Warum die Versteigerung dieses Luther-Briefs zu einer Antisemitismus-Debatte geführt hat

"Außergewöhnlich gut erhalten" soll der Brief des Reformators Martin Luther (1483-1546) sein, der in den kommenden Tagen versteigert wird. 

Der fast 500 Jahre alte Brief könnte Schätzungen zufolge 225.000 Euro einbringen.

Adressat sei der Vorsteher der Nikolaikirche in Berlin, Georg Buchholzer, gewesen. Es geht in dem Brief um einen Streit zwischen Buchholzer und einem Brandenburger Kollegen um den Umgang mit Juden in der Gegend.

Online-Versteigerung läuft noch bis Mittwochabend (Ortszeit). Luther gilt als zentrale Figur der Reformation, die zur Spaltung des westlichen Christentums in verschiedene Konfessionen führte.

Auf Twitter wird der Brief hitzig diskutiert

Luthers Brief wird derzeit auf Twitter hitzig diskutiert. In dem Brief bezeichnet Luther Juden als "Inkarnation des Teufels".

Der Luther-Forscher Eric Metaxas widersprach gegenüber der Nachrichtenagentur AP Antisemitismus-Vorwürfen: Demnach sei der Antisemitismus des 16. Jahrhunderts nicht mit dem des 21. Jahrhunderts vergleichbar. Metaxas: "Was wir mit einem solchen Satz meinen, hätte Luther nicht gemeint."

Hintergrund der Äußerungen sei Luthers Frustration darüber, dass die Juden, die er traf, nicht zum Christentum konvertieren wollten. 

Christopher Boyd Brown, ein Lehrer an der Boston University, sagte der AP: "Luther spielt eine Rolle in der dunklen Geschichte des Antisemitismus des 16. Jahrhunderts." Und weiter: "Auch wenn seine Intoleranz gegenüber dem Judäismus erstaunlich ist, war Luther kein Antisemit. Sein Kritik entsprang in einem theologischen Widerspruch über die Deutung der gemeinsamen Schriften, nicht in radikaler Feindseligkeit."

(pb/dpa)

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