International
Bild

Tina Chittom ist Übersetzerin und Mitglied der "Republican Overseas". Sie wird Donald Trump wählen. ZDF/Screenshot

Trump-Anhängerin macht Markus Lanz sprachlos: "Das überfordert mich emotional"

In knapp einem Monat wird in den USA gewählt. Nach seiner Corona-Infektion ist Amtsinhaber Donald Trump nun ins Weiße Haus zurückgekehrt und inszeniert sich wieder als starker Mann, während er das Virus kleinredet. Dafür feiern ihn seine Befürworter – auch Tina Chittom, die am Mittwochabend bei "Markus Lanz" zu Gast ist. Doch das, was sie dort sagt, bringt nicht nur alle Studio-Gäste zur Verzweiflung, sondern macht Moderator Markus Lanz komplett sprachlos.

Bild

Die Gäste bei "Markus Lanz" (v.l.n.r.): Christian Berkel, Tina Chittom, Sandra Navidi und Prof. Dirk Brockmann. Zugeschaltet war noch Elmar Theveßen aus Washington. ZDF/Screenshot

Während zu Beginn der Sendung der Washington-Korrespondent Elmar Theveßen die aktuelle Lage in den USA analysiert und zu analysieren versucht, welche Auswirkungen Trumps Covid19-Erkrankung auf den US-Wahlkampf hat, dauert es danach nicht lange, bis eine hitzige Debatte losbricht.

Zunächst erklärt Tina Chittom, die Mitglied der "Republican Overseas" und treue Trump-Anhängerin ist, dass auch sie das Virus nicht für gefährlich halte: "99 Prozent der unter 70-Jährigen überleben. Ich finde, das wird medial so aufgebauscht. Einfach so die größte Wirtschaft der Welt zuzumachen, hat schlimmere Konsequenzen." Direkt hier versucht Moderator Markus Lanz schon einzuhaken und fragt nach, wie sich die Übersetzerin die mehr als 200.000 Corona-Toten im Land erkläre.

"Das ist der Lauf der Welt. Es gibt so Viren eben."

Tina Chittom

Amerikanerin bringt Studio-Gäste bei "Markus Lanz" zum Verzweifeln

"Das erklärt nicht die vielen Toten", erwidert Lanz und verweist auf die niedrigen Todesraten in Deutschland. "Ich bin keine Epidemiologin. Das Ganze wird politisiert", sagt Chittom dazu. Dann versucht der Moderator darauf einzugehen, dass Trump die Maske ideologisiere, weil er sie auch nicht trage.

"Man weiß ja auch nicht, ob die wirklich funktionieren", antwortet die Republikanerin kurz. Als mehrere Gäste gleichzeitig auf sie einreden und ihr sagen, dass man das sehr wohl wisse, verweist sie auf Schweden, wo es auch "keine Toten gäbe". "Doch, sogar zehnmal so viele als in Finnland oder Norwegen", erwidert Lanz. Doch das will Chittom gar nicht hören.

Auf alles scheint Chittom eine Antwort zu haben: "Warum hat Trump nicht schneller auf Corona reagiert?" "Weil er keine Panik machen wollte." - "Er hat einfach nichts getan." - "Doch, er hat einen Plan mit seinen Beratern ausgearbeitet." Dann mischt sich der Physiker Prof. Dirk Brockmann ein. Als Digital-Epidemiologe vom RKI analysiert er das aktuelle Corona-Infektionsgeschehen und er hat eine klare Meinung gegenüber der Amerikanerin: "Faktisch ist alles falsch, was Sie gesagt haben."

Bild

Prof. Dirk Brockmann warnt: "An unseren Nachbarländern zeigt sich, was für ein Potenzial in der Pandemie steckt." ZDF/Screenshot

Während Trump lieber Golf gespielt habe, gab es den höchsten Anstieg an Neuinfektionen in den USA und auch jetzt würde er nur einfach sagen: "Habt keine Angst!" Diese Tatsachen machen den Experten und seine Kollegen sprachlos. "Ich finde das eine gute Sache", sagt die Übersetzerin dazu und ergänzt: "Soll man sich unterm Bett verstecken und die Wirtschaft lahmlegen? Dann begehen die Leute Selbstmord." Ihrer Meinung nach läge die Panik daran, dass die Menschen zu säkular geworden seien. Für sie ist das eine "religiös-kulturelle Frage". Als es in den 60er Jahren auch einen Virus aus Hongkong gab, seien die Hippies "ganz locker" damit umgegangen.

