International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Hinter den Kulissen kapert ein rechtes News-Netzwerk das Fernsehen in den USA

Die wenigsten wissen überhaupt von der Existenz des TV-Netzwerks: Sinclair Broadcast Group (SBG). Dabei ist die Sinclair-Gruppe der größte Inhaber lokaler TV-Sender in den USA. Die SBG kämpft nach eigener Aussage gegen "Fake News" – doch in den vergangenen Monaten wurde deutlich, dass hinter dem Konglomerat ein Netzwerk steckt, das konservative und rechte Inhalte in US-Haushalte spült.

Wir erklären, wie es funktioniert.

Was ist Sinclair?

Sinclair ist ein News-Netzwerk, das 173 TV-Stationen in den USA betreibt. Damit erreicht die Gruppe mehr als ein Drittel aller Haushalte.

Das Hauptquartier des Unternehmens

HUNT VALLEY, MD - APRIL 03:  The headquarters of the Sinclair Broadcast Group is shown April 3, 2018 in Hunt Valley, Maryland. The company, the largest owner of local television stations in the United States, has drawn attention recently for repeating claims by U.S President Donald Trump that traditional television and print publications offer

Bild: Getty Images North America

Derzeit plant SGB, ein weiteres TV-Netzwerk namens Tribune Media zu kaufen. Sollten die US-Behörden diesen Kauf abnicken, könnte Sinclair die Anzahl seiner TV-Sender auf mehr als 200 erhöhen. Und damit sogar gut 70 Prozent aller amerikanischen Haushalte erreichen.

Warum ist das gerade wichtig?

Dass SBG hinter so vielen TV-Stationen steckt, weiß auch in den USA kaum jemand. Das Netzwerk betreibt hauptsächlich lokale Nachrichtensender und tritt deshalb auf der nationalen Bühne weniger prominent in Erscheinung wie die bekannteren Sender CNN oder NBC.

Aber derzeit kursiert ein Video, das die Sinclair Group plötzlich landesweit bekannt macht.

Die zur Sinclair Group gehörenden Sender hatten im vergangenen Monat angefangen, kurze Beiträge zu senden, in denen die Moderatoren vor "Fake News" warnen. Dabei hieß es:

"Teile der Medien nutzen ihre Plattformen, um persönliche Vorurteile und ihre Agenda zu verbreiten und Leuten vorzuschreiben, was sie zu denken haben."

Hier ist das Video:

abspielen

Video: YouTube/Deadspin

Journalisten von "Deadspin" hatten diese Promo-Beiträge zusammengeschnitten und daraus ein Video gemacht, das insgesamt mehr als drei Millionen Menschen anklickten. In dem Video sieht man, dass die Warnung vor "Fake News" überall exakt den gleichen Wortlaut hatte.

Ein Hinweis darauf, dass es die Sinclair Group selber mit unabhängigem Journalismus nicht sonderlich ernst nimmt, wie viele Beobachter der Medienlandschaft befürchten. (vox.com)

Jane Hall, eine Professorin für Journalismus an der American University, vermutet im Gespräch mit "npr.org", dass es sich sich bei diesen Beiträgen um offenkundige Unterstützung für Trump handelt:

"Es ist offensichtlich, denn es  zwingt Moderatoren dazu, ein Stück Unternehmens-Propaganda vorzulesen."

Bei diesen Ausschnitten handele es sich um die gleiche Rhetorik, mit der Trump schon seit längerem Stimmung gegen unabhängige Medien macht, schreibt vox.com.

"Diese Ausschnitte, welche die negative Haltung gegenüber den Medien auf Seiten der Trump Regierung wiederspiegelt, ähneln sich auf unheimliche Weise bei allen Sinclair-Partnern."

Dylan Matthews für vox.com

Wie positioniert sich Trump selbst?

