International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Meinung

Cohen vor dem Kongress war großes Kino, aber wichtiger ist der Mueller-Report

Der verurteilte Ex-Anwalt von Donald Trump wirkte glaubwürdig und aufrichtig, konnte aber keine wasserdichten Beweise präsentieren.

Peter Blunschi / watson.ch

Jahrelang hat der Anwalt Michael Cohen einem Unternehmer namens Donald Trump treu gedient. Als "Mann fürs Grobe" räumte er für ihn juristische Probleme aus der Welt. Um ihn zu beschützen, belog er den US-Kongress über den geplanten Bau eines Trump Towers in Moskau. Cohen wurde unter anderem aus diesem Grund zu drei Jahren Gefängnis verurteilt.

Am Mittwoch trat er erneut im Kapitol in Washington auf. Dieses Mal aber präsentierte sich der 52-Jährige geläutert: "Jetzt will ich die Wahrheit sagen", erklärte Cohen zu Beginn seines 30-minütigen Statements. Es folgte ein Rundumschlag, eine Generalabrechnung mit Trump, den er als "Rassisten, Betrüger und Schwindler" bezeichnete.

Bild

Der Scheck von Donald Trump taugt als Beweis nur bedingt Bild: imago

Wer die schillernde Karriere des US-Präsidenten einigermaßen verfolgt hat, war nicht erstaunt. Die Deutlichkeit von Cohens Aussage und der Ablauf des mehr als fünfstündigen Hearings waren dennoch erhellend. Denn obwohl der Ex-Anwalt – ihm wurde die Zulassung entzogen – über einen mehr als zweifelhaften Ruf verfügt, wirkte sein Auftritt glaubwürdig.

Republikaner spielen auf den Mann

Der wichtigste Grund ist, dass Michael Cohen nichts zu verlieren hat. Er muss am 6. Mai ins Gefängnis, um seine Haftstrafe anzutreten. Einen Straferlass werde er durch die Aussage nicht erhalten, sagte er auf die Frage eines republikanischen Abgeordneten. Man kaufte ihm ab, dass er keinen persönlichen Vorteil anstrebte, sondern sein Gewissen erleichtern wollte.

Gestützt wurde seine Glaubwürdigkeit zudem durch das Verhalten der Republikaner. Weil sie offenbar nicht in der Lage waren, seine Fakten zu widerlegen, spielten sie voll auf den Mann. Jim Jordan, der ranghöchste Republikaner im Ausschuss, bezeichnete Cohen seinerseits als "Betrüger, Lügner und verurteilten Straftäter", der gegen das Anwaltsgeheimnis verstoßen habe.

Überzeugender Auftritt

Andere versuchten Cohen pekuniäre Motive nachzusagen. Sie verwiesen unter anderem auf den ominösen Beratervertrag mit Novartis über 1,2 Millionen Dollar, der den Finanzchef des Basler Pharmariesen den Job gekostet hat. Jordan unterstellte ihm zudem Rachsucht, weil er keinen Job im Weißen Haus erhalten habe. Cohen bestritt vehement, einen solchen angestrebt zu haben.

Insgesamt hinterließ der ehemalige Winkeladvokat in der zeitweise gehässigen Anhörung einen überzeugenden Eindruck. "Schämen Sie sich", sagte Cohen einmal an die Adresse von Jim Jordan. Umgekehrt bemühte er sich auch, die teilweise suggestiven Fragen der Demokraten ("Glauben Sie, dass Trump zu geheimen Absprachen mit Russland fähig war?") abzuwehren.

Dürftige "Beweise"

Konnte er aber die "Smoking Gun" präsentieren, die Donald Trump aus dem Amt und vielleicht ins Gefängnis spedieren wird? So knackig Cohens Enthüllungen waren, juristisch sind sie von beschränktem Wert. Teilweise basieren sie auf Hörensagen. Das betrifft etwa das Telefongespräch, in dem Roger Stone angeblich Trump über die Veröffentlichung der Clinton-Mails durch Wikileaks informierte.

Der Scheck, den Trump ein halbes Jahr nach seinem Einzug ins Weiße Haus für Cohen ausgestellt hat, ist ebenfalls kein vollwertiger Beweis. Der Ex-Anwalt behauptet, es habe sich um eine Rückzahlung für das Schweigegeld an den Pornostar Stormy Daniels alias Stephanie Clifford gehandelt. Man glaubt Cohen, dass er unter Eid die Wahrheit sagt, aber vor Gericht dürfte diese Aussage wenig zählen.

