International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
May 10, 2018 - Malaga, Spain - A protester with her body painted with the words: ''It is not abuse, it is rape'' takes part in a demonstration during a feminist student strike against the sentence of 9 years in prison to five men (known as 'La Manada' or Wolf Pack) accused of the group rape of an 18-year-old woman during the San Fermin Festival in 2016 |

Diese Demonstrantin in Malaga schrieb sich auf den Oberkörper: "Es ist kein Missbrauch, es ist Vergewaltigung" Bild: SOPA Images via ZUMA Wire

In Spanien kommt das "Ja-heißt-ja"-Gesetz – 6 Hintergründe

Spaniens sozialistische Regierung hat ein Gesetz erlassen, dass darauf abzielt, Einvernehmlichkeit beim Sex zu gewährleisten. Spaniens Vize-Premierministerin und Gleistellungsbeauftragte Carmen Calvo Poyato brachte es so auf den Punkt:

"Wenn eine Frau nicht explizit ja sagt, bedeutet alles andere nein."

Carmen Calvo Poyato

Patricia Faraldo Cabana, Jura-Professorin an der Universität von A Coruña, die bei der Ausarbeitung des Gesetzes mitarbeitete, sagte laut Guardian:

"Es kann immer noch Vergewaltigung sein, auch wenn das Opfer sich nicht wehrt. Wenn sie nackt ist und sich aktiv beteiligt und Spaß dabei hat, ist es offensichtlich einvernehmlich. Wenn sie weint, reglos wie eine Gummipuppe da liegt und offensichtlich keinen Spaß hat, ist es nicht einvernehmlich."

Auch Schweden hat bereits so ein Gesetz. Wie kam es in Spanien dazu? Und was bedeutet das Gesetz?

Das "Rudel" und die Vergewaltigung

Um die neue gesetzliche Regelung zu verstehen, muss man die Geschichte von Anfang an erzählen.

Es begann mit einer Gruppe junger Männer aus Sevilla, die sich selbst "La Manada" ("Das Rudel") nannte. Unter ihnen ein Soldat und ein Zivil-Gardist. Während des alljährlichen Stier-Hetz-Festivals in Pamplona im Sommer 2016 sollen die Männer im Alter zwischen 27 und 29 Jahren eine 18-jährige Frau vergewaltigt haben. Zwei der Männer hatten die Tat gefilmt. Im April 2018 wurden sie zu jeweils 9 Jahren Haft verurteilt. Kurze Zeit später waren sie frei.

Ein Richter argumentierte gar, die junge Frau habe Spaß bei der Sache gehabt.

July 12, 2018 - Pamplona, northern Spain - Participants run next to Vitoriano del Rio fighting bulls on Mercaderes corner on the fourth bullrun of the San Fermin festival. Each day at 8am hundreds of people race with six bulls, charging along a winding, 848.6-metre (more than half a mile) course through narrow streets to the city's bull ring, where the animals are killed in a bullfight or corrida, during this festival dating back to medieval times and also featuring religious processions, folk dancing, concerts and round-the-clock drinking |

Beim San-Fermín-Fest werden Stiere durch Pamplona zur Arena getrieben, wo sie später von Torreros getötet werden. Die Teilnehmer der Stierhatz rennen vor den Tieren etwa 800 Meter durch die engen Gassen – dabei gilt es vielen als besonders mutig, die Stiere möglichst nah an sich herankommen zu lassen. Bild: AFP7 via ZUMA Wire

Haftstrafen? Erstmal nicht.

Die Staatsanwaltschaft hatte gegen das Urteil Berufung eingelegt. Das Gericht entschied, die Männer bis zu ihrem Berufungsurteil vorläufig freizulassen. Der soziale Druck mache einen Rückfall "praktisch undenkbar", hieß es. Ein Berufungsgericht in Pamplona hatte im Anschluss angeordnet, die Männer unter Auflagen gegen eine Kaution von 6000 Euro freizulassen.

Nur Bewegungsfreiheit eingeschränkt

Die Männer mussten ihre Reisepässe abgeben und dürfen Spanien nicht verlassen. Nach Madrid, wo ihr Opfer lebt, dürfen die Männer ebenfalls nicht reisen. Außerdem müssen sie sich dreimal in der Woche bei Gericht an ihrem jeweiligen Wohnort melden.

Dann kam die Wut der Bevölkerung

Die Freilassung der fünf Sexualstraftäter sorgte in Spanien für große Empörung. Tausende Menschen gingen bei Kundgebungen im ganzen Land gegen die Gerichtsentscheidung auf die Straße. 