"Die wissenschaftlichen Menschen tun so, als ob es die Pest wäre."

Tina Chittom

Trump-Anhängerin mit kruden Statistiken zu Schwarzen

Dann kann sich auch die Juristin Sandra Navidi nicht mehr halten, die selbst in New York lebt: "Deshalb ist die USA jetzt dort, wo sie ist: weil sie Wissenschaftler leugnet." Trump sei ein "Superspreader von Missinformationen und vom Virus". Überall lasse er andere sagen, wie gut seine Gene seien. Sie nennt es "Sozialdarwinismus", bei dem gezeigt werden soll, dass nur die Starken überleben.

Bild

Sandra Navidi sieht Donald Trump als große Gefahr. ZDF/Screenshot

Dass Trump abfällig über Frauen rede, stört Tina Chittom auch nicht. Das sei "nichts Besonderes", sondern nur "Gerede unter Männern". Es scheint, als würde die Trump-Anhängerin keine Frage aus der Ruhe bringen. "Die Anhänger neigen dazu, alles zu entschuldigen und alles zu glauben. Es ist ein Personen-Kult", sagt Navidi dazu. Doch darauf kann Chittom nur ein sarkastisches "Ja, ganz bestimmt!" erwidern.

Schließlich verweist die Übersetzerin noch darauf, dass Afro-Amerikaner lediglich sechs Prozent der US-Bevölkerung stellten, jedoch für 40 Prozent der Gewaltverbrechen verantwortlich seien. Das liege auch daran, dass die schwarzen Väter einfach verschwinden würden und sich nicht kümmerten. Es scheine "deren Kultur" zu sein. "Welche Kultur", bohrt der Schauspieler und Autor Christian Berkel nach. Daraufhin verweist sie auf eine andere Sprache, die sich auch in der Rap-Musik widerspiegeln würde. Trump habe ihrer Meinung nach, "sehr viel für Afro-Amerikaner gemacht" – er habe Gefängnisse reformiert und Geld an "schwarze Unis" gegeben.

Wieso er dann keinen wirklichen Abstand zu den "Proud Boys" genommen habe? Diese Gruppierung, die auch als rechtsradikal eingeschätzt wird, wurde von Trump mit den Worten "Stand back, stand by" angesprochen – dass sie also bereitstehen sollen. Laut Navidi plane Trump sogar eine eigene Armee, die zur Wahleinschüchterungszwecken eingesetzt werden solle. Trump-Fan Chittom stellt klar, dass die "Proud Boys" nichts rechtsradikal, aber rechts seien. Jedoch sei für sie auch die "Black Lives Matter"-Bewegung "rassistisch gegen Weiße", weil sie "alle Schuld den Weißen" gebe.

Lanz mit emotionaler Ansprache

Da kann Berkel sich nicht mehr halten und sagt, die Bewegung sei wegen Polizeigewalt entstanden und weil ein Schwarzer zu Tode gewürgt worden sei. "Nein, nein, nein, das ist eine falsche Ansicht", sagt Chittom. "Das ist eine anarcho-marxistische Bewegung. Die gab es schon früher. Die wollen die Polizei abschaffen und die kapitalistische Gesellschaft umwälzen."

Bild

Christian Berkel (zweiter von links) kann nicht glauben, was er hört. ZDF/Screenshot

Dann reicht es auch Lanz und er mischt sich erneut ein: "Die Fronten sind so verhärtet. Wir könnten jetzt Argumente nennen, warum das falsch ist, aber das würde hier den Rahmen sprengen."

Dann wird er sehr ernst: "Ich habe Ihnen nichts vorgeworfen, aber das hier werfe ich Ihnen vor - dass Sie noch nicht einmal den Ansatz von einem Willen haben, aufeinander zuzugehen, dass die andere Seite vielleicht auch mal recht haben könnte. Wie soll das Land wieder zusammenfinden? Das ist so spalterisch. Das haben Sie auch hier gemacht."

Lanz erklärt, wie er Schwarze Kinder in Baltimore kennengelernt habe, die aus der Schule kommen, die alles im Leben werden könnten, aber dort links und rechts Drogendealern in die Hände liefen. "Sie negieren diese strukturellen Probleme", sagt er. Und dann wird es noch extremer.