Warten auf Mueller

Gleiches gilt für die Russland-Affäre. "Ich habe keinen direkten Beweis für geheime Absprachen von Trump oder seinem Wahlkampfteam mit Russland, aber es gibt starke Vermutungen", sagte Cohen. Man muss deshalb annehmen, dass er auch vor den Geheimdienstausschüssen von Senat und Repräsentantenhaus hinter verschlossenen Türen wenig zu sagen hatte.

Kann sein, dass die beiden Ausschüsse weitere Indizien finden. Letztlich aber hängt alles von der Untersuchung von Sonderermittler Robert Mueller in der Russland-Affäre ab. Sein Bericht, der demnächst vorliegen soll, wird mehr denn je über Donald Trumps Schicksal entscheiden.

Michael Cohens Auftritt war in erster Linie eine perfekte Show. Sie könnte den einen oder anderen Trump-Wähler ins Grübeln gebracht haben, was wohl eine Absicht der Demokraten war. Und sie erbrachte Einsichten in den unfassbaren Erfolg von Donald Trump: "In seiner Gegenwart fühlt man sich als Teil von etwas Größerem, als ob man die Welt verändern könne", sagte Cohen.

Das erklärt zumindest teilweise, warum ein notorischer Hochstapler und Lügner sich so lange als brillanter Geschäftsmann und Dealmaker verkaufen konnte. Und warum er heute dort ist, wo er nie hätte hingelangen dürfen.

Das könnte dich auch interessieren:

Helene Fischer mit Ex Florian Silbereisen auf Jacht gesichtet – seine ehrlichen Worte

Link zum Artikel

Dieter Bohlen über Helene Fischers Mega-Flop: "Das Problem erklär ich dir!"

Link zum Artikel

Heidi Klum postet haariges Bett-Video mit Tom – ihre Fans sind, äh, verstört

Link zum Artikel

Wir haben mit Hartz-IV-Empfängern kein Mitleid – das muss sich ändern

Link zum Artikel

Mats Hummels zum BVB: Cathy setzt Gerüchten um Umzug ein Ende

Link zum Artikel

Millionen sahen Hartz-IV-Empfänger bei "Armes Deutschland" – jetzt rechnet er mit RTL 2 ab

Link zum Artikel

Capital Bra will Helene Fischer nach Mega-Flop helfen: "Wir holen die da raus"

Link zum Artikel

"Wirklich verwirrend" – "Dark"-Star verrät, wie er am Set den Überblick behielt

Link zum Artikel

Mitten in der Grillsaison: Bei Edeka gibt es Ärger um Ketchup

Link zum Artikel

"In BVB-Bayern-Wendebettwäsche geschlafen"– die lustigsten Reaktionen zum Hummels-Wechsel

Link zum Artikel

Mit diesen 4 Tipps umgehst du die langsamste Kasse im Supermarkt

Link zum Artikel

Heidi Klum postet Oben-Ohne-Video – das sagt Lena Meyer-Landrut dazu

Link zum Artikel

Sommer bei H&M: Das sind die ekligsten Dinge, die mir als Verkäuferin passiert sind

Link zum Artikel

Das deutsche Badewasser ist hervorragend – nur nicht an diesen 6 Orten

Link zum Artikel

Mats Hummels für 38 Mio. zurück zum BVB: Warum ich als Fan sauer wäre

Link zum Artikel

9 Frauen aus den Anfängen des Rock'n'Roll, die die Musikwelt auf den Kopf stellten

Link zum Artikel

Ich wollte Eltern überzeugen, dass Impfen schlecht ist – und scheiterte glücklicherweise

Link zum Artikel

"Soll ich hier den Clown machen?": Kollegah rastet wegen Schweizer Festival aus

Link zum Artikel

Aldi schafft die Kasse ab: Discounter testet wegweisendes Konzept in China

Link zum Artikel

Diese Bilder von den Protesten in Hongkong geht gerade um die Welt

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Donald Trump besucht London – und beleidigt kurz vor der Landung Londons Bürgermeister

Meist sind Staatsbesuche würdevolle Akte. Selbst unter Regierungsschefs, die sich nicht besonders grün sind, wird dabei viel Wert auf die Etikette gelegt. Mit Donald Trump ist die Welt der internationalen Politik und Diplomatie jedoch eine andere: Kurz vor der Landung seines Flugzeugs in London Stanstead beleidigte der US-Präsident Londons Bürgermeister Sadiq Khan auf Twitter.

Khan und Trump mögen sich nicht. Das war auch vorher schon klar. Im Vorfeld des Staatsbesuchs kritisierte Khan den …

Artikel lesen
Link zum Artikel