International
FILE - In this Nov. 15, 2018, file photo, House Minority Leader Nancy Pelosi, D-Calif., talks to reporters during a news conference at the Capitol in Washington. Pelosi enters the House Democratic leadership elections Wednesday in an unusual position: She’s running unopposed. This was not the plan from Pelosi opponents. (AP Photo/J. Scott Applewhite, File)

Bild: AP

Darum ist Nancy Pelosi jetzt Trumps wichtigste Gegenspielerin

Nancy Pelosi hat schon einiges hinter sich. Die 78-Jährige ist seit 37 Jahren im politischen Geschäft und lange schon in Führungsjobs im US-Kongress. Die Frontfrau der Demokraten weiß, Kritik abzuwehren, Mehrheiten zu organisieren und Abweichler einzufangen.

Das hat sie nun einmal mehr bewiesen: 

Worum es geht:

Der Führungsjob in der Kammer ist so etwas wie das Amt des Bundestagspräsidenten in Deutschland. Ein einflussreicher Posten - mit Abstand der wichtigste, den die Demokraten derzeit zu besetzen haben. Von 2007 bis 2011 war Pelosi schon einmal "Sprecherin" des Repräsentantenhauses, so lautet der offizielle Titel. Pelosi rückte als erste Frau in der Geschichte des Landes auf den Posten auf.

Keine Gegenkandidaten

Als die Demokraten die Mehrheit im Repräsentantenhaus verloren, wurde sie wieder Minderheitsführerin ihrer Partei. Und in dieser Rolle führte sie die Demokraten bei der Kongresswahl Anfang November gerade erst zurück zu einer Mehrheit dort. Pelosi reklamiert einen Teil des Wahlerfolgs für sich und erhob direkt nach der Wahl Anspruch auf das wichtigste Amt im US-Kongress.

Doch einige Abgeordnete aus den eigenen Reihen sprachen sich gegen sie aus, riefen nach Veränderung und Verjüngung. Sie forderten, Pelosi solle nach mehr als 30 Jahren im Kongress und 16 Jahren an der Spitze ihrer Fraktion Platz machen für jemand Jüngeren. Mit ihren 78 Jahren steht Pelosi nicht gerade für den Aufbruch, nach dem sich viele Demokraten sehnen. Kritiker sehen sie als Teil des Establishments, als Vertreterin der alten Garde.

Doch Pelosi ließ sich von der Revolte nicht stoppen. Ihren Kritikern entgegnete sie beharrlich, sie sei am besten geeignet - und es gebe auch niemand anderen für den Job. Pelosi organisierte die eigenen Truppen, ließ jeden Tag aufs Neue prominente Fürsprecher auftreten. Und: Sie charmierte eine mögliche Konkurrentin aus dem Rennen. Die afroamerikanische Abgeordnete Marcia Fudge aus Ohio hatte Ambitionen auf das Sprecher-Amt angemeldet. Pelosi traf sich mit Fudge, sagte ihr mehr Mitsprache in der Fraktion zu, gab ihr einen Posten - und bewegte sie so, auf eine Kandidatur zu verzichten. Auch andere Kritiker beschwichtigte Pelosi auf ähnliche Weise. Eine Gegenkandidatur gab es am Ende nicht.

Schneller Aufstieg

Pelosi gilt als geschickte Taktiererin. Als eine, die es versteht, hinter den Kulissen zu schachern. Ein bisschen was konnte sie wohl bei ihrem Vater abschauen. Der war Bürgermeister der Ostküstenstadt Baltimore in der Nähe von DC. Pelosi wuchs als jüngstes von sechs Kindern auf, in einer italienisch-stämmigen Familie. Später zog sie selbst fünf Kinder auf und startete danach ihre politische Karriere.

Pelosi stieg schnell auf und hielt sich über Jahrzehnte auf politischen Führungsposten. Ohne Härte geht das nicht. Sie hat schon oft Durchhaltevermögen bewiesen. Auch als jemand, der schon mal acht Stunden ohne Pause und ohne Essen im Parlament einen Redemarathon absolviert, um für ein Einwanderungsgesetz zu kämpfen.

Zähigkeit dürfte die Demokratin noch brauchen. Die Abstimmung im Januar - bei der ersten Sitzung des Anfang November neu gewählten Repräsentantenhauses - wird die eigentliche Bewährungsprobe für Pelosi. Dort kann sie sich nur wenige Gegenstimmen aus den eigenen Reihen leisten. Nötig sind 218 Stimmen, die Demokraten haben nach derzeitigem Stand 234 Sitze in der Kammer. Es könnte noch einer mehr werden, denn das Rennen für einen Sitz ist noch unentschieden.

Aber auch wenn alles gut gehen sollte bei der Wahl, stehen Pelosi keine einfachen Zeiten bevor. Ihre Partei steckt in einem Wandel, und in Kämpfen über den künftigen Kurs. Bei der Kongresswahl hat sich eine ganze Gruppe progressiver, jüngerer Kandidaten der Demokraten durchgesetzt, die künftig im Repräsentantenhaus sitzen.

