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Vergewaltigungen, Kannibalismus, Massenmorde – Dieser UN-Bericht aus dem Kongo schockiert

Corsin Manser / watson.ch

Kasai ist eine Provinz im Süden der Demokratischen Republik Kongo, etwa 3,5 Millionen Menschen leben dort. Und diese machen momentan äußerst schwierige Zeiten durch.

Seit 2016 schwelt in Kasai ein Konflikt zwischen den Kamuina-Nsapu-Rebellen, der regierungsnahen Bana-Mura-Milz und der kongolesischen Armee FARDC. Das Resultat der gewalttätigen Auseinandersetzungen: Mindestens 5000 Tote, 1,4 Millionen Flüchtlinge und 400.000 Kinder, die vom Hungertod bedroht sind.

Nun veröffentlichte die UNO einen 126-seitigen Bericht, der die Kriegsgräuel der Region dokumentiert. Die Experten, welche die Lage vor Ort ein Jahr lang untersuchten, erheben schwerste Vorwürfe an alle Konfliktparteien.

Das steht im Bericht:

Regierungstruppen sollen systematisch Dörfer niedergebrannt haben. Eine 80-Jährige verbrannte, eingesperrt in ihrem Haus, bei lebendigem Leib.

Im Juni 2017 sollen sich zehn Mitglieder der Armee FARDC im Hauptort Tshikapa mitten in der Nacht Zutritt zu einem Haus verschafft haben. Dort schnitten sie mit Macheten Hände und Füße eines Mannes ab, bevor sie ihn köpften. Danach enthaupteten sie einen weiteren Mann, schnitten eine Frau auf, die im siebten Monat schwanger war und vergewaltigten eine weitere Frau im Hinterhof. 

Dies ist nur eines von vielen ähnlichen Verbrechen, die der kongolesischen Armee angelastet wird.

An Grausamkeit nicht zu überbieten, sind auch die Kriegsgräuel der Rebellengruppe Kamuina Nsapu. In der Stadt Luebo zwangen sie einen Jungen dazu, in der Öffentlichkeit seine Schwiegermutter zu vergewaltigen, bevor sie ihn enthaupteten. 

In dem Bericht heißt es:

"Andere Zeugen beobachteten Leute dabei, wie sie Fleisch von noch lebenden oder toten Menschen, insbesondere FARDC-Soldaten, abgeschnitten, gekocht und gegessen sowie ihr Blut getrunken haben."

In einem Dorf sollen zwei Kindersoldaten im Alter von 12 und 14 Jahren einer schwangeren Frau den Fötus herausgeschnitten haben. Den Kindern wurde erzählt, sie erhielten dadurch Superkräfte. 

Es wird von mehreren Vorfällen berichtet, bei denen die Angreifer die Genitalien ihrer Opfer abschnitten und warteten, bis diese verbluteten. Teilweise sollen diese auch gekocht und gegessen worden sein.

Die Opfer behalten schlimme Narben:

In this Tuesday, Aug. 29, 2017 photo made available by UNICEF, a boy displays a scar from a wound he obtained during his time in the militia, in Mbuji Mayi, Kasai province, Democratic Republic of the Congo. Congo?s Kasai region is the latest deadly hotspot in the vast Central African country that has seen violent rebellions for decades. Once again, children are among the most vulnerable victims.  (Patrick Rose/UNICEF via AP) |

Bild: UNICEF/AP Photo

Im Bericht heißt es weiter:

"Ein Opfer erzählte uns, dass sie im Mai 2017 eine Gruppe von Kamuina-Nsapu-Milizen sah, von denen einige weibliche Genitalien (Klitoris und Vagina) als Medaillen trugen."

Bisher wurden rund 90 Massengräber entdeckt. In einem Dorf alleine sollen die Rebellen 186 Enthauptungen aufs Mal durchgeführt haben. Nun vermuten die Ermittler aber, dass es mehrere hundert Gräber geben soll. Im Bericht sind wohl nur ein Bruchteil der Verbrechen dokumentiert, die seit 2016 begangen worden sind.

Kabila weigert sich, abzutreten

Die Situation in der Kasai-Region eskalierte im August 2016, als Chief Kamuina Nsapu gegen Präsident Joseph Kabila mobil machte und kurz darauf von der Polizei getötet wurde. Kabila ist seit 2006 Präsident der Demokratischen Republik Kongo, er übernahm das Amt zehn Tage nach der Ermordung seines Vaters. 

Gemäß Verfassung hätte Kabila im Dezember 2016 eigentlich abtreten müssen, doch der kongolesische Machthaber weigert sich. Kritiker vermuten, dass Kabila eine Verfassungsänderung anstrebt, die ihm den Verbleib an der Staatsspitze ermöglichen würde. 

FILE PHOTO: Democratic Republic of Congo's President Joseph Kabila addresses a news conference at the State House in Kinshasa, Democratic Republic of Congo January 26, 2018. REUTERS/Kenny Katombe/File Photo

Klammert sich an die Macht: Joseph Kabila. bild: reuters

Die Vorwürfe im UNO-Bericht weist Kabilas Regierung zurück. "Wir haben davon keine Kenntnis, das ist sehr sonderbar", sagte ein Sprecher. Die Veröffentlichung des Berichts sei eine "politisch motivierte Pressekampagne".

Die Angst vor einem Genozid

Derweil wächst die Angst, dass sich die Situation in der Kasai-Region weiter zuspitzen könnte. Nils Melzer, Experte für Folter bei der UNO, befürchtet, dass dies erst der Anfang gewesen sei. Gegenüber Reuters sagt Melzer, die Situation in Kasai erinnere ihn an Ruanda und Bosnien in den 1990er-Jahren. 

"Heute ist Kasai eine Hölle, die gerade dabei ist, auszubrechen."

Die UNO-Experten hätten die Beweise geliefert, so Melzer weiter, nun sei es an den weltweiten Regierungen, zu handeln, "den nächsten Genozid, den nächsten Exodus von Millionen von Menschen in alle Ecken der Welt und die nächste unverzeihliche Tragödie in der Geschichte der Menschheit zu verhindern." 

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