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R. Kelly soll seinen Plattenvertrag verloren haben

RCA Records soll R. Kelly fallen gelassen haben, nach wochenlangen Protesten gegen den Sänger und einer Doku, die Kellys jahrzehntenlangen Missbrauch an Minderjährigen in den Fokus rückte. Mehrere Medien, darunter die New York Times und Variety, beziehen sich auf eine Quelle aus dem Umfeld des Labels, die in die Gespräche zwischen RCA und Kelly eingeweiht worden sein soll.

Demnach hätten die Plattenfirma und Kellys Rechtsanwälte bereits seit Monaten Gespräche über den Abgang des Sängers geführt, die losgingen noch bevor die Doku herauskam und bevor die Bewegung #MuteRKelly ("R. Kelly stumm schalten") Fahrt aufnahm.

FILE PHOTO: U.S. vocalist, songwriter and producer R. Kelly performs on the final day of the St Lucia Jazz and Arts Festival at Pigeon Island National Landmark, in St. Lucia, May 12, 2013.  REUTERS/Andrea De Silva/File Photo

R. Kelly Bild: reuters

Gegen den 52-Jährigen waren in den vergangenen Wochen alte Missbrauchsvorwürfe wieder laut geworden, angestoßen durch die Dokumentation "Surviving R. Kelly" beim TV-Sender Lifetime. 25 Jahre reichen die Anschuldigungen, Skandale und Gerichtsverfahren bereits zurück.

1994: Ehe mit der damals 15-jährigen Aaliyah

Sie begannen 1994 mit Kellys fragwürdiger Ehe mit der damals 15 Jahre alten Sängerin Aaliyah (die Ehe wurde annulliert). Ein Jahr später soll er eine Beziehung mit der damals 17 Jahre alten Lizzette Martinez begonnen haben. Kelly habe damals kontrolliert, wie sie sich kleidet, wie sie spricht und mit wem sie befreundet ist, sagte Martinez der Website "Buzzfeed" vergangenen Mai.

Ende der 1990er- und Anfang der 2000er-Jahre folgten der Website "Vox" zufolge mindestens vier Gerichtsverfahren wegen Sex mit verschiedenen jugendlichen Mädchen (sie wurden außergerichtlich beigelegt). Zudem tauchten zwei Videos auf, die Kelly beim Sex mit sehr jungen Frauen zeigen sollen. Aber in einem Prozess wegen Kinderpornografie wurde er 2008 für nicht schuldig befunden. Bei Verlesung des Urteils – ein Freispruch in 14 Anklagepunkten – brach Kelly in Tränen aus.

AALIYAH.Aaliyah Dana Haughton.signing copies of her new CD AALIYAH at FYE Rock Plaza in New York 2001.k22516ar. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAg49

Aaliyah starb 2001 bei einem Flugzeugabsturz.  Bild: imago stock&people

2017: Der mutmaßliche "Sex-Kult"

Fast ein Jahrzehnt blieb es ruhig um den Sänger aus Chicago. Er veröffentlichte Alben, trat bei Festivals auf. Aber dann katapultierte ihn ein "Buzzfeed"-Bericht über einen mutmaßlichen "Sex-Kult" im Sommer 2017 wieder in die Schlagzeilen: Er soll junge Frauen in mehreren Anwesen im Land festhalten, die ihn angeblich selbst für den Gang zur Toilette um Erlaubnis bitten müssen, und sie zum Sex zwingen. Zwei Frauen stützten später Details des Berichts. Kelly sprach von Verleumdung und kündigte rechtliche Schritte an.

Vergangenen November kam schließlich eine Klage von Kellys zweiter Ex-Frau Drea Kelly hinzu. Sie warf ihm vor, sie emotional, körperlich und sexuell missbraucht zu haben und beteuerte, in der Ehe um ihr Leben gefürchtet zu haben.

Und dennoch: Welche Folgen die Vorwürfe für Kelly haben, ist heute völlig offen.

Dutzende Demonstranten hatten deswegen am Sitz von Sony Music in New York ein Ende der Zusammenarbeit mit Kelly gefordert. Eine entsprechende Petition unterzeichneten 217.000 Menschen.

Demonstrators chant during an R. Kelly protest outside Sony headquarters, in New York, Wednesday, Jan. 16, 2019.  Kelly has been under fire since the recent airing of a Lifetime documentary

Demo gegen R. Kelly Bild: AP

Kelly hatte bei RCA seit 2012 vier Alben veröffentlicht, zuletzt das Weihnachts-Album "12 Nights of Christmas" im Herbst 2016. Nach Informationen von "Variety" müsste er dort laut seinem Vertrag eigentlich noch zwei Alben veröffentlichen.

Weder von RCA oder von Mutterfirma Sony Music noch von Kellys Vertretern gibt es derzeit Stellungnahmen. Eine öffentliche Ankündigung sei laut der Quelle zunächst nicht geplant gewesen. R. Kelly ist auf der RCA-Seite nicht mehr unter den Künstlern gelistet. Der Musiker hat bisher sämtliche Vorwürfe abgestritten und erklärt, Opfer einer Rufmord-Kampagne zu sein.

(mit dpa)

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