International
party style man in black suit red butterfly woman in black clothes red manicure drink champagne

Einem Journalisten wird vorgworfen, Abmachungen nicht eingehalten zu haben. Bild: getty images

Journalist führt Edelprostituierte vor – und bekommt Tage später die Rechnung

Dennis Frasch / watson.ch

Man stelle sich vor, man geht mit einem Kundem zum Geschäftsessen. Das Gespräch läuft gut, man ist sich sympathisch und plaudert auch bald über Persönliches. Ein paar Tage oder Wochen später liest man über die ausgetauschten Intimitäten in der Zeitung. Genauer gesagt in der Weltwoche. Glaubt man Salomé Balthus, ist dies genau so geschehen.

Die Edelprostituierte und Kolumnistin Salomé Balthus wurde dieses Jahr einer breiten Öffentlichkeit bekannt, weil Journalist Roger Schawinski sie vor laufender Kamera über Missbrauchserfahrungen in der Kindheit befragte. Der Fall wurde in den Medien breit diskutiert, auch weil Balthus von ihrem damaligen Arbeitgeber, der "Welt", gefeuert wurde, nachdem sie in einem Text entsprechende Vorwürfe erhoben und dabei Schawisnki falsch zitiert hatte.

Bild

Salomé Balthus bei einem Auftritt im Schweizer Fernsehen. Bild: SRF

Die Wogen haben sich mittlerweile geglättet, Schawinski und seine gleichnamige Talksendung wurden abgesetzt – aus Spargründen.

Nun erhitzt Klara Johanna Lakomy, wie Balthus mit richtigem Namen heißt, wieder die Gemüter. Sie twitterte:

Balthus beschuldigt den Weltwoche-Journalisten Roman Zeller, eine Geschichte über ein Treffen der Beiden ohne ihr Einverständnis niedergeschrieben und nun veröffentlicht zu haben.

Zeller habe sie in Berlin privat als Escort gebucht, nachdem er monatelang versuchte, ein Interview mit ihr zu führen.

Balthus willigte ein, weil "er mir ein bisschen leid tat". Bedingung sei jedoch gewesen, dass das Gespräch nicht journalistisch verwendet würde. Daran hielt sich Zeller offensichtlich nicht.

Intimitäten bei Rotwein und Kalbskotelett

Bei dem dreiseitigen Artikel handelt es sich um eine Nacherzählung des Treffens aus der Sicht Zellers. Seiner Ansicht nach war es ein Gespräch "über Kunst, Philosophie und Sex".

Die beiden trafen sich in Berlin und gingen in ein vornehmes Restaurant. Dort sprachen sie bei Rotwein und Kalbskotelett über Schawinski, ein bisschen über Nietzsche und viel über Sex. Darüber, wie Balthus als 26-Jährige zu ihrem Beruf gekommen ist und wie der Sex mit den Kunden so abläuft. Dabei gab sie sehr viel Persönliches preis.

Zeller beschreibt auch, wie Balthus ihm immer näher gekommen sei. Als er ihr das Du anbot, hätte sie mit folgenden Worten abgelehnt: "Wenn ich dich jetzt duze, habe ich weniger Respekt, und das macht mich nur noch schärfer. Ich sag's nur. Wir müssen aufpassen."

Journalist kassiert Quittung und erntet öffentliche Empörung

Die Weltwoche war auch nach mehreren Versuchen nicht für eine Stellungnahme zu erreichen. Gegenüber "20 Minuten" sagte Roger Köppel, Chefredaktor der Weltwoche:

"Roman Zeller hat sich korrekt als Weltwoche-Journalist zu erkennen gegeben und einen geradezu euphorischen Artikel über eine sehr intelligente Frau geschrieben."

Die Reaktionen auf Twitter fallen hingegen ganz anders aus. Die meisten User fordern eine Anzeige gegen Zeller und finden sein Verhalten eines Journalisten unwürdig.

Sollte Balthus Zeller tatsächlich nur unter der Bedingung, dass das Gespräch nicht journalistisch verwendet wird, getroffen haben, so würde das auf jeden Fall eine Verletzung des Journalistenkodex darstellen.

Unter Punkt 7.1 – "Schutz der Privatsphäre" steht nämlich:

Jede Person – dies gilt auch für Prominente – hat Anspruch auf den Schutz ihres Privatlebens. Journalistinnen und Journalisten dürfen im Privatbereich keine Ton-, Bild- oder Videoaufnahmen ohne Einwilligung der Betroffenen machen (Recht am eigenen Bild und Wort).

Weiter steht unter Punkt 4.5 – "Interview":

«Das Interview basiert auf einer Vereinbarung zwischen zwei Partnerinnen / Partnern, welche die dafür geltenden Regeln festlegen. [...] Im Normalfall müssen Interviews autorisiert werden. Ohne ausdrückliches Einverständnis des Gesprächspartners sind Medienschaffende nicht befugt, aus einem Gespräch nachträglich ein Interview zu konstruieren.

Ob es zu einer Anzeige kam oder kommen wird, ist bis jetzt nicht bekannt.

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Iran gesteht Flugzeug-Abschuss – und entfacht zornige Proteste

Nach tagelangen Dementis hat der Iran nun zugegeben, eine ukrainische Passagiermaschine versehentlich abgeschossen zu haben. Die Revolutionsgarden übernahmen am Samstag die volle Verantwortung für das Unglück, bei dem 176 Menschen starben. Das Verkehrsflugzeug sei irrtümlich für einen Marschflugkörper gehalten worden, erklärte der für die Luftwaffe zuständige Kommandant der Revolutionsgarden, Amirali Hadschisadeh.

Viele Iraner fragten in sozialen Medien, warum der Flughafen Teherans nicht …

Artikel lesen
Link zum Artikel