Brüssel aus für eine Koordinierung. Klingt nicht gerade beruhigend. 

Die lieben Freunde II

Auf der Weltbühne

Ein Treffen mit Donald Trump. Der US-Präsident steht wegen seiner Migrationspolitik in der Kritik. Ebenso wie Salvini. Schön, dass sich beide für ihren politischen Kurs gegenseitig loben. 

Ein bisschen tiefgründig

In der Abendsonne

Mitunter gibt sich der Berserker auch nachdenklich. Postet Gedichtzeilen oder Sinnliches. 

"Wer aufgibt, hat schon verloren."

Matteo Salvini

Klingt wie ein Spruch fürs Poesiealbum. Hat aber eine doppelte Bedeutung. Italiens Fluglinie Alitalia steht vor dem Aus. Die Vorgängerregierungen wollten kein Geld mehr zuschießen. Salvini hat Hilfen versprochen. Das sentimentale Heimatgefühl erstreckt sich mitunter auch auf liebgewonnene, alte Unternehmen.

Rassist? Ich? Ach, iwo!

Kräftige Unterstützung

Eine Serie rassistischer Überfälle erschreckt Italien. Nur Salvini will nix davon wissen. Er weist jeden Vorwurf von sich. Und kriegt Unterstützung von Boxer Sumbu Kalambay. Der war im Kongo geboren, wurde aber in Italien Champion. Und bekannte nun stolz: Er habe Salvini gewählt. Ein paar Feigenblätter braucht es eben immer für den humanitären Anstrich.

Und raus bist auch du

Zu bunt für Salvini

Auf Kritik reagiert Salvini stets mit harter Linie: Voll gegenhalten. Kritikern seiner Flüchtlingspolitik twittert er zu: 

"Dann geht!!

Matteo Salvini

So tickt sie, die neue Rechte. Fängt mit Migranten an und hört mit Andersdenkenden nicht auf. Das Ziel: Homogenität.

All das ist nicht neu. Carl Schmitt, der juristische Vordenker des starken Staates, hat es schon in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts formuliert. "Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand verfügt." Kein Wunder, dass der verhinderte Geschichtsstudent Salvini, nach dem Innenressort griff. 

Mehr zum Thema Rassismus:

Diese Studentengeschichte zeigt, warum Rassismus auch in der US-Elite ein Problem ist

Link to Article

Christian Lindner und der Fremde beim Bäcker – Rassismus-Debatte in der FDP 

Link to Article

"So dunkel bist du ja jetzt nicht"– Unter #MeTwo teilen Hunderte ihre Rassismuserfahrungen

Link to Article

"An Sexismus und Rassismus rausgehauen, was ging" – ZDF erntet Shitstorm

Link to Article

"Lederhosen und Bier sind meine Kultur": Bayerin im Dirndl wehrt sich gegen Anfeindungen

Link to Article

Mann, sind die doof, Mann! Dickmann's entschuldigt sich bei Herzogin Meghan 

Link to Article

"NACHBARN AUFGEPASST" – Wie eine Touristin in Minden zur Einbrecherin erklärt wurde

Link to Article

Endlich! 2018 begreift die Mode- und Beautywelt, dass "nude" nicht nur beige ist

Link to Article

Özil – für immer Gast im eigenen Land? Das geht schon seit Generationen so

Link to Article

Heineken ist mit diesem Werbespot gerade so richtig in den Rassismus-Fettnapf getreten

Link to Article

Wikipedia sperrt 62.000 sächsische Rechner wegen gelöschtem Rassismus-Absatz

Link to Article
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Was wollen die "Gelbwesten"? Wir haben sie gefragt

"Wir wollen leben, nicht nur überleben": "gilets jaunes" in Paris sprechen mit watson Klartext.

In Frankreich strömten auch diesen Samstag tausende "gilets jaunes" die Straßen und ließen ihrer Wut auf Präsident Macron freien Lauf. Die Stimmung war aufgeladen, viele wollten nicht mit Journalisten sprechen. 

Auf unserem Streifzug durch Paris haben wir Paul, Yves, Claire, Mégane, Yannik, Jessica und Marc kennengelernt. Sie alle erzählen Geschichten von sozialer Ungerechtigkeit, von prekären Lebensumständen. Es sind zum großen Teil Menschen, die kaum von ihrem Lohn leben können – …

Artikel lesen
Link to Article