20.01.2021, USA, Washington: Die amerikanische Dichterin Amanda Gorman liest ein Gedicht vor w

Amanda Gorman beim Vortrag ihres Gedichts am Tag der Amtseinführung Joe Bidens. Bild: dpa / Patrick Semansky

"Time"-Magazin hebt junge Poetin Amanda Gorman aufs Cover – Michelle Obama interviewt sie

Amanda Gorman ist auf bestem Weg, ein Star der US-amerikanischen Popkultur zu werden. Die Wochenzeitschrift "Time" hat der 22-jährigen Autorin jetzt das Cover der aktuellen Ausgabe gewidmet. Gorman hatte bei der Amtseinführung von Präsident Joe Biden am 20. Januar Millionen Menschen weltweit mit dem Vortrag ihres Gedichts "The Hill We Climb" begeistert. Im Heft findet sich ein Interview mit Gorman.

Die Interviewerin ist Michelle Obama – Ehefrau des ehemaligen Präsidenten Barack Obama, Bestsellerautorin und seit Jahren ein globales Idol für Progressive.

Obama spricht mit Gorman unter anderem darüber, wie es möglich ist, ausgerechnet Lyrik cool zu machen. Etwas, das Gorman offensichtlich schon geschafft hat: Die Clips ihres Gedichtvortrags bei Bidens Inauguration wurden millionenfach abgerufen. Die beiden afroamerikanischen Frauen erzählen in dem "Time"-Interview einander außerdem über das "Hochstapler-Syndrom", das beide zu unterschiedlichen Zeitpunkten erfasst habe: Obama 2007, während der Präsidentschaftskandidatur ihres Mannes Barack – und Gorman während ihres Vortrags bei Bidens Amtseinführung.

Als Hochstapler-Syndrom bezeichnet man ein psychologisches Phänomen: Wer davon betroffen ist, den plagen massive Selbstzweifel an den eigenen Fähigkeiten, Leistungen und Erfolgen.

Obama spart in dem Gespräch nicht an Komplimenten für Gorman. An einer Stelle sagt die vormalige First Lady der jungen Poetin:

"Du hattest immer schon Haltung und Anstand. Aber als ich Dich dabei beobachtet habe, wie Du Dich auf diese Weise an das ganze Land gerichtet hast, dachte ich mir einfach nur: Ja, dieses Mädchen ist wirklich über sich hinaus gewachsen."

Obama ergänzt: "Das hat mich sehr glücklich gemacht."

Gorman wiederum nennt Michelle Obama ein Vorbild – und erklärt, dass sie sich von deren Rede beim Nominierungsparteitag der US-Demokraten im Jahr 2016 für die damalige Kandidatin inspirieren hat lassen. Die damalige First Lady sagte, mit Bezug auf das Weiße Haus in der US-Hauptstadt Washington: "Jeden Morgen wache ich in einem Haus auf, das von Sklaven errichtet wurde.

First Lady Michelle Obama delivers remarks at the International Jazz Day celebration at the White House in Washington D.C. on April 29, 2016. The First Lady welcomed high school students from around the country for a jazz workshop featuring jazz legends Herbie Hancock (2nd-R), Dee Dee Bridgewater (C), Bobby Watson (2nd-L) and Terrence Blanchard. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxONLY WAP20160429307 KEVINxDIETSCH

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Michelle Obama im Jahr 2016 im Weißen Haus. Bild: imago stock&people / UPI Photo

Obamas Interview mit Gorman ist Teil der "Time"-Ausgabe unter der Überschrift "Black Renaissance", also "Schwarze Renaissance". Es umfasst unter anderem auch eine Analyse des Rassismus-Experten Ibrahim X. Kendi,

Obama fragt Gorman in ihrem Interview auch, ob sie einen Ratschlag für junge Schwarze Mädchen hat, damit die sich "ihren Weg ins Rampenlicht verdienen". Die Autorin Gorman sagt daraufhin, sie lerne einerseits noch, mit dem Ruhm und der Aufmerksamkeit der Medien zurechtzukommen. Andererseits konzentriere sie sich auf das "große Ganze". Gorman wörtlich:

"Du musst dich wirklich selbst krönen – mit der Überzeugung, dass das, wofür ich stehe und wofür ich hier bin, weit über die Gegenwart hinausgeht."

Weiter sagt sie:

"Ich lerne gerade, dass ich nicht ein Blitz bin, der einmal einschlägt. Ich bin ein Hurrikan, der jedes Jahr wiederkommt. Ihr könnt darauf warten, mich bald wiederzusehen."

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Lyrik als Youtube-Hit: Armanda Gorman beim Vortrag ihres Gedichts "The Hill We Climb". Video: YouTube/CNBC Television

Diese selbstbewusste Ansage Gormans erfüllt sich schon sehr bald ganz konkret. Am Sonntag, während des Super Bowls – des Endspiels der Profi-Football-Liga NFL – wird sie ein Gedicht vortragen, das drei "Ehrenkapitänen" gewidmet sein soll: drei Menschen, die ihr Leben im Kampf gegen die Covid-19-Pandemie verloren haben. Der Super Bowl ist das mit Abstand größte Sportereignis der USA, weltweit schauen Jahr für Jahr hunderte Millionen Menschen zu.

Es ist auch nicht die erste forsche Ansage Gormans. In Fernseh-Interviews hat sie mehrfach erwähnt, man solle sich den 20. Januar 2037 vormerken. Dann, sagte Gorman, werde sie als Präsidentin der USA vereidigt werden. Die Autorin wäre zu diesem Zeitpunkt 37 Jahre alt – und hätte somit die Altersgrenze von 35 Jahren überschritten. Erst dann darf man in den USA Präsident werden. Oder eben Präsidentin.

(se)

USA kehren in den UN-Menschenrechtsrat zurück

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