Bild

Landesweit gingen, wie hier in Madrid, tausende auf die Straße Bild: NurPhoto

Frauenorganisationen und andere Verbände riefen zu Demonstrationen in Madrid, Valencia, Sevilla und Bilbao auf. In Madrid versammelten sich tausende Frauen und Männer jeden Alters vor dem Justizministerium. Die Demonstranten kritisierten in Sprechchören die "patriarchale Justiz" in Spanien. Auch in Sevilla, der Heimatstadt der fünf Männer, gab es Proteste gegen ihre Freilassung. Weitere Protestaktionen gab es in Valencia, Saragossa und Granada. Auch in Pamplona gingen tausende Menschen auf die Straße. 

Eine Demonstrantin sagte der Nachrichtenagentur AFP:

"Wir brauchen eine Justizreform und müssen die Richter, die noch aus einem anderen Zeitalter stammen, ersetzen."

Noelia Garcia, 41, Demonstrantin

Wehrlos, teilnahmlos, passiv + abwesend = einvernehmlich

Weil sich die junge Frau im Video während der Gruppenvergewaltigung nicht wehrte, teilnahmslos, passiv und abwesend agierte, war das Gericht von einvernehmlichem Geschlechtsverkehr ausgegangen und hatte die Männer nicht wegen "Vergewaltigung" verurteilt, sondern wegen "sexuellen Missbrauchs".

Um den Straftatbestand der "Vergewaltigung" zu erfüllen, muss die Tat mit Gewalt und Einschüchterung einhergehen. Dies war offenbar für das Gericht nicht erkennbar. Ein Richter argumentierte gar, die junge Frau habe Spaß bei der Sache gehabt.

Was waren die politischen Konsequenzen?

Das Bürgermeisteramt in Pamplona kündigte an, als Zivilpartei in dem Verfahren Berufung gegen die Freilassung einzulegen. Justizministerin Dolores Delgado nannte die im Prozess ans Licht gebrachten Tatsachen "schwerwiegend" und forderte einen "Mentalitätswandel". 

Die Politikerin Elena Sarasate über die Argumentation vor Gericht:

 "Die Verteidiger wollten uns glauben lassen, sie (die verurteilten Täter, Anm. d. Red.) hätten in der Nacht ein 18 Jahre altes Mädchen kennen gelernt, das ein normales Leben führte. Nach 20 Minuten Gespräch mit Leuten die sie nicht kannte, soll sie in Gruppensex mit jeder denkbaren Art von Penetration eingewilligt haben, manchmal mehrere gleichzeitig, ohne Benutzung eines Kondoms."

Dieses Unverständnis, auch seitens vieler Politiker und Politikerinnen führte nun zu einer neuen rechtlichen Regelung. Dem, wie es manche nennen, "Ja-heißt-ja"-Gesetz.

Auch das Vergewaltigungsopfer selbst meldete sich zu Wort. In einem Brief an einen spanischen TV-Sender schrieb die 18-Jährige: 

"Schweigt nicht darüber, denn wenn ihr das tut, lasst ihr sie gewinnen. Niemand sollte das durchmachen müssen. Niemand sollte es bereuen müssen, etwas zu trinken, mit Leuten auf einem Fest zu reden und in einem Minirock allein nach Hause zu gehen." 

(mit dpa/afp)

Weitere Nachrichten:

Kein Hartz IV für Unter-50-Jährige? Das sagt ein Wirtschaftsprofessor dazu

Link zum Artikel

Nach dem WM-Aus drohen Gastronomen und Werbern Millionenverluste 

Link zum Artikel

Du könntest bald Geld für ein Haus bekommen – der watson-Guide zum Baukindergeld

Link zum Artikel

Harley-Davidson ist nur der Anfang: Wie Trump sich im Handelskrieg verfahren hat

Link zum Artikel

Dieser "Airbag" soll dein Handy vor teuren Display-Schäden schützen 

Link zum Artikel

4 Fakten zum Kükenschreddern und warum es bald ein Ende haben könnte 

Link zum Artikel

Den watson-Kryptos geht's besser – die Branche bleibt leider unseriös (Pornos sind Schuld)

Link zum Artikel

11 Dinge, die du dich nicht mehr traust, zu Bitcoin zu fragen

Link zum Artikel

Zocke ich meinen Bäcker ab, wenn ich mit Karte zahle?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch interessieren:

Militärdienst für die Jungs von BTS – das denken die K-Popstars darüber

Link zum Artikel

Dieses Rätsel ist so einfach, du wirst es niemals zugeben, wenn du es nicht lösen kannst

Link zum Artikel

Das? Das ist nur die wohl umfangreichste Schatzkarte aller bisherigen Zeiten

Link zum Artikel

PAOK Saloniki wird erstmals seit 34 Jahren Meister – und die Ultras drehen völlig ab

Link zum Artikel

FPÖ provoziert mit "Ratten-Gedicht" über Geflüchtete – Kanzler Kurz: "abscheulich"

