International

Türkei schmeißt Israel-Botschafter aus dem Land – Erdogan spricht von "Genozid"

Nach den tödlichen Konfrontationen von Palästinensern und israelischen Soldaten an der Gaza-Grenze haben am Dienstag Tausende Menschen im Gazastreifen Abschied von ihren Toten genommen. Gleichzeitig übt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan heftige Kritik an Israel. Das ist die Situation am Dienstag.

Beerdigungen und kleinere Proteste im Gaza-Streifen:

"Diese Juden (Israelis) sind Kriminelle", sagte Faddel Scheich Chalil der Deutschen Presse-Agentur. Seine Tochter Wissal war bei den Protesten getötet worden. "Die haben meine 15-jährige Tochter erschossen, die ihnen nichts getan hat." Scharfschützen hätten das Mädchen unter Feuer genommen. Sie sei nur zu den Zeltlagern an der Grenze gegangen. "Und während sie zugeschaut hat, wurde sie getötet."

A wounded Palestinian demonstrator is evacuated during a protest marking the 70th anniversary of Nakba, at the Israel-Gaza border in the southern Gaza Strip May 15, 2018. REUTERS/Ibraheem Abu Mustafa

Demonstranten tragen am Montag im Gazastreifen einen Verletzten weg. Bild: X01833

Bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen am Grenzzaun zu Gaza hatten israelische Soldaten am Vortag nach palästinensischen Angaben 60 Menschen getötet. Mehr als 2700 seien verletzt worden, teilte das Gesundheitsministerium in Gaza weiter mit.

Die Proteste im Gazastreifen richteten sich gegen die Eröffnung der US-Botschaft am Montag in Jerusalem sowie eine mehr als zehnjährige Blockade des Küstenstreifens durch Israel und Ägypten. Die Palästinenser erinnern zudem an die Flucht und die Vertreibung Hunderttausender im Zuge der israelischen Staatsgründung vor 70 Jahren.

Mindestens zehn der Getöten sollen Hamas-Mitglieder sein

Israel wirft der im Gazastreifen herrschenden Hamas vor, Zivilisten im Konflikt auf zynische Weise als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen. Die Armee hat immer wieder betont, dass viele der Toten militante Palästinenser waren. Nach Angaben des palästinensischen Innenministeriums in Gaza waren zehn der 60 Toten Hamas-Mitglieder.

Nach Angaben von Augenzeugen waren die Särge von rund 25 der am Montag getöteten Palästinenser in die Fahnen der radikalislamischen Hamas gewickelt. Dies heißt allerdings zunächst nur, dass die Hamas für die Kosten der Beerdigung aufgekommen ist.

Israeli soldiers, on the Israeli side of the border with the Gaza Strip, Israel, watch Palestinian protesters in Gaza May 14, 2018.  REUTERS/Amir Cohen

Israelische Soldaten (Vordergrund) und palästinensische Demonstranten (Hintergrund) an der Grenze zwischen Gaza und Israel. Bild: AMIR COHEN/Reuters

Erdogan übt schwere Kritik an Israel

Der türkische Präsident hatte die Proteste am Gaza-Grenzzaun, bei denen israelische Soldaten am Vortag nach palästinensischen Angaben 60 Menschen töteten und mehr als 2700 verletzten, als "Genozid" bezeichnet. "Das was Israel macht, ist ein Genozid. Egal von welcher Seite er kommt, von Amerika oder von Israel, ich verfluche dieses humanitäre Drama, diesen Genozid", sagte Erdogan nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu am Montagabend.

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies diese Kritik entschieden zurück. "Erdogan ist einer der größten Unterstützer der Hamas, daher gibt es keinen Zweifel, dass er sich gut auskennt mit Terror und Massakern", sagte Netanjahu am Dienstag. "Ich rate ihm, uns keine Moral zu predigen."

Israelischer Botschafter muss Türkei verlassen

Am Dienstag dann spitzte sich der diplomatische Streit zwischen Israel und der Türkei zu.

Die türkische Regierung hat den israelischen Botschafter Eitan Naeh türkischen Medienberichten zufolge zur Ausreise aufgefordert. Das Außenministerium habe dem Diplomaten übermittelt, dass es "angemessen ist, wenn er für einige Zeit in sein Land zurückkehrt", meldeten die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu und weitere Medien am Dienstag. Damit scheint es sich nicht um eine förmliche Ausweisung zu handeln. Der Botschafter war wegen der Zusammenstöße mit Dutzenden getöteten Palästinensern ins Außenministerium in Ankara einbestellt worden.

(ts/fh/dpa)

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