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5 Konsequenzen – Was ein Wahlsieg des Rechten Bolsonaro für Brasilien bedeuten würde 

Brasilien wählt. Als Favorit gilt der Rechte Jair Bolsonaro, sein größter Rivale ist Fernando Haddad von der Arbeiterpartei. Erhält keiner der beiden die absolute Mehrheit, kommt es in drei Wochen zur Stichwahl. Abzusehen ist aber schon jetzt, was ein Sieg des Rechten Bolsonora für das Land bedeuten würde. 

5 Folgen des drohenden Umbruchs in Brasilien.

Trumps Schatten auf Südamerika

Trouble ahead

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Jair Bolsonaro wird der "Trump Brasiliens" genannt. Er setzt auf Soziale Medien und verherrlicht Brasiliens Militärdiktatur zwischen 1964 und 1985. Vom Wahl-Slogan "America First" des US-Präsidenten Donald Trump inspiriert, erhebt er den Anspruch "Brasilien zuerst". Sein Sieg könnte auch in Südamerika dem Rechtspopulismus Auftrieb geben. Sollte ein Linkskandidat wie Fernando Haddad gewinnen, befürchten nicht wenige, dass das Militär eingreifen könnte. Das Land ist tief gespalten, Gewalt und Krisen lassen die Sorgen vor einem "zweiten Venezuela" wachsen, wie Bestseller-Autor Paulo Coelho in der Zeitung "Die Welt" sagte.

"Ich habe große Angst um mein Land."

Paulo Coelho, Autor

Das Land ist groß und wichtig

Sei es bei Klimaverhandlungen, Vermittlungen im Iran-Atomkonflikt oder bei der Leitung der UN-Mission in Haiti – Brasilien war lange Zeit ein Schlüsselakteur auf internationaler Ebene. In den vergangenen Jahren isolierte sich das Land zunehmend. Die meisten europäischen Staats- und Regierungschefs machten wegen der Korruptionsaffären und der umstrittenen Absetzung von Politikerin Dilma Rousseff einen Bogen um den Palast von Präsident Michel Temer. Dabei wird das Land gebraucht – auch als Krisenvermittler in Südamerika.

Umwelt 

Es geht auch um den Regenwald

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Bild: dpa

Im brasilianischen Kongress gibt es eine starke Lobby der Agrarunternehmer. Die Abholzung im Amazonas-Regenwald hat zugenommen, um Wasserkraftwerke zu bauen und Sojaflächen zu schaffen. Damit wird Futter produziert für den steigenden globalen Fleischkonsum. Der Regenwald gilt als ein Kippelement, also schwindender Faktor, für das sich ohnehin aufheizende Weltklima. Durch die Abholzung kann weniger Kohlendioxid aufgenommen werden. 2015/2016 wurde zum Beispiel durch den Waldverlust eine zusätzliche Kohlendioxidmenge freigesetzt, die das Doppelte der jährlichen Emissionen von ganz Portugal entsprach. Zudem werden indigene Völker vertrieben.

Strategische Allianzen

China baut überall in Lateinamerika die Infrastruktur aus und bekommt Zugriff auf Rohstoffreserven – auch weil Europa Südamerika lange vernachlässigt hat. Kommt es durch die Handelspolitik von US-Präsident Donald Trump zu einer stärkeren Kooperation zwischen der EU und Südamerika? Brasilien ist im Wirtschaftsbündnis Mercosur (Abkürzung für "Gemeinsamer Markt Südamerikas") der Schlüsselstaat, um eines der größten Freihandelsabkommen der Welt mit der EU zu schaffen. Insgesamt sind rund 1.600 Deutsche Unternehmen in Brasilien aktiv.

Kampf gegen die Korruption

Der Korruptionsskandal "Lava Jato" (also: "Autowäsche") hatte seinen Ausgangspunkt in der Regierungszeit von Präsident Lula da Silva. Der war lange Favorit für die Wahl, sitzt nun aber wegen Korruptionsvorwürfen im Gefängnis. Jahrelang war es in Brasilien Usus, dass bei Auftragsvergaben ein paar Prozent der Vertragssumme an Politiker und Parteien flossen. Zunächst ging es nur um den Ölkonzern Petrobras, doch das Ganze weitete sich zu einem lateinamerikaweiten Skandal um den Baukonzern Odebrecht aus. Wird der neue Präsident die Ermittlungen unterstützen? Harte Strafen könnten positive Folgen für die Wirtschaft haben: Es könnte ausländische Konzerne anlocken, nicht mehr zum Schmieren gezwungen zu sein, um an Aufträge zu kommen.

Vor allem aber geht es um die Menschen in Brasilien. Versinkt das Land in der Diktatur? Oder im Korruptionssumpf? Oder erhalten die Menschen ihren Anteil am Reichtum des Landes? 

(afp, dpa)

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