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Ein AKW in Bayern. Bild: imago images / Westend61

Wer den Atomausstieg gewagt hat und wer fleißig neue Kraftwerke baut

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in Europa wird über die Atomkraft diskutiert. Welches Land plant was? Ein Überblick.

Lea Senn / watson.ch

Die 80er haben angerufen und wollen die Atomkraft-Diskussion zurück: Atomkraftwerke sind wieder Gegenstand der öffentlichen Debatte. Kernenergie ist umweltfreundlich, für einige Parteien kann sie Teil der Lösung im Kampf gegen den Klimawandel sein.

Nur: Unter Führung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Bundesregierung 2011 beschlossen, die Atomkraftwerke gestaffelt abzuschalten. Die drei letzten Anlagen gehen spätestens Ende 2022 vom Netz.

Atomkraft? Nein, danke

Und daran soll sich auch nichts ändern. "Der Ausstieg wird wie geplant vollzogen", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Mittwoch in Berlin.

Aber nicht überall in Europa sieht man die Atomkraft so skeptisch. In einer Erklärung des EU-Gipfels vergangene Woche haben die EU-Regierungschefs sich nicht nur auf Klimaneutralität bis 2050 verständigt, sondern auch auf diesen Satz: "Einige Mitgliedstaaten haben erklärt, dass sie als Teil ihres nationalen Energiemixes Kernenergie nutzen."

Hier seht ihr die Atompolitik weltweit:

Atomenergie in Zentraleuropa

Belgien will bis 2025 atomfrei sein. In Italien ist Atomkraft seit der Abschaltung der letzten beiden Kernkraftwerke im Jahr 1990 definitiv vom Tisch.

Frankreich hingegen setzt weiter auf Atomenergie. So wird zurzeit am dritten Reaktorblock in Flamanville gebaut. Ursprünglich sollte Framanville-3 im Jahr 2012 ans Netz gehen, inzwischen geht man von einem Start nicht vor 2023 aus. Doch Frankreich will den Anteil des Atomstroms in den nächsten fünf Jahren auf einen Viertel senken – und dazu beispielsweise das umstrittene AKW Fessenheim im kommenden Sommer außer Betrieb nehmen.

Eine geschichtsträchtige Atom-Vergangenheit hat unser Nachbar Österreich: Das erste österreichische Kernkraftwerk wurde 1969 in Zwentendorf an der Donau erbaut. Kurz vor der Inbetriebnahme 1978 fand als Folge einer großen Anti-Atomkraft-Bewegung eine Volksabstimmung statt. Die Österreicher entschieden mit 50,5 Prozent Nein-Stimmen, dass Zwentendorf nie ans Netz geht. Österreich hat also den Atomausstieg beschlossen, bevor es richtig eingestiegen ist.

Heute dient das Areal des Kernkraftwerkes als Schulungsraum für Kraftwerksmitarbeiter weltweit, teilweise jedoch auch als Filmset oder Festival-Location.

Atomenergie weltweit

Laut der letzten Erhebung der Internationalen Atomenergie-Organisation werden aktuell 55 Kernkraftwerke gebaut – 11 davon alleine in China. 81 weitere Anlagen sind in Planung, davon 31 in China und 21 in Russland.

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