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Bild: Jean-Christophe Bott/KEYSTONE/dpa

Greta will keine Ikone mehr sein – warum das der Klimabewegung schaden könnte

Beim Klimagipfel in Lausanne will Greta Thunberg sein wie alle anderen.

Camille Kündig

Statt zu streiken, trifft sich die europäische Klimajugend die ganze Woche im schweizerischen Lausanne, um sich international zu koordinieren und damit eine größere Wirkmacht zu erzielen. Denn, um es in den Worten des Schweizer Nobelpreisträgers Jacques Dubochets zu sagen: "Was ein Gemeinderat irgendwo in der Schweiz beschließt, bringt nichts."

450 junge Klimastreikende aus 37 Ländern Europas weilen nun also in Stadt am Genfersee.

Greta Thunberg und ihr ungewöhnlicher Auftritt: Leaderin wider Willen

Eine der Aktivistinnen sticht heraus: Greta Thunberg, 16, Friedensnobelpreis-Nominierte und bisheriges Aushängeschild der Bewegung. Sie ist hier die Hauptattraktion – aber will trotzdem eine ganze normale Teilnehmerin sein. Ungewöhnlich: Für die Presse ist sie deshalb außerhalb der Medienkonferenz nicht verfügbar. "No Interviews", heißt es.

Dabei bleibt sie die Person, ohne die alle anderen nicht hier wären. Thunberg war es, die der Klimaprotestbewegung im Spätsommer 2018 mit ihren Schulstreiks den entscheidenden Schub verliehen hat.

Ist ihr der Hype um ihre Person zu viel geworden? Will sie nicht mehr? Kann sie nicht mehr? Oder sind es die anderen Klimaaktivisten leid, dass Thunberg die ganze mediale Aufmerksamkeit geschenkt wird?

Auf den Gängen der Universität Lausanne wird getuschelt, es sei nicht ganz korrekt, dass sie so im Vordergrund stehe. Es handle sich um eine breitgefächerte und basisdemokratische Bewegung, die nicht nur von einer einzigen Person repräsentiert werden dürfe.

Dennoch feiern die Jugendlichen Thunberg regelrecht ab, schwärmen mit glänzenden Augen von Greta, die sie dazu inspiriert habe, Freitag für Freitag in ihrem Dorf irgendwo in Europa auf die Straße zu gehen und zu protestieren.

Dass sich Thunberg weniger exponiert, scheint so doch vielmehr an ihr selbst als an ihren Mitaktivisten zu liegen. "Sie ist und möchte nicht die Ikone unserer Bewegung sein", sagen die Organisatoren zu watson. Am Montag erläutert Thunberg ihre Gründe. Ernste Miene, leicht trotziger Unterton: "Die Verantwortung für das Klima sollte nicht bei uns Kindern liegen." Damit hat sie natürlich recht.

Sie sei keine Leaderin dieser Bewegung, sagt sie weiter, und könne so auch nicht für die ganze Bewegung, sondern nur für sich selbst sprechen. Sie würde gerne wieder in die Schule gehen, möge die vielen Kameras nicht. Niemand zwinge sie dazu, doch die Situation sei so gravierend, dass ihr Einsatz weiter gefordert sei. Wenn es dem Anliegen diene, stelle sie sich deshalb weiterhin für Pressekonferenzen und Panels zur Verfügung.

(Zu) große Verantwortung für 16-Jährige

Die Kameras jedenfalls bleiben während ihres Auftrittes weiterhin auf sie fokussiert. Thunberg sitzt auf einer Bühne neben Nobelpreisträger Dubochet, dem renommierten Wissenschaftler Ernst von Weizsäcker und zwei weiteren Aktivistinnen. Die Fotografen knipsen Foto um Foto, während das Mädchen das Mikrofon von sich selbst wegschiebt, ihren jungen Mitstreitern oder Dubochet in die Hände.

Swedish climate activist Greta Thunberg, reacts next to Jacques Dubochet from Switzerland, Nobel laureate in Chemistry, during a press conference of the ' Fridays For Future Summit ' at the University of Lausanne, UNIL, in Lausanne, Switzerland, Monday, Aug. 5, 2019. More than 450 participants from 37 different countries will meet in Lausanne, Switzerland, from Aug. 5 to Aug. 9, 2019 for the summer gathering of the «' Fridays for Future' » movement. (Jean-Christophe Bott/Keystone via AP)

Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone/AP

Die Aufmerksamkeit behagt ihr sichtlich nicht. Möglich, dass das mit dem Asperger-Syndrom zusammenhängt, von dem Thunberg betroffen ist, einer Form von Autismus. Oft vergisst man aber auch, dass Thunberg eigentlich einfach eine 16-Jährige ist, die sich Sorgen ums Klima macht.

Warum das der Bewegung schaden könnte

Dass Thunberg zur Ikone einer ganzen Generation geworden ist, sei nicht nur ihrem Engagement zu verdanken, betont der Sprecher des Organisationskomitees, Tobias Schuster:

"Ohne die Klimastreikenden auf der Welt würde Greta immer noch alleine vor dem Schwedischen Reichstag stehen."

Tobias Schuster, Klimaaktivist.

Dennoch steht die Organisation nun vor einem Dilemma: Denn für eine erfolgreiche Bewegung braucht es Storytelling, das die Leute berührt. Bekannte Gesichter sind zentral, die Personalisierung ist im Medienbusiness ein entscheidender Faktor. Verabschiedet sich Thunberg aus dem Scheinwerferlicht, kann das dem Anliegen schaden.

Charakterkopf Dubochet spielt den Ball den Medienschaffenden zu: Die Jugendlichen hätten hart dafür gearbeitet, dass der Klimafrage Aufmerksamkeit geschenkt wird. Den Zeigefinger in die Kameras gestreckt, sagt er: "Now YOU continue!"

Die Konferenz ist beendet. Journalisten stürzen sich auf Thunberg – trotz ausdrücklicher Bitte der Organisatoren, dies sein zu lassen. Zwei Fragen lang dauert es, bis eine Aktivistin Thunberg aus der Aula eskortiert: Es ist Zeit für das möglichst emissions- und fleischlose Mittagessen.

Das ist für die nächsten Monate geplant

Die Aktivisten beschäftigen sich diese Woche mit verschiedensten Themen, um ihre Anliegen auf internationaler Ebene zu stärken. Am Freitag tun sie dann das, was die Klimajugend in den letzten Monaten immer gemacht hat: streiken. Es wird erwartet, dass auch Thunberg teilnimmt.

Anschließend will sie mit dem den Skipper Boris Herrmann und Pierre Casirahi mit einer emissionsfreien Hochseeyacht über den Atlantik zur nächsten Klimagipfel der Vereinten Nationen in New York Ende September segeln.

Die Organisatoren vom Global Climate Strike rechnen mit Millionen Klimastreikenden, die dort für das Ende der fossilen Brennstoffe auf die Straße gehen und Aktionen gegen den Klimazusammenbruch fordern. Im Dezember steht dann die UN-Klimakonferenz in Chile auf dem Plan.

#FridaysForFuture: Schüler erklären, warum sie demonstrieren

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