Protesters get ready to march outside of the Hennepin County Government Center after former Minneapolis police officer Derek Chauvin was sentenced to 22.5 years in prison for the murder of George Floyd, Friday, June 25, 2021, in downtown Minneapolis. Floyd family members and others said they were disappointed the sentence wasn't longer, even as legal experts and others pointed out that it is extremely rare for a police officer to be prosecuted, convicted and handed a prison term that heavy. (AP Photo/Christian Monterrosa)

Nach dem Urteil für die Tötung von George Floyd gab es erneut Proteste in Minneapolis. Bild: ap / Christian Monterrosa

Tötung von George Floyd: Ex-US-Polizist Derek Chauvin zu 22,5 Jahren Haft verurteilt

Der frühere US-Polizist Derek Chauvin ist wegen der Tötung des Afroamerikaners George Floyd zu 22 Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden. Richter Peter Cahill verkündete am Freitag in Minneapolis im Bundesstaat Minnesota ein Strafmaß von 270 Monaten Haft gegen den 45-Jährigen. Der weiße Ex-Polizist hatte Floyds Angehörigen kurz zuvor sein "Beileid" ausgesprochen.

Mit dem Strafmaß blieb Richter Cahill deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft von 30 Jahren. Er lag aber auch weit über dem Antrag der Verteidigung, Chauvins Zeit in Untersuchungshaft zu berücksichtigen und zusätzlich nur eine Bewährungsstrafe zu verhängen.

"22.5 Jahre!" schrieb der Anwalt der Familie Floyd, Ben Crump, im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Dieses historisches Urteil bringt die Familie Floyd und unsere Nation der Heilung einen Schritt näher."

Richter verteidigt Strafmaß: Fuße nicht auf Emotionen oder Empathie

Der Richter betonte, das Strafmaß fuße nicht auf "Emotionen", "Empathie" oder dem Druck der "öffentlichen Meinung", sondern auf einer "rechtlichen Analyse" der Tat. Er wolle auch keine "Botschaften" aussenden, sagte Cahill mit Blick auf das politisch aufgeladene Verfahren.

Floyds Tod am 25. Mai 2020 hatte international für Empörung gesorgt und in den USA landesweite Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt gegen Schwarze ausgelöst. Chauvin hatte dem wegen Falschgeldvorwürfen festgenommenen 46-Jährigen in Minneapolis rund neuneinhalb Minuten lang das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl der Schwarze wiederholt klagte, er bekomme keine Luft mehr.

Ein Handyvideo von Floyds Tod ging um die Welt. Seine Klage "I can't breathe" - "Ich kann nicht atmen" oder "Ich bekomme keine Luft" - ging um die Welt und wurde zu einem Motto der Anti-Rassismus-Bewegung Black Lives Matter (Das Leben von Schwarzen zählt).

In einem aufsehenerregenden Prozess sprach ein Geschworenengericht Chauvin am 20. April in allen Anklagepunkten schuldig: Mord zweiten Grades, was in Deutschland in etwa einem Totschlag in einem schweren Fall entspricht, Mord dritten Grades - eine andere Form des Totschlags - und Totschlag zweiten Grades, in Deutschland etwa fahrlässige Tötung. Auf Mord zweiten Grades steht in Minnesota eine Höchststrafe von 40 Jahren.

Unmittelbar vor Verkündung des Strafmaßes sprach Chauvin am Freitag Floyds Angehörigen sein "Beileid" aus. Er hoffe, die Familie werde "Frieden" finden, sagte der Verurteilte. Mehr könne er wegen "zusätzlicher rechtlicher Angelegenheiten" nicht sagen.

Floyds kleine Tochter wandte sich per Video an Gericht

Auch Floyds Angehörige wandten sich an das Gericht, darunter seine kleine Tochter per Video. Floyds Bruder Terrence forderte im Gerichtssaal die Höchststrafe für Chauvin - und wandte sich an den Ex-Polizisten: "Warum? Was haben Sie sich gedacht? Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie ihr Knie auf dem Nacken meines Bruders hatten?"

Chauvins Mutter beteuerte dagegen vor Gericht, ihr Sohn sei unschuldig. "Mein Sohn ist ein guter Mann", sagte Carolyn Pawlenty mit bebender Stimme. "Ich habe immer an deine Unschuld geglaubt und werde dabei nie ins Wanken geraten."

Richter Cahill verlas am Freitag keine Begründung für das Strafmaß. Diese ist in einem 22-seitigen Dokument festgehalten. Der Richter betonte aber, er erkenne "den tiefen und riesigen Schmerz an, den alle Familien empfinden, insbesondere die Familie Floyd".

(jab/afp)

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