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April 11, 2019 - London, London, UK - London, UK. Wikileaks founder Julian Assange arrives at Westminster Magistrates Court in a police escort to appear where he faces an extradition warrant. London UK PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAl94_ 20190411_zaf_l94_039 Copyright: xRobxPinneyx

Wikileaks-Gründer Julian Assange nach seiner Festnahme in London. Bild: imago

Julian Assange bereits verurteilt: Kämpfte er für die Freiheit oder für Russland?

Nach mehr als sechs Jahren und neun Monaten ist es aus: Die ecuadorianische Botschaft in London hat Julian Assange rausgeschmissen, die britische Polizei hat ihn festgenommen. Er könnte schon bald an die USA ausgeliefert werden. Eine neue Wendung im Aufstieg und Fall des Wikileaks-Gründers.

Ein Video seiner Festnahme zeigt Julian Assange deutlich gealtert, mit weißen Haaren und Vollbart. Mehrere Männer in Anzügen tragen ihn aus der Botschaft, verfrachten ihn in einen Polizeitransporter.

Assange lässt sich hängen, leistet passiven Widerstand und ruft: "UK must resist" – "Das Vereinigte Königreich muss Widerstand leisten".

Gedreht wurde das Video von der staatlichen russischen Nachrichtenagentur "Ruptly", sie ist das einzige Medium, dass während der Festnahme vor Ort ist. Dass ausgerechnet ein russischer Propagandakanal das Video zur Festnahme liefert, passt nur zu gut zur Geschichte Assanges.

foto IPP da video londra 11-04-2019 nella foto il momento in cui Julian Assange fondatore di Wikileaks viene portato fuori dall ambasciata dell Ecuador in stato di arresto PUBLICATIONxNOTxINxITAxFIN 0

Assange bei seiner Festnahme. Bild: imago

Einst wurde er als Kämpfer für die Informationsfreiheit gefeiert. Dann gerieten Assange und seine Plattform Wikileaks immer stärker in die Kritik. Wikileaks ging verantwortungslos mit Datensätzen um, Assange wurde ein autoritärer Führungsstil vorgeworfen, 2010 beschuldigten ihn zwei Frauen der Vergewaltigung und sexueller Gewalt.

(Wer die Vorgeschichte im Detail verfolgt hat, und sich nur für die weiteren Assange-Meldungen des heutigen Tages interessiert: Scroll down!)

Die Geschichte des Julian Assange

Wird der gebürtige Australier Assange nach seiner Kindheit gefragt, dann vergleicht er sich mit Mark Twains Kinderbuchhelden, dem abenteuerlustigen Tom Sawyer. Im Gegensatz zu ihm wuchs Assange allerdings nicht bei seiner Tante, sondern bei seiner Mutter auf, die unzählige Male mit ihrem Sohn umzog. Bis zu seinem 15. Lebensjahr hatte Assange in mehr als 30 australischen Orten gelebt.

Später studierte er in Melbourne Mathematik, Physik und Informatik. Mit Begabung und Fleiß wurde Assange zum erfolgreichen Hacker: Unter dem Pseudonym "Mendax" - dem lateinischen Wort für "lügnerisch" – hackt er die Internetseiten der Nasa und des Pentagons.

Wikileaks gründete Assange nach eigenem Bekunden, um "die Presse zu befreien" und Fälle von staatlichem Machtmissbrauch aufzudecken.

Bildnummer: 54950331  Datum: 24.02.2011  Copyright: imago/UPI Photo
Wikileaks founder Julian Assange speaks to the media after appearing at Belmarsh Magistrates court in Woolwich, London on February 24, 2011. Assange faces extradited to Sweden to face charges on grounds of sexual assault against two women. The judge decided that the European arrest warrant issued by Sweden is valid and didn t breach Mr Assange s human rights. Assange will appeal the ruling in the next seven days. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY People Politik Kultur Gericht Ausliferung Auslieferungsbegehren premiumd kbdig xmk xo0x 2011 quer 

Bildnummer 54950331 Date 24 02 2011 Copyright Imago UPi Photo wikileaks Founder Julian Assange Speaks to The Media After APPEARING AT Belmarsh Magistrates Court in Woolwich London ON February 24 2011 Assange Faces Extradited to Sweden to Face charges ON grounds of sexual Assault against Two Women The Judge decided Thatcher The European Arrest Warrant issued by Sweden IS Valid and  T Breach Mr Assange S Human Rights Assange will Appeal The ruling in The Next Seven Days PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY Celebrities politics Culture Court   premiumd Kbdig xmk xo0x 2011 horizontal

Assange 2011 bei einer Pressekonferenz in London. Bild: imago

2010

Zum gefeierten Helden für viele und zum Staatsfeind für die USA wurde er durch die Wikileaks-Veröffentlichung von 470.000 als geheim eingestuften Dokumenten, die mit diplomatischen Aktivitäten der USA und mit den Kriegen in Afghanistan und im Irak zu tun haben. Weitere 250.000 Dokumente kommen später hinzu. Zunächst wurden Teile der Dokumente von internationalen Medien veröffentlicht – nach sorgfältiger Prüfung und mit geschwärzten Namen, um niemanden in Gefahr zu bringen. Später veröffentlichte Wikileaks den gesamten Datensatz ungeschwärzt.

