International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.
Foto/IPP/Gioia Botteghi 06/05/2018 Roma, Luigi Di Maio ospite della trasmissione Mezz ora in più nella foto : luigi di Maio con alle spalle nel video Silvio Berlusconi Italy Photo Press - World Copyright PUBLICATIONxNOTxINxITAxFIN 0

Sterne-Chef Di Magio auf den Pfaden von Berlusconi. Bild: imago stock&people

Das Aufatmen war von kurzer Dauer: Europa ist zurück im Krisenmodus

Italien erhält eine eurokritische Populisten-Regierung, Donald Trump verhängt Strafzölle: Die Europäische Union erlebt gerade ein Déjà-Vu. Kaum schien das Schlimmste überstanden, ist die Krise zurück.

Peter Blunschi

Ende letzten Jahres sah es so aus, als wäre die Europäische Union aus dem Gröbsten heraus. 2016 war sie durch das Brexit-Votum und die Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten erschüttert worden. Doch das "Superwahljahr" 2017 verlief ohne den befürchteten Siegeszug der (Rechts-)Populisten. Mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron erschien eine neue Lichtgestalt. Gleichzeitig nahm die Wirtschaft in der Eurozone endlich wieder Fahrt auf.

Die Aufbruchstimmung aber dauerte nur kurz. Die Regierungsbildung im wichtigsten EU-Staat Deutschland zog sich ewig hin und endete mit einer Neuauflage der ungeliebten großen Koalition. Bei den Wahlen in Italien – nach dem Austritt Grossbritanniens das drittgrösste EU-Land – siegten die europakritischen Parteien Lega und Cinque Stelle. Sie werden nun gemeinsam regieren.

Belgium , Brussel , Dec 14, 2017 - European Council - Family picture - President of the Republic of France Emmanuel Macron and Federal Chancellor of Germany Angela Merkel Copyright Danny Gys / Reporters Reporters / GYS PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY DannyxGys

Angela Merkel reagiert zögerlich auf Emmanuel Macrons Reformpläne. Bild: imago stock&people

In Spanien, das sich gerade halbwegs von seiner schweren Wirtschaftskrise erholt hat, stürzte der konservative Ministerpräsident Mariano Rajoy über einen Korruptionsskandal. Und zu schlechter Letzt hat Donald Trump seine angedrohten Strafzölle auf europäische Stahl- und Aluminium-Exporte verhängt. Damit ist die Europäische Union definitiv zurück im Krisenmodus.

"Europa befindet sich in einer existenziellen Krise. Alles, was schief laufen konnte, ist schief gelaufen."

George Soros

Europa befinde sich in einer Negativspirale, stellte der Chefredaktor des Onlineportals Politico in einem Leitartikel fest. Die EU-Hauptstadt Brüssel fühle sich 2018 "verwirrt und konfus" an, und die Aussichten für die zweite Jahreshälfte entsprächen dem dortigen Wetter: "Kalt, bewölkt, mit wenig Chance auf Sonnenschein."

Ein düsteres Fazit zog der US-Finanzinvestor und Philanthrop George Soros bei einem Auftritt in Paris: "Europa befindet sich in einer existenziellen Krise. Alles, was schief laufen konnte, ist schief gelaufen." Er nannte drei Hauptprobleme: Die Flüchtlingskrise, die mit den Brexit beginnende territoriale Desintegration und die Sparpolitik, "die Europas wirtschaftliche Entwicklung behindert".

Die negative Einschätzung von George Soros mag durch persönliche Motive verstärkt worden sein. Seine Open Society Foundation verließ kürzlich seine usprüngliche Heimat Ungarn in Richtung Berlin. Sie zog damit die Konsequenzen aus der antisemitisch gefärbten Hetzkampagne des rechtskonservativen Ministerpräsidenten Viktor Orban gegen den Juden Soros.

Bild

George Soros warnt vor einem Zerfall der EU. Bild: imago stock&people

Europa müsse sich neu erfinden, forderte Soros in Paris. Das ist leichter gesagt als getan, wie die bislang maue Reaktion der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel auf die Reformvorschläge von Emmanuel Macron zeigt. Nach wie vor scheinen die Deutschen nicht gewillt, die Eurozone durch einen gemeinsames Budget und einen europäischen Finanzminister zu stärken.

