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Für Trump sind wir nur noch "frenemies" – der G7-Gipfel hat nichts gebracht

11.06.18, 06:23 11.06.18, 13:20

Fabian Reinbold, Washington

Donald Trump brüskiert die Verbündeten beim G7-Treffen gleich mehrfach. Der Westen zerbröselt. Jetzt braucht es einen anderen Gipfel.

Das G7-Treffen war ein Gipfel der Desillusion. Wer auch immer sich in Berlin, Paris oder London, in Brüssel, Tokio oder Ottawa noch etwas schön geredet hat, über den Westen unter Donald Trump, der muss spätestens am Sonntagmorgen aufgewacht sein.

U.S. President Donald Trump boards Air Force One to depart for travel to Singapore from the Canadian Forces Base Bagotville, Quebec, Canada, June 9, 2018. REUTERS/Jonathan Ernst

Donald Trump beim vorzeitigen Verlassen des G7-Gipfels. Bild: reuters

Der US-Präsident hat vor dem Gipfel, auf dem Gipfel und mit einem unsportlichen Nachtreten nach dem Gipfel klar gemacht: Er will mit aller Macht das durchdrücken, was er als Stärkung der heimischen Industrie und seines Landes sieht. Dafür sind ihm die Interessen der Verbündeten, Gesprächsformate wie G7 und dort getroffene Verabredungen ebenso egal wie die Regeln, nach denen seit Jahrzehnten der Handel funktioniert.

Trump will keine gemeinsamen Lösungen. Er will immer "dealen" mit jemandem, der schwächer ist.

Für Trump sind wir nur noch "frenemies"

Die Länder, die sich trotz Trump als Freunde der USA sehen, müssen erkennen, dass sie keinen Bonus mehr genießen. Im Englischen gibt es die schöne Wortkombination von Freund und Feind, aus friend und enemy wird dann frenemy. Deutschland, Frankreich, selbst Großbritannien sind für Trump nur noch frenemies, wie auch Russland, das Trump plötzlich in den G7-Kreis zurückholen will und China, vielleicht bald auch schon Nordkorea.

Das ist eine bittere Erkenntnis für Europa – entsprechend wollten es viele deutsche und europäische Politiker auch lange nicht wahrhaben.

Trump und die Milchzölle – wie albern!

Gerade einmal sechs Wochen ist die große Emmanuel-Macron-Show beim Staatsbesuch in der amerikanischen Hauptstadt her. Jetzt bekabbeln sich die beiden Staatschefs per Twitter. Noch steiler ging es zwischen Trump und Justin Trudeau bergab – Trump nahm Trudeaus Pressekonferenz zum Anlass, seine Zustimmung zu dem Abschlussdokument wieder zurückzuziehen. Dabei fiel Trump plötzlich eine neue Begründung für seine Stahlzölle gegen Kanada ein – wenige Stunden zuvor war es noch die nationale Sicherheit, dann waren es plötzlich kanadische Zuschläge auf US-Milchprodukte. Wie albern!

Trump wollte sich mit seinem G7-Theater bei seiner Wählerbasis als starker Mann inszenieren, der vermeintlich Amerikas Interessen vertritt.

Für Angela Merkel und Macron blieb auch nicht viel mehr als das Ringen um die besten Bilder: Wer Trump entschlossen gegenüber tritt, kann ebenfalls in der Heimat punkten.

Soll es das wert sein?

Natürlich, in dieser heiklen Phase dürfen die Gespräche mit Trump nicht aufhören, es muss geworben werden, bis es weh tut. Man wird ja auch weiter reden bei der Nato, gemeinsam und mit China, Indien, Russland in den G20-Runden und mit allen in der Uno.

Dienstag findet Trumps persönlicher Gipfel statt

400 Millionen Euro für was?

Aber sind die G7 unter Trumps Absage an den Westen noch das richtige Format? Sie wurden Mitte der Siebziger gegründet, damit die Westmächte die Weltwirtschafts- und Handelsfragen koordinieren. Doch gerade bei diesen Themen finden die Verbündeten nicht mehr zusammen. Nicht einmal auf einen Beschluss zu weniger Plastikmüll konnte man sich einigen.

Gekostet hat der G7-Gipfel im wirklich wunderschönen Charlevoix 400 Millionen Euro. Gebracht hat er nichts, außer einer Klarheit: Mit Donald Trump im Weißen Haus hat das G7-Format keinen Sinn. Unter ihm zerbröselt der Westen. Und für ihn zählen die gemeinsamen Werte und Prioritäten, die der G7-Gipfel symbolisieren soll, einen feuchten Dreck.

2019 soll Frankreich das Treffen ausrichten. Ehrlich wäre es, wenn Macron die Notbremse zieht und erklärt: So schade es ist, aber mit dem aktuellen Personal machen Treffen in dieser Runde einfach keinen Sinn.

Dieser Text ist zuerst bei t-online.de erschienen.

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