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epa05395144 Israeli soldiers driving their Armored Personnel Carriers (APCs) at sunset during a training exercise in the Golan Heights, near the Israel border with Syria on 27 June 2016. Israeli army has conducted almost a weekly military exercises on its border with Syria in the Golan Heights in past years. EPA/ATEF SAFADI +++(c) dpa - Bildfunk+++ |

Ein israelischer Panzer auf den Golanhöhlen, nahe der syrischen Grenze. Bild: EPA

Vergesst Russland und die USA! In Syrien droht Krieg zwischen Iran und Israel

Peter Blunschi

Im syrischen Pulverfass genügt ein Funke für eine Explosion, manchmal weniger. In der Nacht zu Dienstag kam es zu einem Einsatz der syrischen Flugabwehr. Staatliche Medien berichteten über einen Angriff israelischer Kampfjets auf verschiedene Ziele. In Russland und Israel wurde die Meldung ebenfalls verbreitet. Später stellte sich heraus: Es war falscher Alarm.

Die Nerven der Länder liegen blank

Mehr als sieben Jahre dauert der Bürgerkrieg in Syrien, doch nie war die Nervosität so groß wie jetzt. Dazu trägt der mutmaßliche Giftgaseinsatz in der Stadt Duma bei, der einen Militärschlag der USA, Großbritanniens und Frankreichs zur Folge hatte. Wenig beachtet, aber weitaus brenzliger, ist eine andere Konfrontation zweier Staaten, die in Syrien aktiv sind.

"Steuern Iran und Israel auf ihren ersten direkten Krieg zu?", fragt der "New York Times"-Kolumnist Thomas Friedman.

In den letzten Wochen habe ein direkter Schlagabtausch in Syrien begonnen. Im Februar schoss Israel eine iranische Drohne über seinem Staatsgebiet ab. Am 9. April folgte ein israelischer Luftangriff auf einen iranischen Stützpunkt in Syrien.

Worum geht es?

In einem Punkt sind sich Jerusalem und Teheran einig: Beide wollen, dass das Assad-Regime an der Macht bleibt.

Iran und Israel brauchen Assad

Zwar gibt es den ungelösten Konflikt um die Golanhöhen, die Israel im Sechstagekrieg 1967 von Syrien erobert hat. Dennoch hat man sich mit den Diktaturen von zuerst Vater Hafiz und nun dessen Sohn Baschar al-Assad arrangiert. Die Regierung ist für Israel "der Teufel, den wir kennen".

Golanhöhlen

Die UN muss die Waffenstillstandslinie auf den Golanhöhen absichern. Bild: XinHua

Für Iran ist Syrien der wichtigste Verbündete in der arabischen Welt. Ohne die Militärhilfe der iranischen Revolutionsgarde (sowie der libanesischen Hisbollah und schiitischen Milizen aus dem Irak oder Afghanistan) hätte Assad den Bürgerkrieg wohl verloren. Israel verfolgt diese Aktivitäten mit Sorge, es fürchtet eine dauerhafte Militärpräsenz des Erzfeindes Iran an seiner Grenze.

Dies bedeute eine "Bedrohung für Israels Sicherheit", sagte Gilad Erdan, der Minister für innere Sicherheit des Landes, am Sonntag im Armeeradio. "Wir werden dem Iran nicht erlauben, sich in Syrien festzusetzen", ergänzte Bildungsminister Naftali Bennett. Israel gestehe sich "volle Handlungsfreiheit" zu, sagte der Ultranationalist.

Was bedeutet das?

Israel hat in den letzten Jahren wiederholt Ziele in Syrien angegriffen. Meist ging es dabei um Nachschublieferungen für die Hisbollah, die sich an der libanesischen Grenze festgesetzt hat.

Konflikte im Luftraum eskalieren

Am 10. Februar jedoch schoss ein Helikopter eine Drohne der iranischen Revolutionsgarde ab, die in den israelischen Luftraum eingedrungen war. Letzte Woche enthüllte das israelische Militär, dass die Drohne nicht auf einer Aufklärungsmission gewesen sei, sondern Sprengstoff transportiert habe.

Golanhöhen: Ein israelisches Raketenabwehrsystem «Iron Dome» (r) wird an der israelisch-syrischen Grenze in den Golanhöhen stationiert. Nach dem Abschuss eines israelischen Kampfflugzeuges hat Israels Ministerpräsident Netanjahu Syrien und dessen Verbündeten Iran vor einer neuen gefährlichen Konfrontation in Nahost gewarnt. Die syrische Luftabwehr feuerte nach israelischen Angaben rund 20 Raketen ab, getroffen wurde dabei ein israelischer Kampfjet des Typs F-16, der nahe der Ortschaft Harduf im Norden Israels zerschellte

Das israelische Raketenabwehrsystem "Iron Dome". Bild: XinHua

Ein Armeesprecher sagte, die Drohne habe "einen Sabotageakt auf israelischem Gebiet" verüben sollen. Am 9. April, als die Weltöffentlichkeit vom mutmaßlichen Einsatz von Chemiewaffen in Syrien geschockt war, griffen israelische Kampfjets den Luftwaffenstützpunkt T4 in der syrischen Provinz Homs an. Mehrere Iraner starben, darunter angeblich der Kommandeur der Drohnen-Einheit.

