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Notwendige Abschreckung? Überflüssige Provokation? 9 Fragen zum Nato-Großmanöver

Die Nato hält von diesem Donnerstag an ihr größtes Manöver seit Ende des Kalten Krieges ab. Um eine Minute nach Mitternacht übernahm der amerikanische Admiral James G. Foggo das Kommando über rund 50.000 Soldaten, die an der zweiwöchigen Feldübung in Norwegen beteiligt sind. Hinzu kommen 10.000 Fahrzeuge sowie mehr als 300 Kampfflugzeuge, Hubschrauber und Schiffe. Sind zusätzliche Spannungen mit Russland programmiert? Die wichtigsten Fragen und Antworten zu "Trident Juncture":

Warum übt die Nato wieder in diesem Ausmaß?

Ziel ist es, ein Signal der Abschreckung an Russland zu senden und für den sogenannten Bündnisfall zu trainieren. Dieser könnte ausgerufen werden, wenn einer oder mehrere der 29 Mitgliedstaaten von einem Gegner angegriffen würden. In der Folge müssten dann die anderen Verbündeten Beistand leisten. "Trident Juncture wird die klare Botschaft aussenden, dass wir bereit sind, alle Bündnispartner gegen jegliche Gefahr zu verteidigen", sagt Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg. Um glaubhaft abschrecken zu können, müsse man die Stärke des Bündnisses zeigen.

A Norwegian soldier stands guard as a German military vehicle is unloaded at Fredrikstad, Norway, September 7, 2018. Some 40,000 soldiers from more than 30 countries will take part in NATO's

Bild: Reuters

Nach dem Ende des Kalten Krieges wurde massiv abgerüstet, jahrelang wurde auch kaum noch für den Bündnisfall trainiert.

Seit wann wird Russland wieder als Gefahr gesehen?

Das Jahr der Wende war 2014. Damals begann der von Russland befeuerte Krieg in der Ostukraine, den Russland auch nutzte, um sich die ukrainische Halbinsel Krim einzuverleiben. Seit diesen Ereignissen drängen vor allem östliche Bündnispartner darauf, sich wieder besser für den Bündnisfall zu wappnen. Es könne nicht mehr ausgeschlossen werden, dass Russland auch in einem Nato-Land für Unfrieden oder sogar Krieg sorgen könnte, lautet die Argumentation.

Ist diese Gefahr wirklich gegeben?

Das ist umstritten. Während Polen sowie die Ex-Sowjetrepubliken Lettland, Litauen und Estland von einer tatsächlichen Bedrohung ausgehen, sind Deutschland und auch führende Nato-Militärs entspannter. Sie sehen keine Anzeichen dafür, dass Russland einen Angriff auf einen Nato-Staat plant. Um dennoch für den Fall der Fälle gewappnet zu sein, wird seit 2014 allerdings wieder stark aufgerüstet und wieder deutlich mehr geübt. Russland empfindet das als Provokation, obwohl es selbst zuletzt riesige Manöver abhielt.

Was ist das Szenario der Nato-Übung?

In der ersten Runde von "Trident Juncture" werden von Ländern wie Deutschland, Italien und Großbritannien gebildete "südliche Kräfte" einen Angriff von "nördlichen Kräften" abwehren. Letztere sollen unter anderem aus Truppen der USA, Kanadas und Norwegens bestehen. In der zweiten Runde sieht das Szenario nach Bündnisangaben dann einen Gegenangriff der "südlichen Kräfte" auf die "nördlichen Kräfte" vor.

A Norwegian soldier is seen on board a cargo ship as German military equipment is unloaded at Fredrikstad, Norway, September 7, 2018. Some 40,000 soldiers from more than 30 countries will take part in NATO's

Bild: X03825

Wird bei "Trident Juncture" auch das Schießen trainiert?

Ja, allerdings eher am Rande und nur auf Übungsplätzen. Hauptziel ist es, das internationale Zusammenspiel von Truppen zu trainieren. Es soll gezeigt werden, dass die Nato Kräfte innerhalb kürzester Zeit in Stellung bringen, einsetzen und versorgen kann. Bei den Luftübungen geht es unter anderem darum, das Zusammenwirken von modernen Luftstreitkräften mit Patriot-Flugabwehrsystemen zu üben.

Spielen auch offensive Cyberwaffen eine Rolle?

Also, zum Beispiel solche, die Computer- und Telekommunikationsnetze lahmlegen können?

Das ist offen. Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg bestätigte am Mittwoch lediglich, dass es einen Cyber-Teil in dem Manöver geben werde. Details wollte er allerdings nicht nennen.

Deutschland ist nach den USA mit rund 10.000 Soldaten größter Truppensteller bei der Übung.

Ist das Zufall?

Nein. Für die Bundeswehr ist die Großübung eine besondere Bewährungsprobe. Sie übernimmt im kommenden Jahr die Führung der schnellen, im Zuge der Ukraine-Krise aufgestellten Nato-Eingreiftruppe VJTF. In Norwegen soll sie unter Beweis stellen, dass sie für die Aufgabe gerüstet ist.

Für Deutschland ist das Manöver zudem eine Gelegenheit, Donald Trump zu demonstrieren, dass es bereit ist, mehr Verantwortung für die Sicherheit Europas zu übernehmen. Der US-Präsident fordert seit seinem Amtsantritt deutlich höhere Verteidigungsausgaben von der Bundesregierung und hat sogar schon mit einem Nato-Austritt gedroht, sollten die europäischen Alliierten nicht mehr Anstrengungen in dem Bereich unternehmen.

A Norwegian soldier stands guard as German military equipment is unloaded at Fredrikstad, Norway, September 7, 2018. Some 40,000 soldiers from more than 30 countries will take part in NATO's

Bild: X03825

Was sagt Russland zu der Übung?

Die Regierung in Moskau vertritt die Meinung, das Großmanöver der Nato trage weiter zur Destabilisierung in der Region bei. Rückendeckung bekommt sie dabei sogar aus dem deutschen Bundestag. Die russische Seite werde es sich nicht nehmen lassen, im Gegenzug ebenfalls aufzurüsten und Militärmanöver zu starten, kommentiert der Linken-Bundestagsabgeordnete Alexander Neu.

Die gesamte Übung sei "eine einzige Provokation und Drohgebärde gegenüber Russland". Neu verwies zudem darauf, dass die Nato-Staaten zuletzt mehr als 14-mal so viel Geld für die Verteidigung ausgegeben hätten wie Russland. "Russland hat momentan weder die materiellen noch die finanziellen und auch nicht die personellen Fähigkeiten, um die Nato überhaupt erfolgreich angreifen zu können."

Military vehicles and helicopters in motion during a parade on training ground

Militärische Übungen in Russland Bild: AP

In Deutschland gab es zuletzt viele Diskussionen um Ausrüstungsmängel bei der Bundeswehr. Exemplarisch dafür steht ein Bericht, nach dem Soldaten 2015 bei einem Nato-Manöver die fehlende Bewaffnung von Transportpanzern durch schwarz angestrichene Besenstiele ersetzten. 

Ist bei "Trident Juncture" Ähnliches zu befürchten?

"Besenstiele an Panzern kann ich ausschließen, Besenstiele zum Reinigen unserer Unterkünfte nicht", sagt Brigadegeneral Michael Matz (59). Seinen Angaben zufolge haben die deutschen Soldaten alles, was sie für eine erfolgreiche Teilnahme am Manöver brauchen. Selbst für den Fall, dass die Temperaturen tief unter den Gefrierpunkt fallen, sollen sie gut ausgerüstet sein.

(sg/dpa)

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