Im November 2010 bewirkt die schwedische Staatsanwaltschaft einen internationalen Haftbefehl gegen Assange. Ihm werden Vergewaltigung und sexuelle Gewalt gegen zwei Frauen vorgeworfen. Assange weist die Anschuldigung zurück und stellt sich kurz darauf der Polizei in London. Bis zur Entscheidung über einen Auslieferungsantrag Schwedens kommt er gegen Kaution auf freien Fuß.

2011

Im Februar gab ein britisches Gesicht dem schwedischen Auslieferungsantrag statt. Assange äußerte sich besorgt: Er fürchtete, dass Schweden ihn an die USA ausliefern könnte, wo ihm wegen der geleakten Dokumente ein Prozess droht.

2012

Julian Assange floh im Juni in die Botschaft Ecuadors in London und beantragte erfolgreich politisches Asyl. Ecuador bat die britische Regierung vergeblich um die Erlaubnis, Assange nach Quito auszufliegen.

2016

Schwedische Ermittler scheiterten mit ihrem Anliegen, Assange in der Londoner Botschaft zu vernehmen. Eine UN-Arbeitsgruppe kam zu dem Schluss, dass Assange im Botschaftsgebäude "willkürlich inhaftiert" sei und dafür von Großbritannien und Schweden entschädigt werden müsse. Beide Länder wiesen die nicht bindende Entscheidung zurück.

Vor der US-Präsidentschaftswahl veröffentlichte Wikileaks rund 20.000 E-Mails aus dem Parteiapparat der Demokraten. Sie stammen aus dem Wahlkampfteam der Kandidatin und früheren Außenministerin Hillary Clinton. Das wurde als gezieltes Störfeuer gegen die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton gewertet. Die Server der Demokraten waren nach Erkenntnissen von IT-Sicherheitsexperten von russischen Hackern geknackt worden.

Material der Republikaner wurde nicht veröffentlicht. Der Hack und die anschließende Veröffentlichung durch Wikileaks wurden als Teil der Wahlbeeinflussungsversuche durch den russischen Staat eingestuft.

2017

Nach der Begnadigung von Chelsea Manning, einer Hauptquelle von Wikileaks, erklärte die Organisation, Assange könne sich Ermittlungen in den USA stellen, wenn seine Rechte garantiert würden. Unterdessen stellte die Staatsanwaltschaft in Schweden die Ermittlungen gegen Assange ein.

FILE PHOTO: WikiLeaks founder Julian Assange is seen on the balcony of the Ecuadorian Embassy in London, Britain, May 19, 2017. REUTERS/Peter Nicholls/File Photo

Julian Assange 2017 auf dem Balkon der ecuadorianischen Botschaft. Bild: reuters

2018

Ecuador erklärte, es sei auf der Suche nach einem Vermittler, um Assanges "unhaltbare" Situation zu beenden. Ein Antrag, den Haftbefehl aus gesundheitlichen Gründen zurückzuziehen, scheiterte. Im März kappte das Botschaftspersonal dann Assanges Kommunikationszugänge, weil er sich in die Angelegenheiten anderer Länder eingemischt habe.

Im Oktober erlegte Ecuador Assange neue Verhaltensregeln auf und warnte, eine Verletzung der Vorgaben könne zum Entzug des Asyls führen. Unterdessen tauchte in den USA ein Dokument auf, wonach gegen Assange offenbar heimlich Anklage erhoben wurde.

2019

Ecuadors Präsident Lenin Moreno erklärte, Assange habe die Auflagen für sein Botschaftsasyl "wiederholt verletzt". Am 25. April solle ein unabhängiger Menschenrechtsexperte Assange besuchen und eine Einschätzung abgeben, ob die ihm vorgeworfenen Verstöße eine Untersuchung notwendig machen.

Doch dazu kommt es nicht: Am 11. April nahm die britische Polizei Assange fest, nachdem ihm das Asyl entzogen wurde.

April 11, 2019 - London, London, UK - London, UK. General view of police outside the Ecuador Embassy. This morning Wikileaks founder Julian Assange was arrested by police and taken to a central London police station after living in the Ecuador Embassy in London since 2012. London UK PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAl94_ 20190411_zaf_l94_022 Copyright: xTomxNicholsonx

Ein Polizeitransporter vor der ecuadorianischen Botschaft in London am 11. April. Bild: imago

Nach der Festnahme überschlugen sich die Meldungen nun:

(fh/dpa/afp)

Deshalb sind in London aufgeblasene Brüste auf Dächern

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