Viele Medien in den USA vermuten, dass die Verbindung zwischen Trump und SBG enger ist, als es einem unabhängigem News-Konglomerat eigentlich zusteht. So berichtete die "New York Times", dass die Republikaner von
Wahlkampfspenden der Eigentümer-Familie profitiert hätten.

Mehrere zehntausend Dollar sollen an die Partei geflossen sein.

CORAOPOLIS, PA - JANUARY 18: President Donald Trump speaks to supporters at a rally at H&K Equipment, a rental and sales company for specialized material handling solutions on January 18, 2018 in Coraopolis, Pennsylvania. Trump visited the facility for a factory tour and to offer remarks to supporters and employees following the administration's new tax plan. (Photo by Jeff Swensen/Getty Images)

Bild: Getty Images

Im Nachgang der Wahl meldete “Politico”, dass Trumps Schwiegersohn Jared Kushner sogar von einer Vereinbarung zwischen Sinclair und Trump gesprochen hatte: Trump würde  Sinclair-Journalisten Zugang gewähren, solange Interviews mit ihm ohne Kommentar gesendet würden.

Während des Präsidentschaftswahlkampfs 2016 hatten Stationen von SBG insgesamt 15 "exklusive" Interviews mit Trump gesendet, aber kein einziges Interview mit Hillary Clinton, wie die "Washington Post" berichtet.

Aber die Verbindungen zwischen SGB und Trump sollen noch weiter gehen. Ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter von Trump, Boris Epshteyn, ist mittlerweile politischer Analyst des Netzwerks und kommentiert ganz im Sinne seines Ex-Chefs. Das US-Magazin "Politico" schreibt über ihn:

"Epshteyn ahmt ganz verlässlich die Meinungen des Weißen Hauses nach."

Epshteyn produziert wöchentlich neun sehr konservative Beiträge. Alle sind im Rahmen des Netzwerks als "must run" (in etwa: "muss gezeigt werden") klassifiziert. Das heißt: Alle zu Sinclair gehörenden Sender müssen die Beiträge senden.

Trump unterstützt SBG außerdem regelmäßig öffentlich:

"Die Fake News Networks, die bekanntermaßen eine schlimme und befangene Agenda haben, haben nur Angst vor der Qualität und der Konkurrenz von Sinclair."

Warum empört das viele Amerikaner?

Weil Sinclair in ihren Augen rechte Propaganda macht. Und damit durchaus erfolgreich ist. Sollte sich das Netzwerk noch um die Stationen von Tribune Media erweitern können, wie es durch eine Lockerung der Regeln der föderalen Kommunikationsagentur mittlerweile möglich ist, werden noch mehr Haushalte Inhalte von SBG empfangen können.

woman looking the tv at home

Bild: E+

Lokales TV hat einen Vertrauensbonus

Lokale Fernsehsender genießen in den USA ein hohes Ansehen. Nach einer Umfrage des PEW Research Center vertrauen 85 Prozent der Amerikaner lokalen Nachrichtenorganisationen – mehr als Familie und Freunden vertrauen. (Washington Post)

Lokale TV-Stationen sind für die politische Information und Meinungsbildung in den USA sehr wichtig, wie eine Umfrage des PEW Research Center zeigt:

Der Vorwurf: Rechte Propaganda.

Michael Copps ist ehemaliger Vorsitzender der föderalen Kommunikationsagentur (FCC). Die FCC ist eine unabhängige Behörde der US-Regierung, die für die Reglementierung von Radio und Fernsehen zuständig ist.

Copps arbeitete zehn Jahre für die FCC. Er kennt sich also aus, mit der Fernsehlandschaft in den USA. Gegenüber dem britischen "Guardian" nennt er die SGB: 

"Das wahrscheinlich gefährlichste unbekannte Unternehmen."

Viele Beobachter befürchten, dass die Trump-Regierung SGB nach Kräften unterstützt. 

Seit Trumps Amtsantritt habe die FCC die Hürden für SBGs Einkaufspläne gesenkt, schreibt die "New York Times". 

