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Screenshot zdf

Dunja Hayali drängt China-Botschafter in die Ecke – das Interview wird bizarr

Die chinesische Sonderverwaltungszone Hongkong kommt nicht zur Ruhe. Nachdem Demonstranten in der ersten Wochenhälfte den Flughafen der Millionenstadt lahmgelegt hatten, lässt das Riesenreich nun seine gepanzerten Muskeln spielen, verlegte Panzerfahrzeuge in die angrenzende Stadt Shenzhen und ließ tausende Militärpolizisten eine Übung abhalten. Das Signal ist unmissverständlich, auch, weil die chinesischen Staatsmedien über die Vorgänge berichten: "Wir sehen uns das nicht mehr lange an."

In Deutschland war am Donnerstagmorgen in der Sache der chinesische Botschafter der Volksrepublik, Ken Wu, im ZDF-Morgenmagazin zu Gast und sollte Dunja Hayali Rede und Antwort stehen. Nur so viel: Obwohl Hayali alles dafür tat, funktionierte das nicht wirklich. Stattdessen wurde das Interview an einigen Stellen ziemlich bizarr.

Und Wu zeigte in sechs Schritten, wie man als chinesischer Botschafter unangenehme Fragen meistert.

Ablenken

Hayali ging gleich zu Beginn des etwa acht Minuten langen Interviews in die Vollen. "An der Grenze zu Hongkong sehen wir Militärfahrzeuge und militärische Übungen. Erklären sie uns das!", forderte die Journalistin ihren Gast auf.

Der dachte erstmal nicht daran, auf die ihm gestellte Frage einzugehen. Stattdessen erklärte der Botschafter "die Ursache der Protestbewegung". Zumindest seine Interpretation davon: Weil die Hongkonger Regierung den Forderungen der Demonstranten nach einer Suspendierung des verschärften Auslieferungsgesetzes nachgekommen sei, fühlten sich die Protestierenden nun zu noch radikaleren Forderungen und Handlungen ermutigt.

So tun, als wisse man nichts

Hayali hakte umgehend nach und forderte nochmal eine Erklärung für die Vorgänge in der Grenzstadt Shenzhen. Weil die sich nicht leugnen lassen – schließlich berichtet ja selbst die staatlich gelenkte chinesische Presse davon – übte sich Botschafter Wu darin, Ahnungslosigkeit vorzutäuschen.

"Über die Truppenbewegungen, die Sie angesprochen haben, bin ich wirklich nicht im Bilde", sagte der Diplomat und erklärte, dass die Volksbefreiungsarmee seit Jahren in Hongkong stationiert sei. Die Truppenbewegungen seien "absolut normal".

Davon ließ sich die ZDF-Journalistin nicht beirren und fragte, ob das denn nun ein Zufall sei, dass Chinas Militär die Niederschlagung eines Aufstands probt, während Hongkonger Bürger den Aufstand proben? "Ich weiß nicht, woher diese Bilder kommen", antwortete Wu und gab zu verstehen, dass er solche Fragen nicht beantworten möchte.

Hier gibt's das ganze Interview in voller Länge:

So tun, als sei alles normal

Hayalis anschließender Versuch, den Botschafter mit dem Hinweis aus der Reserve zu locken, die Aufnahmen aus Shenzhen seien auch in chinesischen Medien zu sehen und nicht etwa von Geheimdiensten aufgenommen worden, blieb erfolglos – der Botschafter wiederholte einfach seine Antwort von kurz zuvor: "Das ist ganz normal, dass sich unser Militär und unsere Polizei in unserem Land bewegt", mauerte Wu.

So tun, als habe der Fragende nichts verstanden

Die Journalistin wechselte daraufhin ihre Taktik, und fragte, ob die Unabhängigkeit Hongkongs nur noch eine Farce sei. Wu warf einen kurzen Blick in seine Notizen und gab als Antwort zu verstehen, dass Hongkong ja eigentlich viel mehr demokratische Rechte genieße als unter der 1997 zu Ende gegangenen Kolonialherrschaft. Unter der habe es weder Wahl-, noch Versammlungs- oder Meinungsfreiheit gegeben, zählte der Botschafter auf. "Wir sehen eine positive Entwicklung in den letzten 22 Jahren."

Nochmal ablenken

Ob die Niederschlagung friedlicher Proteste denn dem chinesischen Verständnis von Demokratie und Meinungsfreiheit entspreche, wollte Hayali daraufhin berechtigterweise wissen. Und weil sie geahnt haben dürfte, dass Wu lieber wieder über die gewalttätigen Demonstranten sprechen will, schob sie noch hinterher, diese hätten sich ja bereits entschuldigt.

Es half nichts. Botschafter Wu sprach trotz allem die Erstürmung des Hongkonger Parlaments an. Als Hayali darauf hinwies, dass doch auch friedliche Demonstranten von Schlägertrupps niedergeknüppelt würden, blitzte in Wus Antwort kurz auf, was vermutlich der tatsächlichen Haltung Chinas in der Hongkong-Frage entsprechen dürfte: "Gerade aus diesem Grund müssen wir die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die öffentliche Ordnung wieder herzustellen und die Gewalt zu stoppen."

Nochmal so tun, als wisse man nichts

Für ihren letzten Versuch, den Botschafter eine zufriedenstellende Antwort zu entlocken, holte sich Hayali dann Schützenhilfe von US-Präsident Trump. Der hatte in einem Tweet die chinesische Zentralregierung aufgefordert, „menschlich mit Hongkong umzugehen“. Wus charmant gelächelte Antwort: „Herr Präsident Trump twittert jeden Tag viel, da habe ich überhaupt nicht Zeit, jeden Tweet zu beantworten.“

Spätestens an dieser Stelle dürfte Hayali eingesehen haben, dass sie mit dem Botschafter eigentlich ihre Zeit verschwendet, ging aber trotzdem noch auf einen weiteren Trump-Tweet von Donnerstagnacht ein, in dem der US-Präsident ein persönliches Treffen mit Staatspräsident Xi Xingping vorschlug. Ob sich China davon beeindrucken lasse? „Ich weiß nicht, ob unser Präsident Xi diesmal die Zeit hat für eine Begegnung“, lautete die Antwort.

Eine bessere Zusammenfassung des Interviews hätten auch wir nicht schreiben können:

(pcl)

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