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Kim Jong-un hat kein Corona-Problem ... zumindest noch nicht. Bild: Getty/imago images / UPI Photo/watson / lukbar

Bringt das Coronavirus Kim Jong-un zu Fall?

Nordkorea ist eingeklemmt zwischen China und Südkorea, den Ländern mit der höchsten Ansteckungsrate. Ein Ausbruch von Covid-19 wäre für Nordkorea fatal.

Philipp Löpfe / watson.ch

Sue Mi Terry war unter George W. Bush und Barack Obama CIA-Spezialistin für Nordkorea. Sie gilt als eine der besten Kennerinnen des Regimes von Kim Jong-un. In der Online-Ausgabe von "Foreign Affairs", einem renommierten Magazin über Geopolitik, zeigt sie die Folgen auf, die ein Ausbruch von Covid-19 für das Steinzeit-Kommunismus-Land hätte.

Nordkorea hat drastische Maßnahmen gegen einen Ausbruch von Covid-19 ergriffen. Mit guten Gründen: Es grenzt an China und Südkorea, die Länder, die von dem Virus am stärksten betroffen sind. Und Nordkorea ist extrem schlecht auf einen Ausbruch einer Epidemie vorbereitet. Terry stellt fest:

"Mit einem maroden Gesundheitssystem, in das nicht investiert wird, ist Nordkorea wahrscheinlich das am stärksten verwundbare Land auf der Welt. Das weiß man auch in Pjöngjang. Deshalb sind die Grenzen hermetisch abgeschlossen, der Tourismus unterbunden, alle Ausländer in Quarantäne versetzt und viele öffentliche Plätze geschlossen worden."

Nordkoreas Wirtschaft ist zerbrechlich

Offiziell gibt es in Nordkorea noch keine Fälle von Covid-19. Südkoreanische und amerikanische Medien melden jedoch, dass es verschiedene Verdachtsfälle gibt. Sollte sich das Coronavirus wie in Südkorea rasch verbreiten, wären die Konsequenzen für die Bevölkerung gravierend. Nochmals Terry:

"Rund 43 Prozent der Bevölkerung, das sind elf Millionen Menschen, sind unterernährt und deshalb anfällig für eine Infektion. Nordkorea verfügt über keine Infrastruktur, um eine Pandemie zu bekämpfen. […] Die Hälfte der Spitäler hat zu wenig Wasser und kaum sanitäre Einrichtungen. Das Stromnetz ist ein Risikofaktor, Krankenhäuser haben nur unregelmäßig Strom. Und es ist unwahrscheinlich, dass der Staat in der Lage ist, Tests durchzuführen oder die Erkrankten adäquat zu behandeln."

Auch die zerbrechliche Wirtschaft Nordkoreas ist in Gefahr. Die von der Uno verhängten Sanktionen haben das Land fast vollständig vom Import von Ölprodukten ausgeschlossen. Das hat dazu geführt, dass die ohnehin schon schwache Volkswirtschaft jährlich weiter schrumpft.

FILE PHOTO: North Korean leader Kim Jong Un rides a horse during snowfall in Mount Paektu in this image released by North Korea's Korean Central News Agency (KCNA) on October 16, 2019. KCNA via REUTERS/File Photo    ATTENTION EDITORS - THIS IMAGE WAS PROVIDED BY A THIRD PARTY. REUTERS IS UNABLE TO INDEPENDENTLY VERIFY THIS IMAGE. NO THIRD PARTY SALES. SOUTH KOREA OUT.

Nordkoreanische Staatspropaganda: Kim Jong-un als Halbgott auf einem Schimmel. Bild: reuters / KCNA

Dass die Menschen nicht verhungern, ist hauptsächlich der Verdienst eines blühenden privaten Schwarzmarktes. Ein Ausbruch von Covid-19 würde jedoch genau diese Märkte am härtesten treffen. Zudem versucht das Regime seit Jahren, diese Märkte zu unterdrücken.

Kim Jong-un und der unsichtbare Gegner

"Es ist nicht möglich vorauszusagen, was eine Krise auslösen würde, aber die Konsequenzen könnten dramatisch sein", so Terry. Ausweitung der Cyberkriminalität, aber auch neue Friedensgespräche mit den USA sind mögliche Optionen. Im schlimmsten Fall auch eine Massenflucht von verzweifelten Menschen.

Die Kim-Dynastie ist für ihre Brutalität bekannt und wird alles unternehmen, um ihre Macht zu sichern. Eine kleine Elite von Militärs und Parteikadern wird sie dabei unterstützen und selbst vor schrecklichsten Maßnahmen nicht zurückschrecken.

Auf diese Weise hat Kim Jong-un bisher alle Angriffe überstanden.

Terry dazu:

"Aber mit dem Coronavirus steht er einem Gegner gegenüber, den man weder erschießen noch ins Gefängnis werfen kann."

Das Coronavirus stellt nicht nur die ärmsten, sondern die reichsten Länder zunehmend vor Probleme. Stark betroffen ist beispielsweise die amerikanische Stadt Seattle im Bundesstaat Washington.

Raymond Determann, a King County Metro equipment service worker, sprays a Virex solution to sanitize buses against the coronavirus in Seattle, Washington, U.S. March 5, 2020. REUTERS/Jason Redmond

Ein Arbeiter desinfiziert einen Bus in Seattle. Bild: reuters / JASON REDMOND

Seattle ist das Gegenteil von Pjöngjang. Es ist Standort von Microsoft und Amazon und verfügt über erstklassige Krankenhäuser, wie Fans der Endlos-Serie "Grey’s Anatomy" wissen. Trotzdem ist Seattle zu einem Brennpunkt der Epidemie geworden. Schulen werden geschlossen und Lebensmittelläden leer gekauft. Eine betroffene Lehrerin schildert in der "New York Times" die Stimmung wie folgt:

"Es ist demütigend, in dieser über-akademisierten Stadt so verunsichert zu sein. Dieses Zentrum von Technologie und medizinischer Forschung, wo normalerweise Zeit damit verbracht wird, Epidemien zu bekämpfen, und nicht sich ihnen unterzuordnen. Es ist demütigend, einem scheinbar nicht zu stoppenden Virus ausgeliefert zu sein, und das in einem wackligen und ungerechten Gesundheitssystem."

Ob Hamsterkäufe oder Verschwörungstheorien, das Coronavirus ist im Begriff, die Welt in ihren Grundlagen zu erschüttern. Sportveranstaltungen werden abgesagt, die Premiere des neuen James-Bond-Streifens verschoben, Historiker ziehen Vergleiche zur Pest und Philosophen spekulieren über ein neues Lebensgefühl.

Sehr hart trifft es die Wirtschaft. Regierungen ziehen hastig Ankurbelungs-Programme aus den Schubladen. Finanzmärkte taumeln. Doch die Aussichten bleiben düster: Die Renditen der zehnjährigen amerikanischen Staatsanleihen, der sogenannten Treasury Bonds, sind auf einen Rekordtiefstand gesunken – ein untrügliches Zeichen dafür, dass uns das Schlimmste noch bevorsteht.

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