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Swedish teenage climate activist Greta Thunberg attends a news conference during the SMILE meeting (Summer Meeting in Lausanne Europe), with other young climate strike activists from 37 European countries of the FridaysforFuture movement in Lausanne, Switzerland, August 5, 2019. REUTERS/Denis Balibouse

Emotionale und hitzige Diskussionen gehören zum Klimastreik-Gipfel in Lausanne (Schweiz). Auch Aktivistin Greta Thunberg (16) nahm teil. Bild: reuters / DENIS BALIBOUSE

Tränen beim "Fridays for Future"-Gipfel – und Greta lässt Journalisten rauswerfen

Seit Tagen diskutieren 450 Jugendliche aus ganz Europa über die Zukunft der "Fridays for Future"-Bewegung. Die Emotionen kochen bei manchen Teilnehmern über.

Adrian Müller, Jara Helmi

Wie weiter mit der europäischen Klilmastreik-Bewegung? Seit Montag zerbrechen sich am Gipfel in Lausanne Greta Thunberg sowie 449 weitere Jugendliche aus 38 Ländern den Kopf, wie sie "Fridays for Future" weiterbringen und den Klimawandel stoppen können.

Viele Auseinandersetzungen

Doch am Veranstaltungsort an der Schweizer Uni Lausanne kochen die Emotionen über. Ein Workshop von Strategiegruppen ist am Mittwoch aus dem Ruder gelaufen.

Das sagt die Zürcher Teilnehmerin Fanny Wissler zu watson:

"Einigen Leuten sind Diskussionen zu nahe gegangen. Sie mussten heulen, weil ihnen die Klimastreik-Bewegung so wichtig ist."

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Fanny Wissler (links) nimmt am Gipfeltreffen in Lausanne teil. Bild: watson

"Einige Klima-Aktivisten haben geheult"

Fanny Wissler

Auch das Organisationskomitee des Gipfels hat die Spannungen mitbekommen. "Es gab diverse Auseinandersetzungen", sagt Sprecherin Hannah Otto. Grund dafür seien unterschiedliche Erwartungen und Hoffnungen an das Klimatreffen gewesen.

Gewisse Teilnehmer seien traurig gewesen, weil sie nicht so viel reden konnten, wie sie wollten. Andere fühlten sich offenbar missverstanden.

Young climate strike activists from 37 European countries vote during the SMILE meeting (Summer Meeting in Lausanne Europe) of the FridaysforFuture movement in Lausanne, Switzerland, August 5, 2019. REUTERS/Denis Balibouse

Bei einigen Workshops in Lausanne ging es drunter und drüber. Bild: reuters / denis balibouse

Deshalb versuchten die jungen Klimaaktivisten am Nachmittag bei einer "Krisensitzung" die Wogen zu glätten. "Danach war's wieder besser und wir haben uns als Gruppe gestärkt gefühlt", so Otto weiter.

Manchen Klimastreikenden ist die Sache dennoch zu bunt geworden: Von der Schweizer Delegation haben einige Leute die Konferenz zumindest vorübergehend verlassen.

"Auch ich habe eine Pause gebraucht", sagte der Ostschweizer Jann Kessler.

Das Ziel von Jann Kessler sei dennoch erreicht worden: Man habe Leute aus ganz Europa zusammengebracht. "Wir alle spüren aber einen unglaublichen Druck auf unseren Schultern. Die Klimastreikenden sind die einzigen, die ernsthaft etwas gegen den Klimawandel tun."

"Wir kämpfen für nichts weniger als das Überleben der Menschheit. Dieser Druck wird manchmal einfach zu groß für uns."

Jonas Kampus

Aufreger-Szene auch am Freitag

Am letzten Tag des Kongresses kam es zu einer bemerkenswerten Szene: Initiatorin Greta Thunberg ließ Journalisten für kurze Zeit aus dem Saal werfen. Das berichtet der Schweizer "Blick".

Jonas Kampus von Klimastreik Schweiz hat in Lausanne ebenfalls aufreibende Momente erlebt. Es überrasche ihn nicht, dass es beim Gipfel zu größeren Auseinandersetzungen gekommen sei. "Das war bei den ersten großen Treffen der Schweizer Klimastreik-Bewegung nicht anders und liegt in der Natur der Sache."

Dem Bericht zufolge machte Thunberg die Pressevertreter für die schlechte Stimmung auf dem Klima-Gipfel verantwortlich und rief dazu auf, die Journalisten auszuschließen. Eine Mehrheit war dafür und die Pressevertreter mussten kurz den Raum verlassen. Nach wenigen Minuten durften die Journalisten laut "Blick" wieder zurückkehren. "Wir sind auch nur Menschen und brauchen manchmal Privatsphäre", zitiert der "Blick" einen der Organisatoren.

Bevor die 450 Klimastreikenden wieder mit dem Zug in alle Himmelsrichtungen verschwinden, wartet am Freitag mit der großen Klima-Demo in Lausanne ein Highlight auf die Gipfel-Teilnehmer. Es werden mindestens 1000 Teilnehmer erwartet.

Die Bündnis-Frage bei "Fridays for Future"

Straffe Klimastreik-Organisation oder loses Bündnis: In den 38 Länder-Delegationen gibt es ganz unterschiedliche Vorstellungen, wie die "Fridays for Future"-Bewegung organisiert sein soll. "Es gibt Leute, die andere Teilnehmer in Diskussionen unter Druck setzen und denen es egal ist, wenn diese auf der Strecke bleiben", versucht Jann Kessler einen weiteren Reibungspunkt zu erklären. Einige Länder-Delegationen hätten sich wenig kompromissbereit gezeigt.

Young climate strike activists from 37 European countries take part in group work during the SMILE meeting (Summer Meeting in Lausanne Europe) of the FridaysforFuture movement in Lausanne, Switzerland, August 5, 2019. REUTERS/Denis Balibouse

Seit Montag raucht 450 Jugendlichen der Kopf. bild: reuters / denis balibouse

In der Schweizer Klimastreik-Bewegung herrsche hingegen eher das Motto "Leben und Leben lassen", so Wissler. Für sie sei aber sowieso klar, dass die verschiedenen europäischen Klimastreik-Bewegungen auch künftig ihre Eigenheiten bewahren sollten. Wichtig sei einfach, dass alle die gleichen Werte verfolgen. "Wir sind sicher keine Öko-Faschisten und agieren gewaltlos".

Schulstreik für das Klima

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