"Es war das erste Mal, dass wir aktive iranische Ziele – Einrichtungen und Menschen – angegriffen haben", sagte eine hohe Quelle im israelischen Militär der "New York Times". Offiziell gibt es dafür keine Bestätigung.

Indirekt droht Israel aber im Fall eines Gegenschlags mit einem Großangriff auf Irans militärische Infrastruktur in Syrien. Am Dienstag ließ die Regierung Karten verteilen, auf denen fünf Stützpunkte verzeichnet sind. Die Botschaft war klar: Wir wissen, wo ihr seid!

Wie könnte eine Eskalation aussehen?

Iran will gemäß der "New York Times" in Syrien mehrere Luftwaffenbasen errichten, ebenso eine Fabrik für Raketen, die dank GPS-Steuerung Ziele in Israel sehr genau treffen könnte.

Sicherheitskreise in Israel betonen, man werde keinesfalls den gleichen Fehler machen wie im Libanon, wo die Hisbollah ein Arsenal mit angeblich 130.000 Raketen aufgebaut hat.

March 11, 2014 - Israel - Trilingual sign warns of approaching the Israeli-Lebanese border where open access agricultural land allows unintentional access to the border. Israeli-Lebanese border remains tense in spite of Hezbollah pre-occupation in the Syrian civil war. Israel asses the terror organization s aim is to obtain high quality weapons, payment for their assistance to Assad s Syrian regime, to be used in future armed conflicts with Israel. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAa12

March 11 2014 Israel trilingual Sign Warns of approaching The Israeli Lebanese Border Where Open Access Agricultural Country allows  Access to The Border Israeli Lebanese Border Remains Tense in spite of Hezbollah Pre OCCUPATION in The Syrian Civil was Israel Asses The Terror Organization S Aim IS to obtain High Quality Weapons Payment for their Assistance to Assad S Syrian Regime to Be Used in Future Armed conflicts With Israel PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY ZUMAa12

Ein Schild warnt an der israelisch-libanesischen Grenze. Die Spannungen sind auch hier enorm. Bild: imago stock&people

In letzter Zeit wurde laut über einen "Stellvertreterkrieg" im Libanon gegen die Hisbollah nachgedacht.

Israel hat Sorge vor einem großen Krieg

2006 versuchte Israel in einem 33-Tage-Krieg schon einmal, die Schiitenmiliz militärisch zu bezwingen. Weil man sich weitgehend auf Luftangriffe beschränkte, wurde die Hisbollah kaum geschwächt, dafür ein großer Teil der libanesischen Infrastruktur zerstört.

In Israel ist man sich bewusst, dass die Hisbollah nur mit einem massiven und verlustreichen Einsatz von Bodentruppen besiegt werden kann. Vielleicht zögert man deshalb. Eine andere Möglichkeit wäre ein direkter Luftschlag Israels auf Ziele im Iran.

Was sind Irans Motive?

Die schiitischen Iraner wollen ihren Einfluss in den sunnitisch dominierten arabischen Ländern ausweiten. Sie engagieren sich militärisch nicht nur in Syrien und Libanon, sondern auch im Irak und Jemen, was in Israel und Saudi-Arabien für Alarmstimmung sorgt.

Zu den treibenden Kräften gehört Qassem Soleimani, der Kommandant der al-Quds-Einheit der Revolutionsgarde. Er ist für Auslandseinsätze zuständig. Er war wiederholt in Syrien anwesend. Er gehört zu den Hardlinern.

epa05546056 A handout picture made available by the Iranian supreme leader's official website showing Iranian Quds Force Head, General Ghasem Soleimani (C) along other commanders during a meeting with Iranian supreme leader Ayatollah Ali Khamenei in Tehran, Iran, 18 September 2016. Reports state the meeting was held on the occasion of the national 'Sacred Defense Week' which commemorates the 1980-1988 Iran-Iraq war. EPA/LEADER OFFICIAL WEBSITE / HANDOUT HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES +++(c) dpa - Bildfunk+++ |

Irans Kommandant Soleimani. Bild: LEADER OFFICIAL WEBSITE

Im iranischen Volk sind Militäreinsätze im Ausland unpopulär, sie verschlingen Milliarden. Darunter leidet auch die Wirtschaft. Die Währung, der Rial, strauchelt.

Was machen Putin und Trump?

Wladimir Putin will Baschar al-Assad an der Macht halten. In diesem Punkt ist er sich mit dem Iran und Israel einig.

Ansonsten verbindet die Russen mit dem Iran nur ein Zweckbündnis, das schnell in Rivalität um Einfluss in Syrien umschlagen könnte. Die Sanktionen gegen Iran wegen des Atomprogramms hat Russland stets unterstützt.

Auch Israel gegenüber bleibt Putin misstrauisch

Unklar ist, was von den USA zu erwarten ist. Präsident Donald Trump scheint wild entschlossen, seine Soldaten aus dem syrischen Hexenkessel zurückzuziehen, obwohl der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu ihn davon abhalten will.

Am Mittwochabend beginnen in Israel die Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag der Staatsgründung. Die Kriegsgefahr trübt die Stimmung. "Wir befinden uns leider auf Kollisionskurs in Syrien", sagte Itamar Rabinovich, der frühere Botschafter in Washington, dem Magazin "The New Yorker".

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