International
Bild

Bild: Screenshot

Studie deckt auf, wie massiv der Trumps Haussender Fox News Unwahrheiten verbreitet

Der US-Sender Fox News gilt als Propagandakanal von Donald Trump. Eine Studie von Media Matters zeigt, dass auch in den angeblich objektiven News-Sendungen allerlei Unwahrheiten verbreitet werden.

Peter Blunschi / Watson.ch

Als der Fox News Channel 1996 auf Sendung ging, warb er mit dem Slogan "Fair and Balanced" (gerecht und ausgewogen). Man wolle sich von den linkslastigen US-Medien abheben, hieß es. In Wirklichkeit war Fox News von Anfang an ein Sprachrohr der Rechten. Moderatoren wie Sean Hannity und Tucker Carlson zeigen offen ihre Bewunderung für Donald Trump.

Daneben versteht sich Fox aber weiterhin als Nachrichtensender. Die News-Abteilung arbeite unabhängig von den Meinungsmachern und verbreite objektive Informationen, behaupten die Verantwortlichen. Genau dies bestreitet Media Matters for America. Die linke Organisation versteht sich als "Wachhund", der rechte "Desinformation" entlarven will, mit speziellem Fokus auf Fox News.

Kürzlich gelang Media Matters ein Coup mit der Veröffentlichung von Audiofiles, in denen Starmoderator Tucker Carlson frauen- und fremdenfeindliche Aussagen machte. Nun legt die Organisation nach, mit einer Studie, die die ersten vier Monate 2019 erfasst. Sie zeigt, dass auch in den vermeintlich neutralen News-Sendungen von Fox täglich falsche Infos verbreitet werden.

Ein paar Beispiele:

2. Januar

Moderator John Scott behauptete, mehr als 100 Migranten hätten versucht, die Grenze von Mexiko Richtung San Diego zu stürmen. US-Grenzpolizisten hätten Tränengas eingesetzt, nachdem sie mit Steinen beworfen worden seien.

Fotoreporter der Agenturen AP und Reuters bestritten dies. Der AP-Fotograf erklärte, die Steinwürfe hätten erst nach dem Tränengaseinsatz begonnen.

Bild

Bild: imago stock&people

5. Januar

Ein beliebtes Ziel von Fox News ist der demokratische Shootingstar Alexandria Ocasio-Cortez. Redakteur Ed Henry behauptete, sie wolle die Reichen zu 70 Prozent besteuern, "ihnen praktisch das gesamte Geld wegnehmen". In Wirklichkeit verlangt AOC einen Grenzsteuersatz von 70 Prozent. Dieser wird erst oberhalb eines Einkommens von zehn Millionen Dollar fällig. Trotzdem wurde die falsche Definition in den News-Sendungen von Fox mehrfach wiederholt.

2. Februar

Moderator Neil Cavuto erklärte, das FBI habe bei der Verhaftung des umstrittenen Trump-Beraters Roger Stone in Florida mit Elitesoldaten der Navy Seals zusammengearbeitet und mehr Leute aufgeboten als beim Einsatz gegen Osama bin Laden. Tatsächlich waren mehr als ein Dutzend FBI-Agenten im Einsatz, aber keine Navy Seals, und weniger als gegen Osama bin Laden.

March 14, 2019 - Washington, District of Columbia, U.S. - Former adviser to United States President Donald J. Trump, Roger Stone, waves as he walks towards the US District Court in Washington, DC on Thursday, March 14, 2019. .Credit: / CNP.(RESTRICTION: NO New York or New Jersey Newspapers or newspapers within a 75 mile radius of New York City) Washington U.S. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAc306 20190314_zaa_c306_005 Copyright: xRonxSachsx

Bild: www.imago-images.de

9. Februar

Der Green New Deal ist ein weiteres Projekt von Ocasio-Cortez, mit dem Fox wenig anfangen kann. Ed Henry behauptete, Teil des Projekts sei, "jedes Gebäude in Amerika zu ersetzen und den Luftverkehr zu beenden". Über das Fliegen aber steht nichts in der im Kongress eingebrachten Resolution, und bestehende Gebäude sollen renoviert werden, um eine maximale Energieeffizienz zu erreichen.

13. Februar

Noch hübscher ist die Behauptung von Korrespondent Peter Doocy, der Green New Deal wolle "furzende Kühe ausmerzen". Auch davon steht nichts im Kongress-Antrag. In einem von Ocasio-Cortez' Büro verbreiteten, aber rasch zurückgezogenen FAQ-Dokument heißt es, es sei "unrealistisch", die furzenden Kühe innerhalb von zehn Jahren vollständig loszuwerden.

26. Februar

Moderatorin Dana Perino erklärte, der Green New Deal koste zwischen 53 und 93 Billionen Dollar, und berief sich auf angebliche Berechnungen der Budgetbehörde im Kongress. Diese aber hat keine derartigen Zahlen verbreitet. Sie stammen von der konservativen Denkfabrik American Action Forum, die eng mit der fossilen Energiebranche verbunden ist. Dennoch verbreitete Fox News weitere Fantasiezahlen, die aus ähnlich zweifelhaften Quellen stammen.

7. März

Die Demokraten wollen keine ihrer Debatten für die Wahlen 2020 von Fox News übertragen lassen. Der leitende Politikmoderator Brett Baier meinte, sein Sender sei in früheren Debatten stets "hart, aber fair" vorgegangen. Dabei hatte der damalige Fox-News-Chef Roger Ailes dem Trump-Team vor einer Debatte im Jahr 2015 eine der gestellten Fragen zugespielt. Fox-Boss Rupert Murdoch soll den Sender zudem angewiesen haben, gewisse Kandidaten zu bevorzugen.

