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US President Donald J. Trump (R) meets with Canadian Prime Minister Justin Trudeau (not pictured) in the Oval Office of the White House in Washington, DC, USA, 20 June 2019. The president spoke to the media about Iran shooting down an American drone, saying it might not have been intentional. PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xStefanixReynoldsx

Bild: imago/watson-montage

Trump soll Luftangriff auf den Iran befohlen haben – er wurde in letzter Minute gestoppt

Mit dem Abschuss einer amerikanischen Aufklärungsdrohne in der Nacht auf Donnerstag und dem Streit über ihren Abschussort spitzt sich der Konflikt zwischen den USA und dem Iran zu. Die USA behaupten, die Drohne vom Typ "RQ-4A Global Hawk" sei über internationalen Gewässern getroffen worden. Der Iran legte am Donnerstag nach eigener Darstellung sichere Beweise dafür vor, dass die Drohne über iranischem Hoheitsgebiet flog. Es geht offenbar um nur wenige Kilometer. Die wichtigsten Punkte:

Wie reagiert Trump?

Offensichtlich ziemlich heftig: Er soll laut einem Bericht einen Luftangriff auf den Iran befohlen haben – und ihn dann kurze Zeit später zurückgezogen haben. Dies berichtet die New York Times mit Bezug auf mehrere hochrangige Regierungsbeamte.

Der Präsident habe Angriffe auf eine Handvoll iranischer Ziele, wie Radaranlagen und Raketenbatterien genehmigt. Die Operation war schon im Gange, als sie abgebrochen wurde, so ein hoher Regierungsbeamter gemäß der "Times".

Bereits waren Flugzeuge in der Luft und Schiffe in Position, aber es wurden keine Raketen abgefeuert, als die Nachricht kam, dass man sich zurückziehen sollte, sagte der Beamte weiter. Das Weiße Haus wollte den Bericht gegenüber der Zeitung nicht kommentieren. Es habe aber keine Bemühungen gegeben, die Veröffentlichung des Artikels zu stoppen, schreibt die "New York Times" weiter.

Die Luftangriffe sollten kurz vor Tagesanbruch am Freitag im Iran stattfinden, um das Risiko für die Zivilbevölkerung zu minimieren. Es wäre die dritte offizielle Militäraktion Trumps gegen Ziele im Nahen Osten gewesen: Bereits in den Jahren 2017 und 2018 fanden Luftangriffe auf Ziele in Syrien statt.

Was passierte noch?

Der US-Präsident hatte am Donnerstag die Spitzenvertreter des Parlaments beider Parteien ins Weiße Haus eingeladen, um sie über die Situation zu unterrichten. Der Fraktionschef der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, sagte nach dem Treffen: "Der Präsident mag einen Krieg mit dem Iran nicht beabsichtigen, aber wir sind besorgt, dass er und seine Administration in einen Krieg hineinrutschen könnten."

US-Präsident Trump sagte am Donnerstag mit Blick auf den Iran:

"Sie haben einen sehr schweren Fehler gemacht."

Es sei "wissenschaftlich dokumentiert", dass die Drohne in internationalem Luftraum geflogen sei. Trump hatte zunächst offengelassen, wie die USA reagieren werden. "Das werden Sie bald herausfinden", sagte Trump vor Journalisten im Weißen Haus.

Was sagt der Iran?

Der iranische Außenminister Jawad Sarif schreibt auf Twitter, man werde den Fall vor die Vereinten Nationen bringen "und zeigen, dass die Vereinigten Staaten lügen".

Der Chef der iranischen Revolutionsgarden betonte, der Iran wolle mit niemandem Krieg, sei aber auf jeden militärischen Konflikt vorbereitet. Die "rote Linie" des Irans seien dabei seine Grenzen. "Jeder, der die überschreitet, wird zerstört und auch nicht mehr (in sein Land) zurückkehren", sagte General Salami nach Angaben des IRGC-Webportals.

Um was gehts?