Link zum Artikel

Überraschende Sex-Szene bei "Game of Thrones" – und die Fans flippen aus

Link zum Artikel

Erdbeben auf den Philippinen: Hier stürzt ein Hochhaus-Pool auf die Straße

Link zum Artikel

Sie eiferte Steve Jobs nach – und wurde zur größten Betrügerin im Silicon Valley

Link zum Artikel

Sri Lanka: Zahl der Todesopfer steigt auf 310 – Hinweise auf "Vergeltung" für Christchurch

Link zum Artikel

Journalistin macht sich über Enissa Amani lustig – deren Fans starten eine Insta-Hetzjagd

Link zum Artikel

An Hitlers Geburtstag legt die Schweiz die Nazi-Elf aufs Kreuz

Link zum Artikel

Böhmermann macht aus "GoT" die "Game of Shows" – mit Gottschalk und LeFloid

Link zum Artikel

Influencerin geht in Neuseeland baden – und wird dafür abgestraft

Link zum Artikel

Sri Lanka: Einheimische Islamisten sollen die Anschläge verübt haben

Link zum Artikel

Ukraine-Wahl: Komiker Selenskyj neuer Präsident

Link zum Artikel

"Game of Thrones": Ein beliebter Charakter lebt noch

Link zum Artikel

So instrumentalisieren rechte Ideologen den Brand von Notre-Dame für ihre Zwecke

Link zum Artikel

Diese Iranerin zog ihr Kopftuch aus und muss jetzt ein Jahr ins Gefängnis

Link zum Artikel

Hartz-IV-Sanktionen in der Schulzeit: "Ich lebte von 30 Euro im Monat"

Link zum Artikel

"Wir sind nicht bei der WM!" Club aus Brandenburg hat 5 Regeln für Helikopter-Eltern

Link zum Artikel

Bei der Hillsborough-Tragödie sterben 96 Fans – und werden dafür beschuldigt

Link zum Artikel

Vermisst und wieder aufgetaucht – 7 Fälle von Kindern, die verschwunden waren

Link zum Artikel

Der HSV wirbt mit seinen Fans – nur sind's keine Hamburger. Sondern Magdeburger!

Link zum Artikel

Weil Erdogan kam, drang die Polizei in das Büro dieses Abgeordneten ein – jetzt klagt er

Link zum Artikel

"Junge Mädchen werden hier kaputtgefickt" – Ex-Prostituierte will Sexkaufverbot erreichen

Link zum Artikel

Erstes Foto von einem Schwarzen Loch – und das Internet so 🤷‍♀️

Link zum Artikel

Findest du heraus, welche dieser traurigen Tier-Fakten stimmen?

Link zum Artikel

Die coolste Socke gehört auf den "GoT"-Thron! #TeamTyrion

Link zum Artikel

Pete wer??? Die neue Demokraten-Hoffnung ist jung, schwul und will Donald Trump besiegen

Link zum Artikel

"Finde das furchtbar!" Hamburg kämpft gegen Helikoptereltern – diese 3 Mütter machen mit

Link zum Artikel

Vorhaut-Cremes und Unten-ohne-Sonnenbäder: Die absurdesten Promi-Beauty-Tipps

Link zum Artikel

Wurden sie über Bord geworfen? Tote Kühe am Strand von Teneriffa angespült

Link zum Artikel

9 Eltern, die ihren Sinn für Humor hoffentlich weitervererben

Link zum Artikel

Frauenarzt?! Was im Rammstein-Video zu "Deutschland" keinem auffiel

Link zum Artikel

Nach dem sinnlosen Tod von Hund Sam warnt sie vor diesem Spielzeug

Link zum Artikel

19 Bilder, die dir zeigen: Es ist nicht alles, wie es scheint

Link zum Artikel

Der Tod des Patriarchats! Daenerys auf den Thron #TeamDaenerys

Link zum Artikel

Ich habe mich mit Mama & Oma über Emanzipation unterhalten – es lief anders, als erwartet

Link zum Artikel

Diese Russin ist ein Insta-Star – weil sie ihr Wald-Leben inszeniert wie eine Stadt-Ikone

Link zum Artikel

Wenn die Sonne stirbt, ist das wie ein leiser Pups

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Jana bezieht bewusst Hartz IV: "Ich habe kein Kind bekommen, um es abzugeben"

Hier sprechen regelmäßig Menschen, die von Armut betroffen sind.

Jana (Name von der Redaktion geändert) ist 33 Jahre alt, gelernte IT-Systemkauffrau und alleinerziehende Mutter. Ihre Tochter wurde im März 2017 geboren, Jana trennte sich im September 2017 von ihrem Mann und bezieht seit Januar dieses Jahres Hartz IV – weil sie für ihre Tochter da sein möchte, wie sie sagt. Das Elterngeld ist im März 2018 ausgelaufen.

Der Gesamtbetrag von 1260 Euro monatlich setzt sich zusammen aus:

Für sich und ihre Tochter hat sie also knapp 630 Euro netto pro Person zur …

Artikel lesen
Link zum Artikel