Schreckgespenst Italexit

Mit seinem sturen Spardogma hat die Regierung wesentlich zum Erfolg der Populisten in Italien beigetragen. Die Hauptschuld an der Dauermisere im Bel Paese tragen die Italiener selbst, doch mit ihrer hohen Staatsverschuldung hätten sie gar nie in die Eurozone aufgenommen werden dürfen. Und beim Thema Migration werden sie vom restlichen Europa im Stich gelassen.

Nun droht der "Italexit", der Austritt Italiens aus der Eurozone. Er würde sie in ihren Grundfesten erschüttern und vielleicht zerreißen, denn Italien ist ein weit größeres Kaliber als etwa Griechenland. Allerdings ist allen Austrittsszenarien gemein, dass sie nur schwer umsetzbar sind. Auch das hat man bei den Griechen gesehen. Nach wie vor gilt für die Eurozone der Refrain aus dem Eagles-Klassiker "Hotel California": Man kann jederzeit auschecken, aber niemals gehen.

Italiener wollen den Euro behalten

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras mutierte im Amt vom Feuerkopf zum Realpolitiker. In Italien könnte es ähnlich laufen. Der Euro-Gegner Paolo Savona wird in der neuen Regierung nur eine Nebenrolle spielen. Die Wirtschaft hat bereits Warnsignale ausgesandt. Und eine klare Mehrheit der Italiener will trotz allem in der Eurozone bleiben, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.

Bild

Die Italiener hadern mit dem Euro, wollen ihn aber nicht aufgeben. Bild: imago stock&people

Einfach wird es die Koalition von Lega und Cinque Stelle den Europäern trotzdem nicht machen. Lega-Chef Matteo Salvini will als Innenminister in der Migrationsfrage einen harten Kurs einschlagen. Und um die versprochenen Wohltaten zu finanzieren, könnte die Regierung von Giuseppe Conte in Versuchung geraten, die exorbitante Staatsverschuldung weiter zu erhöhen.

Sturmwinde über dem Atlantik

Da hilft es wenig, wenn EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Haushaltskommissar Günther Oettinger die Italiener mit Aussagen zur Korruption und zum Druck der Finanzmärkte in Wallung versetzen, obwohl beide nur das Offensichtliche ausgesprochen hatten. Die deutsche Regierung verhält sich schlauer und hält den Mund.

Die EU ist angesichts der Sturmwinde, die von jenseits des Atlantiks über den Kontinent toben, eigentlich auf größtmögliche Einigkeit angewiesen. Mit den Strafzöllen wird sich Donald Trump langfristig nur selber schaden. Vorerst aber können die Europäer definitiv nicht mehr ignorieren, dass die USA kein verlässlicher Verbündeter mehr sind.

Brexit-Deal in Reichweite

Krisen sind aber immer auch Chancen. Meldungen über ein Ableben der Europäischen Union dürften einmal mehr stark übertrieben sein. Große Würfe sind in nächster Zeit kaum zu erwarten, vor allem nicht in der Flüchtlingsfrage. Aber vielleicht einigen sich Macron und Merkel am EU-Gipfel Ende Juni doch auf einen Reformplan für die Eurozone.

Auch beim Brexit ist eine gütliche Trennung in Reichweite. Der britische Brexit-Minister David Davis arbeitet laut einem Bericht vom Donnerstag an einem Plan, bei dem Nordirland sowohl zum Königreich als auch zur EU gehören würde. In diesem Fall könnte die Grenze zur Republik Irland offen bleiben und ein zentraler Knackpunkt beseitigt werden.

Das Volk ist weiter als die Politik

Hoffnung macht schliesslich das neuste Eurobarometer. Ein Jahr vor der Europawahl ist die Zustimmung zur EU so hoch wie nie seit 1983, als die Union erst aus zehn Ländern bestand. Mehr als zwei Drittel der EU-Bürger sind demnach überzeugt, dass ihr Land von der Mitgliedschaft profitiert.

