International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Der US-Bundesstaat Washington hat die Todesstrafe abgeschafft 

12.10.18, 08:00

Im US-Bundesstaat Washington wird künftig niemand mehr hingerichtet. Die Todesstrafe werde "willkürlich" und aufgrund rassistischer Vorurteile verhängt, urteilte das Oberste Gericht in dem nordwestlichen Bundesstaat am Donnerstag. Die Richter kritisierten eine uneinheitliche Anwendung der Todesstrafe, die oft vom Ort des Verbrechens, dem Wohnort des Täters oder seiner Herkunft abhänge. Daher verstoße sie gegen die Verfassung.

Das Gericht ordnete an, alles Todesurteile in lebenslange Haftstrafen umzuwandeln. Nach Angaben des Informationszentrums zur Todesstrafe (DPIC) betrifft dies acht Verurteilte. Die letzte Hinrichtung in dem Bundesstaat war 2010 vollstreckt worden.

Die Todesstrafe wurde in Washington schon drei Mal kurzzeitig verboten.

Washington ist der 20. US-Bundesstaat, der die Todesstrafe abgeschafft hat. Allerdings hatte das Oberste Gericht in Washington die Todesstrafe bereits in den Jahren 1972, 1979 und 1981 als verfassungswidrig eingestuft. Im Anschluss wurden jeweils neue Gesetze erlassen.

Washingtons Gouverneur Jay Inslee begrüßte das Urteil als äußerst wichtigen Schritt hin zu einer "fairen Rechtsprechung". Der demokratische Politiker hatte 2014 ein Moratorium für die Vollstreckung von Todesurteilen verhängt.

Auch Bürgerrechtsorganisationen in den USA priesen das Urteil als richtigen Schritt an. Die "American Civil Liberties Union" (ACLU) schrieb:

"Die Strömung wendet sich gegen diese barbarische und rassistisch orientierte Praxis."

In so vielen Ländern gibt es die Todesstrafe noch:

Laut dem Amnesty-International-Jahresbericht über das Jahr 2017 haben derzeit

106 Staaten die Todesstrafe vollständig abgeschafft;
8 Staaten die Todesstrafe in Friedenszeiten abgeschafft;
28 Staaten die Todesstrafe in der Praxis abgeschafft;
56 Staaten die Todesstrafe beibehalten.

Laut dem Amnesty-Bericht wurden im Jahr 2017 in 23 Staaten mindestens 993 Gefangene hingerichtet. Nicht in dieser Statistik aufgenommen ist China. Allein dort seien "wahrscheinlich mehrere Tausend Hinrichtungen vollzogen" worden. An zweiter Stelle nach China steht laut Amnesty-Angaben der Iran mit mehr als 507 Hinrichtungen.

Amnesty-International-Jahresbericht

Auch Malaysia könnte die Todesstrafe bald abschaffen

Am Donnerstag kündigte der malayische Justizminister an, dass Malaysias Regierung die Todesstrafe abschaffen will. Das Parlament wird am kommenden Montag darüber beraten, wie malaysische Medien berichteten. Geplante Hinrichtungen seien aber zunächst ausgesetzt worden. Obwohl die Debatte noch aussteht, ist sich Justizminister Liew Vui Keong seiner Sache ziemlich sicher: "Die Todesstrafe wird abgeschafft. Punkt", sagte er den Berichten zufolge vor Studenten an einer malaysischen Universität.

Menschenrechtler begrüßten das Vorhaben. Es sei eine "erstaunliche Ankündigung", schrieb etwa Amnesty International Malaysia auf Twitter. Derzeit droht laut lokalen Medienberichten noch mehr als 1200 Menschen in Malaysia die Vollstreckung der Todesstrafe. Sie wurden wegen Drogenhandel, Terrorismus, Verrat oder anderer Verbrechen verurteilt.

(fh/afp/dpa)

Augenblicke – Bilder aus aller Welt

Das könnte dich auch interessieren:

"Ich habe kein Kind bekommen, um es abzugeben" – Jana bezieht bewusst Hartz IV 

Mann beleidigt schwarze Frau im Ryanair-Flieger rassistisch – Airline sinkt in PR-Krise

Diesen Ausblick kannst du dir in den kommenden Wochen abschminken 😥

Ölt eure Sprint-Tasten – Usain Bolt könnte bald in FIFA 19 dabei sein

US-Studenten feiern Party – plötzlich bricht der Fußboden ein

Polizeistreifen auf der Straße melden – das steckt hinter dieser "Cop Map"-Aktion

Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Nach dem Fall Jan Ullrich: 7 Fragen zu Gewalt und Vorurteilen an eine Sexarbeiterin

Gerade erst geht mit dem mutmaßlichen Angriff des ehemaligen Radsportlers Jan Ullrich auf eine Escortlady wieder ein prominenter Fall durch die Medien, der Sexarbeit und Gewalt in den Fokus rückt. Sind gewalttätige Übergriffe ein Berufsrisiko, mit dem Prostituierte ständig rechnen müssen?Charlie Hansen: Ich kann aus eigener Erfahrung sprechen und von einigen Kolleginnen berichten, dass wir selten physischer Gewalt durch Freier ausgesetzt sind. Viele Menschen mögen Übergriffe und …

Artikel lesen