International

Herzegowina-Kroaten erleiden Wahlschlappe in Bosnien

Die Wahl des dreiköpfigen Staatspräsidiums in Bosnien-Herzegowina hat den Kroaten in der Herzegowina eine schwere Niederlage beschert. Statt ihres jahrelangen Führers Dragan Covic werde der Kroate Zeljko Komsic ins höchste Amt des kleinen Balkanstaates einziehen, teilte die staatliche Wahlkommission am Montagmorgen in Sarajevo mit. Der Unterlegene kündigte an, jetzt sei "eine nie gesehene Krise" möglich. Schon im Wahlkampf hatte der Nationalist Covic angekündigt, im Falle einer Niederlage wolle seine Nation die politischen Gremien im ganzen Land lahmlegen.

Zeljko Komsic, Democratic Front (DF) attends a news conference where he declared himself the winner of the Croat seat of the Tri-partite Bosnian Presidency in Sarajevo, Bosnia and Herzegovina October 7, 2018. REUTERS/Fedja Krvavac

Zeljko Komsic Bild: X80002

"Ihr könnt für die Kroaten nicht ihren Präsidenten wählen", sagte Covic mit Blick auf die Bosniaken.

Für die Muslime wird Sefik Dzaferovic ins Präsidium einziehen, berichtete die Wahlkommission weiter. Er gehört der größten muslimischen Partei SDA an. Die Serben sind danach in Zukunft mit ihrem langjährigen Führer Milorad Dodik vertreten.

Dragan Covic, President of the Croatian Democratic Union (HDZ), attends a news conference in Mostar, Bosnia and Herzegovina October 7, 2018. REUTERS/Denis Kapetanovic

Dragan Covic Bild: X80002

Während diese beiden Spitzenpolitiker für die Rechte ihres jeweiligen Volkes kämpfen tritt der Sozialdemokrat Komsic für einen bürgerlichen Staat ein. Für ihn steht der Einzelne im Mittelpunkt und nicht die Nation. Folgerichtig sagte er am Wahlabend: 

"Ich werde allen Bürgern dienen, auch wenn sie mich nicht gewählt haben."

Obwohl nur etwas mehr als die Hälfte der 3,4 Millionen Wähler an der Abstimmung teilgenommen hatte, dauerte es mehr als fünf Stunden nach Schließung der Wahllokale, bis die Wahlkommission erste Ergebnisse mitteilte. Resultate für das ebenfalls gewählte Bundesparlament, die Parlamente der beiden fast selbstständigen Landesteile und ihre Präsidenten sollen erst im Laufe des Montags folgen, kündigte die Kommission an.

(sg/dpa)

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