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Bild: getty images/montage: watson

Missbrauch in der Kirche – Als Kind wurde John zum Opfer

Johannes Bebermeier / t-online

Im US-Bundesstaat Pennsylvania sollen 300 Priester 1000 Kinder missbraucht haben. Eines von ihnen ist John. Seine Geschichte ist eine von vielen und doch besonders erschütternd.

John hat das Kreuz noch immer. Ein großes goldenes Kreuz an einer langen Kette. Das Kreuz ist eigentlich das Zeichen des christlichen Glaubens, der Kirche. Für John ist es eine Erinnerung an den sexuellen Missbrauch, den er erlitten hat. Missbrauch im Zeichen des Kreuzes.

John heißt eigentlich nicht John, doch seine Geschichte gibt es wirklich. Er ist eines von mehr als 1000 Missbrauchsopfern, die der Generalstaatsanwalt von Pennsylvania ausfindig gemacht hat. Insgesamt werden in seinem im August veröffentlichten Abschlussbericht 300 Priester namentlich des Missbrauchs beschuldigt. Ihre Taten und ihr Werdegang werden auf mehr als 1300 Seiten aufgeschlüsselt. Entstanden ist so die umfassendste Sammlung von Missbrauchsvorwürfen in der katholischen Kirche der USA.

Die Geschichte von John ist also eine von vielen und doch eine besondere. An ihr lässt sich ablesen, wie Priester die Nähe zu Kindern systematisch suchten und dann ausnutzten. Und wie wenig die Kirche dagegen unternommen hat.

Katholische Schule, Messdiener

Ende der 60er, Anfang der 70er Jahre lebt John mit seinen Eltern in Pittsburgh, einer Großstadt im Südwesten Pennsylvanias. Seine Eltern erziehen ihren Jungen katholisch, von der ersten bis zur zwölften Klasse besucht er eine katholische Schule. John dient als Messdiener in der Kirche St. Albert im Süden der Stadt. So schildert er es später den Ermittlern.

Mitte der 70er trifft John auf George Z., einen angehenden Priester. Der junge John freundet sich mit Z. an. Seine katholische Familie unterstützt das, ermutigt ihn. Priester seien in seiner Familie hoch angesehen gewesen, sagt John heute. Seine Eltern glauben, der Priester könne einen guten Einfluss auf John haben. Er sei damals ein tougher Junge gewesen, sagt John heute über sich.

Hintergrund:

Der Generalstaatsanwalt von Pennsylvania hat im August seinen Abschlussbericht zu sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche präsentiert. Darin beschuldigt er 300 katholische Priester in dem US-Bundesstaat. Sie sollen sich in den vergangenen 70 Jahren an Kindern vergangen haben. 1000 Opfer seien identifiziert, die Ermittler gehen aber von mehr Opfern aus. Die katholische Kirche habe meist nichts getan und Taten sogar vertuscht. Für den Bericht haben die Ermittler nicht nur mit den Beteiligten gesprochen, sondern auch eine halbe Million Dokumente ausgewertet.

Z. besucht John zu Hause, kommt zum Essen. Als John auf die High School geht, nimmt ihn der Priester mit auf Ausflüge, zeigt ihm eine der Ausbildungsstätten für Priester. John kommt ab und zu mit, wenn Z. seine Aufgaben erledigt. Sogar das Autofahren bringt Z. ihm bei.

Die "Freunde" des Priesters

Irgendwann stellt der Priester John seinen "Freunden" vor, es sind andere Priester. John ist noch minderjährig. Z. und drei weitere Priester nehmen John mit in ein kirchliches Gebäude. Sie unterhalten sich erst über religiöse Statuen. Dann bitten sie John, sich auf ein Bett zu stellen, sein Hemd auszuziehen und auch seine Hose. So würde er besser dem Bild Christi im Lendenschurz entsprechen, sollen sie gesagt haben.

John ist nervös, doch er gehorcht. Die Priester machen mit einer Polaroid-Kamera Fotos von John. Nicht auf allen trägt er Unterwäsche. Die Priester kichern. Sie erzählen John, dass die Bilder neue religiöse Statuen inspirieren sollen.

Doch eigentlich wandern sie in ihre Sammlung, die weitere Fotos dieser Art von anderen Jungen enthält. Es ist ein Ring pädophiler Priester in der Diözese Pittsburgh. Da sind sich die Ermittler sicher. Die Priester fertigen demnach nicht nur Kinderpornografie an, sondern vergewaltigen einige ihre Opfer auch auf sadistische Weise.

John sagt heute, dass er selbst nicht vergewaltigt wurde. Dass George Z. Kinder sexuell missbraucht hat, berichten aber mehrere seiner Opfer.

Einige werden verurteilt, andere nicht

Einige der Priester des Pädophilenrings werden später für sexuellen Missbrauch verurteilt, kommen ins Gefängnis. Bei anderen sind die Taten verjährt. George Z. wird mehrfach in andere Gemeinden versetzt, zwei Mal wird er beurlaubt, aus "persönlichen Gründen". Immer wieder erheben Eltern Missbrauchsvorwürfe gegen ihn, schildern sie seinen Vorgesetzten. Vor der Polizei oder gar einem staatlichen Gericht muss sich Z. trotzdem nie verantworten. Irgendwann nach 1995 wandert Z. nach Kuba aus. Er arbeitet dort wohl für Arme und Bedürftige. 2001 wird er in seiner Wohnung in Havanna ermordet aufgefunden.

John geht irgendwann zum US-Militär. Und versucht weiterzuleben. Über die Geschichte seines Missbrauchs schweigt er viele Jahrzehnte. Das erste Mal erzählt er sie 2017 den Ermittlern der Generalstaatsanwaltschaft. Wem hätte er damals davon berichten sollen? Wem wollte man erzählen, dass Priester Nacktbilder von einem gemacht haben? Es sei beschämend gewesen, erniedrigend.

Als John dem Staatsanwalt seine Geschichte erzählt, hat er das große goldene Kreuz dabei. George Z. habe ihm damals erzählt, dass die Priester dieses Kreuz nur ihren liebsten Messdienern und Jungen schenken. Der eigentliche Zweck ist den Ermittlern zufolge aber ein anderer. Das große goldene Kreuz war ein Zeichen, ein Code. Es hat anderen Priestern des Pädophilenrings signalisiert: Diese Kinder sind sexuell missbraucht worden, sie kennen das – und sind somit optimale Opfer.

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