Weinendes Mädchen an US-Grenze wurde nicht von Mutter getrennt 

Das Foto des kleinen weinenden Mädchens aus Zentralamerika hat in der Debatte um die Familientrennungen an der US-Grenze zu Mexiko die öffentliche Entrüstung besonders angefacht. Allerdings wurde das Kind gar nicht seiner Mutter weggenommen. Die Zweijährige ist bei ihrer Mutter - in einer Haftanstalt.

Denis Varela, der weiterhin in Honduras lebende Vater des Mädchens, sagte in einem Telefoninterview mit einem Fernsehsender des Landes, Mutter und Tochter seien beisammen. Das honduranische Außenministerium habe ihm mitgeteilt, dass sie sich zusammen in einer Hafteinrichtung in Texas aufhielten. Die Mutter habe einen Asylantrag gestellt.

Das Bild der US-Fotoagentur Getty zeigt das Mädchen, wie es weinend zu einem US-Grenzschützer hochblickt, der der Mutter gegenübersteht. Es wurde zum Symbolfoto der menschlichen Dramen, die sich an der Grenze zu Mexiko abspielen. Vor allem in der Debatte um die rigorose Praxis der US-Behörden, illegal ins Land gelangen Migranten ihre Kinder wegzunehmen, wurde es häufig gezeigt.

Das US-Magazin "Time" benutzte das Bild des kleinen Mädchens für eine Montage auf seiner Titelseite. Das weinende Mädchen blickt darauf zu US-Präsident Donald Trump hinauf. "Welcome to America" lautet die sarkastische Zeile zu der Fotomontage.

Das Magazin stellte dann aber seine erste Version der Ereignisse, die sich rund um das von dem Getty-Fotografen John Moore geschossene Foto abspielten, richtig. Das Mädchen sei nicht schreiend von Grenzschutzbeamten weggetragen worden. Vielmehr habe "ihre Mutter sie in die Arme genommen, und die beiden wurden zusammen abgeführt".

Ein Grenzschutzbeamter aus der Patrouille, die das Mädchen und seine Mutter aufgegriffen hatte, sagte dem US-Sender CBS News, beide seien spät am Abend nahe der Grenze gefunden worden. Die Beamten hätten dann die Frau aufgefordert, das Kind abzusetzen, damit sie durchsucht werden könne. Das Kind habe daraufhin sofort angefangen zu weinen.

Die Durchsuchung der Frau habe "weniger als zwei Minuten» gedauert, berichtete der Grenzschützer Carlos Ruiz. Direkt danach habe die Mutter das Kind wieder hochgenommen, "und das Kind hörte sofort auf zu weinen".

Mutter und Tochter hatten mutmaßlich den Grenzfluss Rio Grande durchquert, um nach Texas zu gelangen.

(czn/afp)

0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Analyse

Warum US-Präsident Biden Putin einen "Mörder" nennt – und Russland so hart angeht

Halten Sie Wladimir Putin für einen Mörder? "Das tue ich", sagte US-Präsident Joe Biden jüngst in einem Interview mit ABC News. Und kündigte in Richtung des russischen Präsidenten an: "Er wird einen Preis zahlen."

Kaum 60 Tage ist der US-Präsident Biden im Amt und bereits jetzt hat das russisch-amerikanische Verhältnis einen ersten Tiefpunkt erreicht. Nach dem Interview beorderte Moskau den russischen Botschafter vorläufig aus Washington zurück. Man wolle sich beraten, hieß es vonseiten der …

Artikel lesen
Link zum Artikel