Linksextreme für die Republikaner

Viele Frauen sind darunter, Latinas, Muslima, Schwarze, Nachfahren von Ureinwohnern. Sie mischen die Partei auf, wollen diese moderner machen. Deren Frontfrau ist Alexandria Ocasio-Cortez, die als jüngste Frau überhaupt in die Kammer einzieht. Ocasio-Cortez nahm kurz nach der Wahl an einer Protestaktion zum Klimaschutz vor Pelosis Büro teil und bricht auch sonst mit lauter Konventionen. Ocasio-Cortez stützte Pelosi nur bedingt: Solange Pelosi die progressivste Kandidatin für den Posten sei, könne sie mit ihrer Unterstützung rechnen. Pelosi gehört zwar zum linken Flügel ihrer Partei - aber manchen in den eigenen Reihen ist sie nicht links genug.

Die Republikaner dagegen sehen sie quasi als Linksextreme. Dass Pelosi noch mal Vorsitzende des Repräsentantenhauses werden dürfte, ist ein gefundenes Fressen für Trumps Partei. Schon im Wahlkampf gab es kaum eine Rede von ihm, in der er nicht über sie herzog. Kurz nach der Kongresswahl bedachte Trump die Demokratin mit einem vergifteten Lob. Sie verdiene es, von ihrer Partei auf den Schlüssel-Posten gewählt zu werden, erklärte er da - und ergänzte gönnerhaft: "Wenn sie ihr das Leben schwer machen, geben wir vielleicht ein paar republikanische Stimmen obendrauf." Bis klar ist, wer bei den Demokraten 2020 gegen Trump antritt, ist der - oder in diesem Fall die - Vorsitzende des Repräsentantenhaus der wichtigste Gegenspieler von Trump. Er glaubt offenbar, er habe mit Pelosi eine leichte Gegnerin. Es wird sich zeigen, ob er damit Recht behält.

(pdi/dpa)

Das könnte dich auch interessieren:

"Die Bachelorette": Die beklopptesten Sprüche der ersten 15 Minuten

Link zum Artikel

Samu Haber flirtet bei "The Masked Singer" mit dem Monster: "Ich schlafe gerne mit dir!"

Link zum Artikel

"In meinen Kühlschrank geschaut": So dreist kontrolliert das Jobcenter Hartz-IV-Empfänger

Link zum Artikel

Ein Helene-Fischer-Song war für Florian Silbereisen gedacht – doch es kam ganz anders

Link zum Artikel

"Bachelorette": Das Lustigste an Folge 1 waren die Memes, guck!

Link zum Artikel

9 Hochzeitsplaner erzählen, welche "tollen Ideen" sie nicht mehr sehen können

Link zum Artikel

Ein Bobby-Car im Parkverbot – so reagiert die Polizei

Link zum Artikel

iPhone-Userin ruiniert besonderen Moment der Braut – so regt sich eine Fotografin auf

Link zum Artikel

Lidl provoziert Netto – und der Supermarkt kontert "a Lidl bit" später

Link zum Artikel

"Wo ist es nur geblieben?": Fans rätseln über angekündigtes Interview mit Helene Fischer

Link zum Artikel

Ein Fehler veranschaulicht, worum es Plasberg beim EU-Streit wirklich ging

Link zum Artikel

Whatsapp-Panne: Tochter schickt Eltern Urlaubs-Selfie – Wiedersehen dürfte peinlich werden

Link zum Artikel

Gleiches Produkt, dreifacher Preis? Jetzt reagiert Edeka auf die Vorwürfe

Link zum Artikel

"Masked Singer": Faisal Kawusi empört mit üblem Merkel-Witz – ProSieben reagiert patzig

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Dieser Promi steckt im Kudu-Kostüm!

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Dieser Star ist der Grashüpfer, und wir haben 7 Beweise!

Link zum Artikel

Autofahrer weichen aus: Gelbe Teststreifen plötzlich auf der A4 aufgetaucht

Link zum Artikel

Foodwatch kritisiert Edeka: Zwei Produkte, zwei Preise – trotz gleichen Inhalts

Link zum Artikel

"The Masked Singer": Mit seinem Helene-Fischer-Auftritt hat sich der Engel verraten

Link zum Artikel

Aldi startet neues Konzept in London – warum das in Deutschland nicht funktionieren würde

Link zum Artikel

Petition gegen beliebte dm- und Alnatura-Produkte: "Stoppt den ökologischen Irrsinn"

Link zum Artikel

McDonald's- und Burger-King-Mitarbeiter packen über dreisteste Kunden aus

Link zum Artikel

Das denken Singles, wenn sie diese 5 Sprüche hören

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Alice Weidel will an englischer Elite-Uni Oxford sprechen – Studenten protestieren

Die AfD-Fraktionsvorsitzende Alice Weidel ist es mittlerweile gewohnt, dass Menschen gegen ihre Auftritte protestieren. Wenn die Politikerin auf Kundgebungen in Deutschland spricht, scharen sich regelmäßig laute Gegendemonstranten um ihr Publikum. In der nächsten Woche will Weidel an der englischen Elite-Universität Oxford sprechen. Und selbst dort wird sie wohl auf lauten Gegenprotest stoßen.

Sie soll dort auf Einladung der Oxford Union sprechen – einem 1823 gegründeten Debattierklub. In der …

Artikel lesen
Link zum Artikel