Angesichts der globalen Turbulenzen scheinen die Menschen erkannt zu haben, wie wichtig ein starkes und geeintes Europa ist. Die Politiker sollten sich daran ein Beispiel nehmen.

Man fragt sich deshalb, wie mies die politische Grosswetterlage in Brüssel tatsächlich ist. Zeit deshalb für einen Augenschein vor Ort. Mehr dazu zu einem späteren Zeitpunkt.

Das könnte dich auch interessieren:

Rezo fordert bei Böhmermann Entschuldigung von lügenden Kritikern

Link zum Artikel

Illner geht ihren Gästen mit Personal-Fragen auf die Nerven – "unsägliche Debatte"

Link zum Artikel

"Mit Neonazis mache ich mich nicht gemein" – so begründet ein Ex-AfD-Mann seinen Ausstieg

Link zum Artikel

Vera Int-Veen verurteilt Hartz-IV-Empfänger – dann erkennt sie ihren Fehler

Link zum Artikel

Ein Schrei nach Liebe: Freiwild covern Ärzte und Hosen

Link zum Artikel

"Dachte, dass das für immer ist" – Lena Meyer-Landrut spricht unter Tränen über Trennung

Link zum Artikel

So will Edeka den Drogerien Konkurrenz machen

Link zum Artikel

Rammstein: 7 (fast) unbekannte Fakten über die Band

Link zum Artikel

"Er hat die Ente gefressen": Eisbär frisst Tier vor den Augen der Zoo-Besucher

Link zum Artikel

Rammstein-Sänger soll Mann geschlagen haben – was das mutmaßliche Opfer zu dem Fall sagt

Link zum Artikel

Wegen Cathy-Hummels-Streit: Bundesregierung will Influencer-Gesetz

Link zum Artikel

Posen vorm Reaktor – Influencer machen geschmacklose Instagram-Posts in Tschernobyl

Link zum Artikel

Fotos von Helene Fischers Privat-Konzert aufgetaucht – sie zwingen sie zu handeln

Link zum Artikel

Mein Vater hat eine bipolare Störung – so war meine Kindheit

Link zum Artikel

Rock im Park: Über 130 Menschen erleiden allergische Reaktion

Link zum Artikel

Heidi veröffentlicht Chat mit Tom: Romantisch? Ganz im Gegenteil!

Link zum Artikel

Shitstorm mal anders: Zu wenige Toiletten bei Rock im Park

Link zum Artikel

Von Anime bis True Crime – diese 14 Filme und Serien kommen ab heute auf Netflix

Link zum Artikel

Sturmböen, Hagel und Starkregen: Ab Pfingstmontag geht es bergab mit dem Wetter

Link zum Artikel

Lesbisches Paar in London blutig geschlagen – weil sie sich nicht küssen wollten

Link zum Artikel

Helene Fischer macht's schon wieder – darum sind ihre Worte nur noch Heuchelei

Link zum Artikel

Kelly Family in Berlin: Warum immer noch der Hype? Eine Annäherung in 5 Akten

Link zum Artikel

Trump setzte Kopfgeld auf unschuldige Schwarze aus – jetzt melden sie sich zu Wort

Link zum Artikel

Wie beim WM-Finale 2014! Das steckt hinter der Final-Flitzerin von Madrid

Link zum Artikel

Helene Fischer und die 1-Mio-Euro-Party: Millionär bucht Star für besonderen Abend

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

"Die Partei": Semsrott geht zu Grünen – was macht Sonneborn?

Es handelt sich um einen gewohnt witzigen Spruch, den "Die Partei"-Politiker und Satiriker Nico Semsrott da in die Welt feuerte.

Die Grünen machen also beim Ein-Mann-Realo-Flügel der Satire-Partei mit? Schon klar. In Wahrheit verhielt es sich genau anders herum. Kurz zuvor war Semsrott der Grünen-Fraktion im Europaparlament beigetreten. Auch das passierte allerdings nicht ohne Grund.

Richtig, der besonders prominente Cheffe der Partei, Martin Sonneborn, selbst fehlt auf dem Bild. Auch ein Tweet …

Artikel lesen
Link zum Artikel