Warum das gefährlich ist:

SBG könnte so bald eine Mehrheit der Amerikaner erreichen. Und zwar ohne, dass die Zuschauer wüssten, um welche Art von Unternehmen es sich handelt. Dass ein einheitlicher Sender hinter all dem steckt, fällt kaum auf.

Der Präsident unterstützt Sinclair hingegen weiter (siehe Punkt 3).

"Sinclair ist viel besser als CNN und Fake NBC" 

Mit solchen Aussagen heizt der Präsident die Sorge um "Fake News" weiter an. In den USA wird ohnehin seit Trumps Wahlkampf verstärkt über die Rolle der Medien diskutiert.

Das hat verschiedene Gründe: 

Die Sorge vieler Beobachter besteht also darin, dass ein mögliches Wachstum der Sinclair-Gruppe das Misstrauen gegenüber unabhängigen Medien in den USA noch stärken könnte. Den USA droht eine noch verunsicherte Bevölkerung in einem ohnehin schon  von Ängsten geprägten politischen Land.

  

Zum Abschluss vielleicht noch etwas Lustiges zum Thema Trump:

Das könnte dich auch interessieren:

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Der HSV wirbt mit seinen Fans – nur sind's keine Hamburger. Sondern Magdeburger!

Link zum Artikel

Die coolste Socke gehört auf den "GoT"-Thron! #TeamTyrion

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel

Nach dem sinnlosen Tod von Hund Sam warnt sie vor diesem Spielzeug

Link zum Artikel

Pete wer??? Die neue Demokraten-Hoffnung ist jung, schwul und will Donald Trump besiegen

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

Weil Erdogan kam, drang die Polizei in das Büro dieses Abgeordneten ein – jetzt klagt er

Link zum Artikel

"Junge Mädchen werden hier kaputtgefickt" – Ex-Prostituierte will Sexkaufverbot erreichen

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

9 Eltern, die ihren Sinn für Humor hoffentlich weitervererben

Link zum Artikel

Findest du heraus, welche dieser traurigen Tier-Fakten stimmen?

Link zum Artikel

Wurden sie über Bord geworfen? Tote Kühe am Strand von Teneriffa angespült

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

Frauenarzt?! Was im Rammstein-Video zu "Deutschland" keinem auffiel

Link zum Artikel

"Finde das furchtbar!" Hamburg kämpft gegen Helikoptereltern – diese 3 Mütter machen mit

Link zum Artikel

Diese Iranerin zog ihr Kopftuch aus und muss jetzt ein Jahr ins Gefängnis

Link zum Artikel

So instrumentalisieren rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke

Link zum Artikel

Erstes Foto von einem Schwarzen Loch – und das Internet so 🤷‍♀️

Link zum Artikel

Vorhaut-Cremes und Unten-ohne-Sonnenbäder: Die absurdesten Promi-Beauty-Tipps

Link zum Artikel

Hartz-IV-Sanktionen in der Schulzeit: "Ich lebte von 30 Euro im Monat"

Link zum Artikel

Bei der Hillsborough-Tragödie sterben 96 Fans – und werden dafür beschuldigt

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 7 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

"Wir sind nicht bei der WM!" Club aus Brandenburg hat 5 Regeln für Helikopter-Eltern

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Homosexuellen in Brunei droht seit heute die Todesstrafe – und das ist noch nicht alles

Trotz internationaler Kritik sind seit diesem Mittwoch im Sultanat Brunei härtere Strafgesetze in Kraft.

In dem Sultanat auf der Insel Borneo sind zwei Drittel der mehr als 420.000 Einwohner muslimischen Glaubens. Seit einiger Zeit sind dort konservative islamische Kräfte auf dem Vormarsch.

Der autoritär regierende Sultan Hassanal Bolkiah - mit einem Vermögen von vielen Milliarden Euro einer der reichsten Monarchen der Welt - hatte 2014 damit begonnen, die Scharia einzuführen.

Artikel lesen
Link zum Artikel