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Bild: Getty Images /watson-montage

Krebse sterben im Golf von Mexiko an Liebeskummer und Ölverschmutzung

Wer an die Explosion der Ölplattform Deepwater Horizon denkt, dem kommt sicher keine gescheiterte Romanze in den Sinn. Für die Krustentiere im Golf von Mexiko ist es aber genau das. Und eine ordentliche Portion Umweltverschmutzung.

Dennis Frasch / watson.ch

Stell dir vor, du bist wuschig. Heute ist einer dieser Tage, an denen du einfach etwas Liebe brauchst. Vielleicht sind es die Pheromone in der Luft, vielleicht die wunderschöne Person, die am morgen an dir vorbei gelaufen ist. Deine Hormone spielen auf jeden Fall verrückt.

Du beschließt, heute Abend an einen Hot-Spot deiner potentiellen Brunstpartner auf die Suche zu gehen. Marvin Gaye singt irgendwo in deinem Hinterkopf. Du bist bereit. Doch als du ankommst, fallen dir kurz darauf Hände und Beine ab.

Für viele Krebse an der Küste von Louisiana ist genau das bittere Realität. Eine Studie des Louisiana University Marine Consortium (LUMCON), die Ende August in der Fachzeitschrift Royal Society Open Science erschien, hat die Fauna rund um die 2010 explodierte Ölplattform Deepwater Horizon untersucht.

Hormongeschwängerte Krustentiere

Das LUMCON-Team untersuchte dabei den Meeresboden mit Kameras an ferngesteuerten Fahrzeugen in einem Abstand von 300 Metern zum Bohrlochkopf. Die Ergebnisse wurden mit Untersuchungen am selben Ort unmittelbar nach der Katastrophe von 2010 sowie mit aktuellen Daten aus anderen Teilen des Golfs verglichen.

May 6, 2010 - Gulf of Mexico, Louisiana, U.S. - Dark clouds of smoke and fire emerge as oil burns during a controlled fire in the Gulf of Mexico. The U.S. Coast Guard working in partnership with BP PLC, local residents, and other federal agencies conducted the in situ burn to aid in preventing the spread of oil following the April 20, 2010 explosion on Mobile Offshore Drilling Unit Deepwater Horizon. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY - ZUMAz03_

May 6 2010 GULF of Mexico Louisiana U S Dark Clouds of Smoke and Fire Emerge As Oil Burns during a Controlled Fire in The GULF of Mexico The U S Coast Guard Working in Partnership With BP plc Local Residents and Other Federal Agencies conducted The in Situ Burn to Aid in Preventing The spread of Oil following The April 20 2010 Explosion ON Mobile Offshore Drilling Unit Deepwater Horizon PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY ZUMAz03_

Der Golf von Mexiko nach der Katastrophe auf der Ölplattform Deepwater Horizon. Bild: imago/ZUMA Press

Die Forscher entdeckten Scharen von Krebsen und Garnelen rund um die vor Erdöl triefende Pipeline. Insgesamt hat die Artenvielfalt jedoch ihren Tiefpunkt erreicht. Craig McClain, Direktor von LUMCON, sagte in einem Interview mit dem "New Orleans Advocate":

"Wir sollten Glasschwämme, Riesenasseln, Fische, Korallen und Seegurken sehen. All dies sind gewöhnliche Tiefseetiere im Golf von Mexiko. Aber wenn man sich dem Bohrlochkopf nähert, sieht man nichts davon."

quelle: "new orleans advocate"

Der Studie zufolge machten Garnelen und Krabben 92 Prozent der Tiere auf dem Gelände aus. Doch was machen die Krustentiere dort?

Sie suchen nach Liebe.

Laut den Forschern setzt das alte, zerfallene Erdöl Chemikalien frei, von dem sich die Krustentiere angezogen fühlen. Die Tiere verwechseln die Chemikalien mit Sexualhormonen und begeben sich deswegen auf die Suche nach potenziellen Partnern in der Umgebung. Doch anstatt sich fortpflanzen zu können, passiert eher das Gegenteil:

Viele der Krabben waren von einem Ölfilm überzogen, Parasiten wucherten auf ihrer Schale. Auch fehlten den Krabben zum Teil ihre Scheren. Ohne diese können sie sich nicht vor Feinden schützen.

Zerstörte Flora und Fauna

Ölbohrinseln und andere Tiefseestrukturen fungieren normalerweise als künstliche Riffe und ziehen eine Vielzahl von Meereslebewesen an. Dies ist bei Deepwater Horizon nicht der Fall. Die Rohrleitungen sind komplett unfruchtbar. Laut den Forschern von LUMCON regenerieren sich Flora und Fauna zudem langsamer als erwartet.

Es ist neun Jahre her, seit die Bohrplattform Deepwater Horizon des britischen Ölkonzerns BP im Golf von Mexiko in die Luft geflogen ist. Elf Arbeiter kamen dabei ums Leben. Die Explosion führte zu einem Leck, das während 87 Tagen rund 800 Millionen Liter Erdöl ins Meer spülte. Es war eine der schwersten Umweltkatastrophen dieser Art in der Geschichte.

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