Letztlich darum, wo die Drohen abgeschossen wurde: In internationalen Gewässern oder auf dem Hoheitsgebiet des Iran. US-Luftwaffengeneral Joseph Guastella sagte am Donnerstag, die Drohne sei rund 34 Kilometer von der Küste Irans entfernt und damit in internationalem Luftraum gewesen. Der iranische Außenminister Jawad Sarif veröffentlichte Koordinaten zum Abschuss, die zwar vor der Küste, aber innerhalb Irans Hoheitsgewässern liegen. "Wir haben die Überreste der US-Drohne in unseren Gewässern geborgen", twitterte Sarif am Donnerstagabend.

Wie belegen die Seiten ihre Behauptungen?

Das US-Verteidigungsministerium veröffentlichte am Donnerstag eine Karte, welche die Flugroute der Drohne zeigen soll. Demnach flog die Drohne nicht über iranische Hoheitsgewässer. Veröffentlicht wurde auch ein Foto mit den angeblichen Koordinaten zum Zeitpunkt des Abschusses.

So stellt der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif die Flugroute dar.

Die Koordinaten weichen von denen ab, die zuvor der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif veröffentlicht hatte.

Bild

Rot = US-Quelle, grün = iranische Quelle. Bild: twitter: @fscholkmann

Wie ist eigentlich der Luftraum eines Landes definiert?

Der Luftraum eines Landes erstreckt sich nach Uno-Angaben über dessen Landmasse und gegebenenfalls über dessen Hoheitsgewässer, die bis zu zwölf nautische Meilen (22.2 Kilometer) vor die Küste reichen. Die Koordinaten, an denen die Drohne laut Sarif angegriffen wurde, liegen rund 15 Kilometer vor dem nächsten Punkt an der iranischen Küste. Auf einer Pentagon-Karte ist die Markierung für die Absturzstelle deutlich weiter von der Küste des Landes entfernt.

Wieso ist die Straße von Hormus so wichtig?

Sie verbindet die ölreiche Golfregion mit dem offenen Meer. Über die Strecke läuft ein großer Teil des weltweiten Öltransports per Schiff. Erst vergangene Woche hatten Angriffe auf zwei Öltanker in der Region die Spannungen den USA und dem Iran erheblich angeheizt.

Was zeigt der Abschuss sonst noch?

Mit dem Abschuss der US-Drohne demonstrierte der Iran – der über das russische Raketenabwehrsystem S-300 verfügt – auch seine militärischen Fähigkeiten. Die Global-Hawk-Drohne ist nach Angaben des Herstellers Northrop Grumman für den Einsatz in extrem hohen Flughöhen konstruiert. Die Drohne kann bis zu 19.8 Kilometer hoch fliegen – deutlich höher als Verkehrsflugzeuge. Das unbemannte Flugzeug ist knapp 15 Meter lang und hat eine Spannweite von 40 Metern. Zum Vergleich: Eine Boeing 737-700 kommt auf gut 33 Meter Länge und eine Spannweite von knapp 36 Metern.

Und wie ist die Vorgeschichte?

Ausgangspunkt der jüngsten Spannungen zwischen dem Iran und den USA war der einseitige Austritt der USA aus dem gemeinsamen Atomabkommen mit dem Iran vor rund einem Jahr. Die übrigen Parteien des Abkommens, neben dem Iran die EU, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, China und Russland – sind weiterhin dabei.

Erst am Montag hatte das Pentagon angekündigt, weitere 1000 Soldaten in den Nahen Osten zu schicken, um US-Truppen und nationale Interessen der USA in der Region zu schützen. Bereits Ende Mai hatten die USA ihre Truppen im Nahen Osten wegen der "anhaltenden Bedrohung" durch iranische Kräfte um 1500 Soldaten verstärkt.

Der Iran hatte wiederum am Montag angekündigt, dass er bereits am Donnerstag kommender Woche eine im internationalen Atomabkommen mit dem Land festgelegte Obergrenze für Vorräte mit niedrig angereichertem Uran überschreiten werde. Zudem erklärte die Islamische Republik, umgehend bereit zu sein, auch das Anreicherungslimit von 3.67 Prozent zu brechen. Für Atombomben ist allerdings ein Anreicherungsgrad von 90 Prozent notwendig, wovon der Iran derzeit weit entfernt ist.

(mlu/dpa/afp)

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