Sen. Bernie Sanders listens to a question from an audience member during a Fox News town-hall style event Monday April 15, 2019 in Bethlehem, Pa. (AP Photo/Matt Rourke)

Bernie Sanders bei einem TV-Townhall von Fox News. Bild: AP

10. März

Korrespondent Ed Henry sagte, Trump habe die Nato-Länder dazu gebracht, "mehr und mehr ihrer Schulden zu bezahlen". Bei der Nato gibt es jedoch keine "Schulden". Die Mitglieder haben sich einzig dazu verpflichtet, bis 2024 mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für die Verteidigung zu verwenden. Von zusätzlichen Ausgaben ist keine Rede.

22. März

Der frühere Trump-Mitarbeiter Carter Page wurde laut Moderatorin Maria Bartiromo vom FBI aufgrund "fadenscheiniger Beweise" aus dem Dossier des britischen Ex-Agenten Christopher Steele abgehört. Für die Genehmigung der Abhörung allerdings war das Dossier nur zum Teil verantwortlich. Und das FBI hatte Page bereits seit 2013 auf dem Radar.

21. April

Der Mueller-Bericht und die angebliche Reinwaschung von Donald Trump waren ein großes Thema bei Fox News. Maria Bartiromo fragte, ob jene Leute zur Rechenschaft gezogen werden, die eine Ermittlung gegen Trump nur deshalb begonnen hätten, "weil sie ihn aufhalten wollten und ihn nicht mögen". Sie blendete die fragwürdigen Kontakte von Trump-Mitarbeitern nach Russland aus, die den Ausschlag für die Mueller-Ermittlungen gaben.

25. April

Moderatorin Bartiromo wird in der Studie oft zitiert. An jenem Tag behauptete sie, das FBI habe den E-Mail-Skandal von Hillary Clinton "nie richtig untersucht". In Wirklichkeit wurde in dieser Affäre ausgiebig ermittelt. Wenige Tage vor der Wahl 2016 eröffnete FBI-Chef James Comey eine neue Untersuchung wegen Mails, die auf einem Laptop von Anthony Weiner gefunden wurden, dem damaligen Ehemann der Clinton-Vertrauten Huma Abedin.

Nicht alle Beispiele in der Studie von Media Matters überzeugen. Dennoch führt sie zu einem nicht wirklich überraschenden Fazit. Die rechte Meinungsmache, die zur Prime-Time von Fox News verbreitet wird, färbt auch auf den Newsbereich ab. "Der Sender als solcher ist das Problem, nicht einzelne Prime-Time-Moderatoren", hält Media-Matters-Präsident Angelo Carusone fest.

Fliegt ein Trump über London

Trumps Twitter-Tiraden: So begann @realdonaldtrump

Play Icon

Politik

"Hart aber Fair": Altmaier warnt vor "Klimapolizei" – und wird von Aktivistin verspottet

Link zum Artikel

Nach Höcke: ZDF will auch künftig über das berichten, was "AfD nicht gerne im Fokus sieht"

Link zum Artikel

Sind Nicht-Deutsche krimineller als Deutsche? Was die Statistik sagt – und was nicht

Link zum Artikel

"Keinen Millimeter nach rechts": Grönemeyer sorgt mit Statement für Wirbel

Link zum Artikel

AfD-Politiker Höcke bricht TV-Interview ab – und droht ZDF-Reporter

Link zum Artikel

Politologe Quent: "Diese Wahlen widerlegen eine oft genannte These über die AfD"

Link zum Artikel

Warum die Jüdische Allgemeine nicht mit der AfD spricht

Link zum Artikel

Machtkampf in der AfD: Warum sich schon jetzt zeigt, welches Schicksal Meuthen droht

Link zum Artikel

Mögliche Koalition? Kurz nach der Wahl stellt erste Grüne Forderungen an die CDU Sachsen

Link zum Artikel

Wahl in Brandenburg & Sachsen: Alle Ergebnisse & mögliche Koalitionen im Überblick

Link zum Artikel

Ist der Kampf gegen die AfD im Osten schon verloren, Frau Schubert?

Link zum Artikel

Wie mein Vater zum AfD-Wähler wurde – und unser Verhältnis auf die Probe stellt

Link zum Artikel

"Nein, Moment": Bei Söders Antwort auf Maaßen-Frage staunt Maischberger nicht schlecht

Link zum Artikel

CDU-Politiker Amthor diskutiert mit Asylhelferin über Integration: Dann gibt es Tränen

Link zum Artikel

Debatte um Maaßens Parteiausschluss: Es hagelt weiter Kritik für AKK

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Erzieherin: "Was viele Kollegen in Kitas tun, ist eigentlich Kindesmisshandlung"

Link zum Artikel

Maaßen, Sarrazin, Palmer: Warum diese 3 gegen ihre eigene Partei kämpfen

Link zum Artikel

Weltgereister Wutbürger mit Mission: Herr Meier gegen die linksgrüne Welt

Link zum Artikel

Scientology übernimmt heimlich Luxus-Laden mitten in Münchner Szene-Viertel. Wir waren da

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
1
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen

Order, Order, Order! Britischer House-Speaker kündigt Rücktritt an

John Bercow ist der aktuelle Parlamentssprecher im britischen Unterhaus. Bei den kommenden Wahlen – heute Abend entscheidet sich, wann diese stattfinden werden – will Bercow aber nicht mehr antreten.

Der "Mr. Speaker" des Parlaments hatte sich im Zuge des Brexit-Streits immer wieder kritisch zu Wort gemeldet. Seine Moderationen der Parlamentsdebatten in Großbritannien sind legendär.

Kurz zuvor hatte die britische Königin Elisabeth II. das Gesetz über eine eventuelle Verschiebung des Ausstiegs …

Artikel lesen
Link zum Artikel