Tina Chittom sagt:

"Das hat nichts mit Rassismus zu tun. Das hat soziologische Gründe. Oder auch genetische."

Lanz entsetzt: "Das ist so unterirdisch"

"Bitte was?", fragt Lanz völlig perplex nach. "Ja, man weiß es nicht", antwortet die Trump-Anhängerin, man habe das noch nicht erforscht. "Das ist die Grundlage von Rassismus", schiebt Berkel hinterher. "Ich denke ja auch nicht, dass es so ist, aber man weiß es nicht." "Das ist erforscht", sagt daraufhin Prof. Brockmann, "das ist die Definition von Rassismus". Diese Aussagen der Republikanerin machen Lanz sprachlos: "Das ist so unterirdisch. Auf dem Niveau sollten wir das nicht machen."

Trotzdem will er am Ende auch noch von ihr wissen, was passieren wird, falls Trump die Wahl verliert. Wird er das Ergebnis anerkennen? "Ja, wenn es keine Manipulation gibt." Erneut dreht sich das Thema um die Briefwahlen, die Trump unbedingt verhindern will. Chittom ist der Meinung, dass "die Linke" die Wahl nicht anerkennen wird, wenn Trump gewinnt. Auch beim letzten Mal sei das so gewesen, als sie mit den "Russlandgeschichten ankamen". "Ich habe nicht erwartet, dass die Diskussion so hart werden wird", sagt Lanz fast resignierend.

Moderator Markus Lanz und auch die anderen Gäste versuchen der Übersetzerin klarzumachen, dass Trump selbst gesagt habe, er würde eine Niederlage nicht akzeptieren. Doch die blühende Anhängerin der Republikaner ist der Meinung, man würde ihm nur die "Worte im Mund verdrehen". "Wenn einem die Demokratie am Herzen liegt, wieso feuert man den Chef der Post und lässt Briefkästen abbauen, wenn man will, dass die Briefwahl funktioniert?", versucht es Lanz noch einmal. "Die Briefwahl ist eine reale Gefahr", sagt Chittom nur dazu. Auch als ihr von Navidi erklärt wird, dass es sich bei den falschen Wahlzetteln um Einzelfälle handelt, bleibt sie bei ihrer Meinung.

"Der mächtigste Mensch der Welt ist nicht in der Lage, für ein funktionierendes System zu sorgen und drei Briefe zu transportieren", fragt Lanz provozierend nach. Doch auch hier kommt nur die Antwort, dass die "Gefahr real" sei.

"Das überfordert mich emotional!"

Markus Lanz

Der Moderator muss das Gespräch mit Tina Chittom beenden und sagt ihr nur, dass das Land dringend zusammenfinden müsse, wenn es nicht noch mehr Probleme haben wolle: "Aber ich bin der Letzte, der jetzt hier moralisieren sollte", fügt er hinzu. Markus Lanz beendet damit das Gespräch mit Tina Chittom und widmet sich den verbleibenden Minuten der Sendung noch anderen Themen, die im Sog der emotionalen Gefühle jedoch unterzugehen scheinen.

Noch mehr Design-Fails

Brust abtasten: So geht die Selbstuntersuchung

10 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
Jaisalmer
08.10.2020 13:59registriert October 2019
Diese Frau war unterirdisch, trotzdem bin ich zwiegespalten.
Ich denke, man hätte sie viel mehr ins Kreuzgefecht nehmen müssen und ihr vor allem nicht so viel Redezeit geben.
Aber auf der anderen Seite sieht man so mal, wie die Trump Wähler ticken. Man kann nur noch erschreckt den Kopf schütteln.
Armes Amerika!
2111
Melden
Zum Kommentar
10

Exklusiv

Große Umfrage unter Hotelbesitzern zum Beherbergungsverbots-Chaos: "Es ist eine Katastrophe"

Millionen Menschen, die in Corona-Risikogebieten in Deutschland wohnen, müssen ihre Herbstferien zu Hause verbringen.

Die meisten Bundesländer, darunter Brandenburg, Bayern und Hamburg, hatten am vergangenen Mittwoch beschlossen, dass Bürger aus Orten mit sehr hohen Corona-Infektionszahlen nicht mehr in Hotels, Pensionen oder Ferienwohnungen übernachten dürfen – es sei denn, sie können einen höchstens 48 Stunden alten negativen Coronavirus-Test vorweisen. Greifen soll dies für Reisende …

Artikel lesen
Link zum Artikel