FILE - In this Sept. 29, 2020, file photo, former Nissan Motor Co. Chairman Carlos Ghosn holds a press conference at the Maronite Christian Holy Spirit University of Kaslik, as he launches an initiative to help Lebanon that is undergoing a severe economic and financial crisis, in Kaslik, north of Beirut, Lebanon. Americans Michael Taylor and his son Peter Taylor go on trial in Tokyo on Monday, June 14, 2021, on suspicion they helped Ghosn skip bail in Japan and escape to Lebanon in December 2019. (AP Photo/Hussein Malla, File)

Der frühere Autoboss Carlos Ghosn war 2018 aus Japan geflüchtet. Seine Fluchthelfer wurden nun zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Bild: ap / Hussein Malla

Fluchthelfer von Ex-Autoboss Ghosn müssen in Japan ins Gefängnis

Zwei Amerikaner, die dem früheren Autoboss Carlos Ghosn zu seiner spektakulären Flucht aus Japan verholfen haben, müssen in Japan ins Gefängnis. Das Bezirksgericht in Tokio verurteilte den 60 Jahre alten früheren Elite-Soldaten Michael Taylor zu zwei Jahren Haft. Sein Sohn Peter (28) muss für ein Jahr und acht Monate hinter Gitter. Die beiden hatten sich schuldig bekannt. Hilfe für einen Kriminellen kann in Japan mit bis zu drei Jahren geahndet werden. Die Verteidigung hatte Bewährungsstrafen für die beiden Männer gefordert.

Ghosn, ehemaliger Vorstandschef des französisch-japanischen Autobündnisses Renault-Nissan-Mitsubishi, war am 19. November 2018 in Tokio unter anderem wegen Verstoßes gegen Börsenauflagen festgenommen und angeklagt worden. Im April 2019 kam er unter strengen Auflagen auf Kaution aus der Untersuchungshaft.

Ghosn flüchtete in Kiste aus dem Land

Im Dezember verließ Ghosn sein Haus in Tokio und nahm den Hochgeschwindigkeitszug nach Osaka. In einem Hotel dort versteckte er sich in einer großen Kiste, die für Audio-Ausrüstung vorgesehen ist. Um atmen zu können, wurden Löcher hineingebohrt. Am Flughafen wurde die Kiste nicht durchleuchtet.

In einem Privatjet wurde Ghosn außer Landes gebracht. Zunächst floh er in die Türkei und dann in den Libanon. Ghosn hat neben der französischen auch die libanesische sowie die brasilianische Staatsbürgerschaft. Am 31. Dezember äußerte sich Ghosn vom Libanon aus und geißelte Japan in einer Wutrede.

Er wies alle Vorwürfe zurück und sprach von einer Verschwörung gegen ihn. Japan bemühte sich um seine Auslieferung - doch hat es mit dem Libanon kein Auslieferungsabkommen. Wegen der Flucht gebe es keine Aussicht, dass Ghosn in Japan der Prozess gemacht werden könne, befand das Gericht.

Fluchthelfer müssen trotz Entschuligung ins Gefängnis

Seine beiden Fluchthelfer waren im Mai vergangenen Jahres im US-Bundesstaat Massachusetts verhaftet und im März ausgeliefert worden. Während ihres für japanische Verhältnisse kurzen Prozesses hatten sie sich entschuldigt. Ghosn habe sie hinsichtlich des japanischen Justizsystems getäuscht, hieß es.

Sie widersprachen, dass sie finanziell von ihrer Fluchthilfe profitiert hätten. Die rund 1.3 Millionen Dollar, die sie laut der Staatsanwaltschaft von Ghosn erhalten hatten, hätten gerade mal die Kosten für die Aktion gedeckt. Das Gericht befand jedoch, sie hätten aus finanziellen Motiven gehandelt. Sie können das Urteil innerhalb von zwei Wochen anfechten.

(nb/dpa)

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